Heute zeigt uns Sony in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit BGM wie man ein ehemals vollkommen großartiges Album demontiert.
Nehmen wir doch einfach mal die neue Fiona Apple CD "Extraordinary Machine". Eine wunderbare Platte! Eine Anhäufung an genialen Songs, phantastisch Produziert von John Brion mit Orchesterarrangements die einem vor lauter Schönheit den Atem verschlagen. Wir haben also ein großartiges Album. Wie demontieren wir es nun?
1. SCHRITT: Wir halten es drei Jahre lang zurück!
Genau. "Extraordinary Machine" ist bereits seit 2002 fertig, nur leider verspricht sich Sony keine hohen Absatzzahlen, weswegen wir die CD einfach nicht veröffentlichen. Soll die werte Frau Apple doch gefälligst massenkompatibelere Musik machen, dann hätte sie solche Probleme auch nicht. Aber das Zurückhalten allein macht die Platte ja noch nicht schlechter. Deswegen folgt der...
2. SCHRITT: Wir zwingen Frau Apple dazu die Platte mit einem anderen Produzenten neu aufzunehmen!
Dabei sollte auf folgendes geachtet werden: Alles was die Lieder der John Brion-Version so genial machte soll ausgetilgt werden. Ja, wir ersetzen die bombastische Orchestrierung mit lächerlich wirkenden Trompeten ("not about love", "better version of me"). Und wo wir schonmal dabei sind: Wir machen aus schnellen und schwungvollen Songs ganz einfach mal langweilige Schnarcher ("tymps", "get him back"). Ausserdem formen wir mal eben "O´ Sailor" so um, dass es von einem "Shadowboxer" nicht mehr zu unterscheiden ist. Auch alles was im geringsten interessant klingen könnte wollen wir nicht auf der neuen Version von "Extraordinary Machine". Also weg mit den lustigen Effekten bei "Window" und bloß keine sphärischen Hall-Spielereinen bei "Red Red Red".
Demontage eines großartigen Albums ist abgeschlossen. Jetzt werfen wir dieses auf den Markt und bewerben es dreist als "Das langerwartete neue Album von Fiona Apple".
Ein toller Plan.
Entschuldigt bitte meinen Sarkasmus, aber ich kann mir wirklich vorstellen, dass es sich so oder so ähnlich zugetragen haben muss. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum die wunderbare John Brion Version von "Extraordinary Machine" durch die belanglose Tom Biller Interpretation ersetzt wurde. Jeder der die Originallieder kennt wird beim Hören der Neuaufnahmen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Alles klingt seltsam schwunglos und beliebig. Nichts ist mehr zu spüren von dem ursprünglich mitreissenden Ellan. Dies wird ausserdem dadurch unterstützt, dass die Trackreihenfolge geändert wurde. Hat man nach der illegal geleakten Version das Gefühl gehabt ein Meisterwerk gehört zu haben, denkt man nach dem Genuss der legal erworbenen Platte, es mit einem Flickenteppich zu tun gehabt zu haben.
Wer dies nicht glauben will, dem empfehle ich selbst einen Vergleich heranzuziehen. Vergleicht beide Versionen von "Not about love" und "Tymps" (das im geleakten Zustand noch "Used to love him" hieß) und die Sache dürfte klar sein. Unverständlich ist nur, dass Sony von den zwei vorliegenden Albumversionen, zur Veröffentlichung die schlechtere vorzieht. Somit bleibt die Tom Biller Version von "Extraordinary Machine" eine lustlose Kopie seiner selbst. Das wahre Meisterwerk bleibt jedoch wohl für immer in den Sony-Archiven liegen und wird niemals veröffentlicht. So werden nicht nur die Kunden nicht befriedigt, so werden auch vorbildlich großartige Künstlerinnen ihrer Kreativität und ihrem Ideenreichtum beraubt.