"Wahrscheinlich kenne ich jedes religiöse Lied, das jemals geschrieben wurde" soll Elvis einmal gesagt haben. Wahrscheinlich war diese Aussage ein wenig zu hoch gegriffen. Fakt ist jedoch, dass Elvis mit religiöser Musik aufwuchs, von ihr geprägt wurde und später immer wieder gerne religöse Lieder interpretierte.
Auf dieser CD bekommen wir nun also eine Auswahl an religiösen Liedern von Elvis Presley zu hören. Allerdings nicht die seit Jahren bekannten Mastertakes, sondern vielmehr, wie bei den Vröffentlichungen des Sammler-Labels "Follow That Dream" üblich, alternative Version. Aber gerade das macht den Reiz dieser CD aus!
Diese beginnt mit dem "March Of Dimes". Wer nun glaubt, hier einen bislang unbekannten Elvis-Song zu bekommen, irrt sich gewaltig. Es handelt sich um einen kurzen Radiospot von 1957, in dem Elvis dazu aufruft, sich gegen Kinderlähmung impfen zu lassen.
Der erste Song ist "It Is No Secret" aus dem selben Jahr. Der Song war Bestandteil der ersten religiösen Platte, die je von Elvis veröffentlicht wurde, der EP "Peace In The Valley". Elvis klingt auf der hier veröffentlichten Version noch deutlich unsicher, singt das Lied relativ langsam.
Im Oktober 1960 spielte Elvis in einer Nacht 13 religiöse und einen weltlichen Song ein. Genug für eine eigene religiöse LP, "His Hand In Mine". "He Knows Just What I Need" wird relativ flott vorgetragen (zu schell, wie Elvis meint), "Mansion Over The Hilltop" hingegen etwas langsamer als in der bekannten Fassung. Dafür ist Elvis während des Refrains mehr Teil des Chors. Der weltbekannte Gospelsong "Joshua Fit The Battle" klingt sehr textsicher, nur die Musiker spielen noch etwas verhalten. "I'm Gonna Walk Dem Golden Stairs" beginnt mit zwei Fehlstarts, dann folgt ein wirklich guter dritter Take, schnell, aber nicht mit der Power, die der später zum Mastertake erklärte erste Versuch aufgewiesen hatte. Am Ende gibt es auch noch ein kurzes Missverständnis zwischen Elvis auf der einen und Musikern und Chor auf der anderen Seite. Auch "Known Only To Him" beginnt mit einem Versuch, der nach wenigen Sekunden abgebrochen wird. Der zweite geht aber - allerdings sehr langsam und verhalten gesungen - durch.
Ein "Zeitsprung" verfrachtet uns um fast sechs Jahre weiter, in die Aufnahmesession zu Elvis' zweitem Gospel-Album, "How Great Thou Art". Mit diesem sollte er nach zahllosen erfolglosen Nominierungen zuvor endlich seinen ersten Grammy erhalten (in der Kategorie "Bestes religiöses Album"). Die Session begann mit dem Song "Run On", dessen Text einen sehr weltlichen Bezug hat. Bei "Stand By Me" handelt es sich nicht um den Klassiker von Ben E. King. Elvis singt sehr langsam, mit viel Gefühl. Dieses Gefühl wird auch von den Jordanaires (einem Gospel-Quartett, das seit 1956 mit Elvis zusammenarbeitete) wie auch den übrigen Backgroundsängern (besonders schön: Millie Kirkhams "Engelsstimme") in den Song gelegt. "So High" hat noch nicht die Power des Mastertake, doch Elvis, Band und Backgroundsänger steigern sich im Laufe des Songs. Elvis' "Somebody Bigger Than You And I" ist mein absoluter Lieblingsgospel. 16 Versuche brauchte man 1966, um einen zufriedenstellenden Master hinzukriegen. Dieser 12. Versuche wird noch relativ verhalten gesungen, was vor allem zum Schluss hin auffällt.
