MOGWAI treiben ihre eigene Entwicklung weiter und bleiben dabei produktiv. Das erst vor ein paar Monaten erschienene reguläre Album fiel durch seine für Mogwai-Verhältnisse erstaunlich hohe Kompaktheit und vor allem Geschwindigkeit der einzelnen Tracks auf. Die optische Gestaltung der nun vorliegenden "Earth Division EP" macht deutlich, daß sie als Begleiter von "Hardcore Will Never Die, But You Will" gesehen werden soll. Die musikalischen Mittel sind aber ganz andere: Nichts zwingend Neues im Mogwai-Kontext, eher das gezielte Herausarbeiten von Elementen, die implizit immer mal wieder anwesend waren, vor allem Streichquartett und Klavier. So erinnern die molligen, schweren Piano-Akkorde von "Get To France" an "A Cheery Wave From Stranded Youngsters" ["Young Team", 1997]. Aber das Stück bleibt kammermusikalisch: Violinen und Violas kommen dazu, Martin Bulloch nicht (Die ganze EP ist Drummer-los). Der Titel weckt bei älteren Semestern natürlich gruselige Erinnerungen an einen von Maggie Reilly gesungenen 80er-Radiohit von Mike Oldfield, und diese Irritation mag sogar beabsichtigt sein. Mogwai haben immer wieder einen hintergründigen bis bedrohlichen Humor bewiesen, indem sie ihren Stücken Titel wie "Golden Porsche", "Superheroes Of BMX" oder "Punk Rock/Puff Daddy/ANtICHRISt" gaben und damit die emotionale Marianengrabenhaftigkeit der dazugehörigen Musik relativierten. Das und ihr so selbstverständlich unglamouröser Habitus haben sie vor der Prätentionsfalle bewahrt.
Glanzstück dieser EP ist "Hound Of Winter": Zum ersten Mal gibt es in einem Mogwai-Track eine Mundharmonika zu hören; dazu behutsam gezupfte Westerngitarren, deren einfache Harmonien entfernt an, natürlich, Neil Youngs "Helpless" erinnern; ein tröpfelndes Klavier und vor allem und endlich wieder Stuart Braithwaites linkische, immer leicht oberhalb der Hauchgrenze artikulierte Vocals. Wenn im B-Teil dann wieder die Streicher einen flirrenden Himmel hinter die übrigen Instrumente malen, ist das wirklich tränentreibend schön. Wie sie das bloß immer wieder hinkriegen!
"Drunk And Crazy" fügt zeitweilig Verzerrung, Delay und Loops hinzu, basiert aber auch auf nichts weiter als einem defensiven Streicher-Thema; vielleicht der schwächste Track, vielleicht aber auch notwendig, um frühzeitig zu verhindern, daß am Ende doch noch schöngeistige Gediegenheit aufkommt. Mogwai werden nie eine selbstzufriedene Weintrinker-Kapelle sein, und dafür kann man ihnen herzlich danken. Trotzdem war ihre Musik nie so Soundtrack-geeignet wie auf "Does This Always Happen?", dem 4. und letzten Stück: Cleane Gitarren spielen kinderliedartige, einfache Melodien wie seinerzeit auf "Come On Die Young" [1997]. Dazu wieder Streicher und Klavier, gemächliche imaginäre Schwenks über vom Wind bewegte Landschaften, die noch nicht wissen, daß es bald ein verheerendes Unwetter geben könnte. Könnte, wohlgemerkt, denn es bleibt alles im melancholisch Fragenden. Auf den nächsten Vulkanausbruch wird man noch warten müssen bis zur anstehenden Tour, spätestens bis zum nächsten Mogwai-Album. Und so haben sie uns die Wartezeit aufs Zufriedenstellendste verkürzt und mal wieder gezeigt, wie man über anderthalb Jahrzehnte eigentlich immer das Gleiche machen und dabei interessant und spannend bleiben kann.