Mit "Earhling", das 1996 veröffentlicht wurde, ging Bowie auf Tuchfühlung mit der damals sehr populären Musikströmung "Jungle" sowie Drum´n Bass. Prodigy hatten damals mit Firestarter einen weltweiten Hit und kurz vor seinem 50. Geburtstag griff Bowie diese Musikströmung auf und kreierte erneut etwas völlig Neues und teilweise Irritierendes. "Earthling" klingt sehr hart und stellt schon so manchen Bowie-Fan auf die Probe. Fans seiner 80-er Jahre-Periode sollten um diese Platte vielleicht einen weiten Bogen machen.
Im Mittelpunkt steht hier das Experimentieren mit neuartigen Sounds, die teilweise gewöhnungsbedürftig sind. Trotzdem ist das Album weit mehr als ein experimentelles Album - Nummern wie "Telling Lies", "Seven Years in Tibet", "The letter" "Little Wonder" oder "I´m afraid of Americans" sind innovativ und gelungen - wenn auch nicht sofort zugänglich.
Bowie produzierte diese Platte relativ rasch mit seinem Tin Machine Kollegen Reeve Gabrels, und auch die Nine Inch Nails hatten einen enormen Einfluss auf den Sound. "Earthling" ist kompromisslos und es machte 1996 den Anschein, dass Bowie sehr stolz war trotz seiner 50 Jahre noch am Puls der Zeit zu sein. Dies äußerte sich auch an seinem damaligen Look: orange, kurze Haare, eine Augenkappe und ein Ohrring. Nun ja...
In jedem Fall ist "Earthling" Bowies letztes "wildes", eigenwilliges und unbequemes Album. Der Nachfolger "Hours" sollte 1999 bereits das Thema des Alterns aufnehmen und klingt - bis auf 2 Ausreisser - schon verhältnismaßig abgeklärt.
In diesem Sinne: Earthling war am Puls der damaligen Zeit, wenn es auch den Test der Zeit nur bedingt bestanden hat
PS: Interessant vielleicht auch, dass "Telling Lies" einer der ersten Songs war, der im Internet zum Download angeboten wurde