"We Call On Him" vom 11. September 1967 wurde 1968 als Single-B-Seite veröffentlicht (A-Seite war "You'll Never Walk Alone"). Ein wunderschöner Song mit einem wunderschönen Text. Hier sehr langsam, aber mit viel Gefühl vorgetragen.
Im Dezember 1968 feierte Elvis mit der TV-Show "Elvis" sein umjubeltes "Comeback". Teil davon war auch eine Gospelsequenz, zusammengesetzt aus drei religiösen Lieder. Eines davon war "Saved". Elvis Stimme klingt fast aggressiv, wie er diesen vom Songschreiberduo Leiber/Stoller geschriebenen Song vorträgt. Dabei wird er von der Musik weiter angetrieben.
1972 erschien ein weiteres reines Gospel-Album, "He Touched Me" (auch für dieses gewann Elvis den Grammy als bestes religiöses Album). Die dafür verwendeten Songs wurden bereits im Jahr 1971 eingespielt. "An Evening Prayer" wird, passend zum Titel und zum Text, von Elvis gebetsartig vorgetragen. "Seeing Is Believing" ist ein richtiger Rocksong, geschrieben von Elvis' Freund und Leibwächter Red West (zusammen mit Glen Spreen). Zehn Versuche vor dem Mastertake klingen Elvis und Band aber noch sehr zurückhaltend. Auch wurden später noch Änderungen am Text der Backgroundsängerinnen vorgenommen. Von "There Is No God But God" wird der erste Versuch nur kurz angesungen. Dieser scheint Elvis allerdings etwas zu langsam zu sein, der zweite Versuch ist schon deutlich schneller - und erinnert stark an den Mastertake (zu dem der fünfte Versuch wurde). Nachdem Elvis kurz "Farther Along" (dieser Song wurde 1966 für die bereits erwähnte LP "How Great Thou Art" eingespielt), "Oh Happy Day" und "I Got A Woman" (von seiner ersten LP "Elvis" 1956) angestimmt hat, beginnt die Arbeit zu "He Is My Everything". Nach einigen Proben wird der erste Versuch gestartet, Elvis singt verhaltener als beim späteren Mastertake. Der bekannte Gospelsong "Bosom Of Abraham" wurde, vor der Veröffentlichung auf der LP "He Touched Me" bereits auf einer Single-B-Seite veröffentlicht (A-Seite "He Touched Me"). Auf "Easter Special" hört man den siebten Take, schneller, aber weniger überzeugend als der Mastertake, der einen Versuch früher eingespielt wurde.
Im Dezember 1973 nahm Elvis für sein Album "Good Times" auch einige Gospelsongs auf. Unter anderem das mit modernen Popelementen untermalte "I Got A Feeling In My Body" - das man auch heute noch in einigen Diskotheken spielen könnte. Allerdings hat der hier veröffentlichte siebte Versuch (der sechste besteht nur aus einem kurzen Anspielen der Instrumente) einige Schwächen, ihm fehlt einfach die Power. Das war beim Mastertake, zu dem bereits der dritte Versuch gekürt wurde, ganz anders. Die CD endet mit einer Ballade, "If That Isn't Love". Zuerst hört man kurz einige Proben zum Song und ein wenig Studiotalk. Es folgt der zweite Versuch, der nur aus einigen Akkorden am Klavier besteht, der dann folgende sechste Versuch wird von Elvis nach der ersten Zeile abgebrochen. Der siebte geht aber durch - und Elvis legt eine wunderbare Version hin! Zu diesem Zeitpunkt war der Mastertake schon lange im Kasten, der vierte Versuch schaffte es auf das Album "Good Times".
Die CD "Easter Special" ist, trotz des etwas verwirrenden Namens, ein außgesprochen empfehlenswertes Album! Elvis liebte religiöse Musik - und man spürt beim Hören der CD diese Liebe in jedem Wort! Auch kann man durch die chronologische Reihenfolge der Songs gut die Entwicklung des "King of Rock'n'Roll" in dessen religiösem SChaffen verfolgen. So ist die CD nicht nur ein Muss für jeden Elvis-Fan, sondern auch für jeden, der religiöse Musik mag.