Nach dem letztjährigen Tripelschlag mit Cold Roses, Jacksonville, 29 und der Zusammenarbeit mit Willie Nelson auf Songbird nun also ein neues Werk des Mannes, über den lebende Schreibmaschine und Freizeitrocker Stephen King neulich festhielt: Ich sag' nicht dass Ryan Adams Americas bester Songwriter ist, ich sag' aber auch nicht, dass er's nicht ist". Dazu mag man stehen, wie man will - allzu viele Gegenkandidaten in seiner Altersgruppe fallen mir nicht ein - sicher ist jedenfalls, dass Adams' Qualitätskontrolle viel besser funktioniert als die seines Fans. Obwohl genau so ein Workaholic, scheint Adams' Veröffentlichungspolitik viel strikter: Mittelmass oder gar Ausfälle sind in seiner Diskographie nicht zu finden (ok, abgesehen vom schauderbaren Rock'n'Roll Album). Auch Easy Tiger ist wieder ein Gewinner. Eingespielt einmal mehr mit den ausgesprochen entspannten Cardinals, bringt Adams 13 feine, kurze, und zumeist bereits live vorgestellte Songs, oft mit leichtem Country-Einschlag und angesiedelt irgendwo zwischen Neil Young's Only Love Can Break Your Heart" und Gram Parsons' Solowerk, aber mit Adams höchst persönlicher Mischng aus sehnsüchtiger Stimme, eingängigen Melodien, persönlichen Texten und feinem Gitarrenspiel (wer ein Problem mit Pedal-Steel Gitarren hat, sollte allerdings lieber auf 29 zurückgreifen). Dass Sheryl Crow im Hintergrung mitsingt stört nicht weiter, Off Broadway" wird endlich offiziell veröffentlicht, und einige neue Songs wie Oh My God, Whatever Etc." und das wunderbare I Taught Myself How To Get Old" sind gar auf dem Niveau von Adams' grossem Debut Heartbreaker - kurz, Easy Tiger ist die würdige Fortsetzung einer beeindruckenden Serie feiner Alben.