Sophia ist die letzte Überlebende des königlichen Hauses von Kavros, einem fiktiven Inselkönigreich vor Griechenland. England ist aus strategischen Gründen interessiert (vgl. Malta und Zypern), Napoleon war es mal (auch wenn ich jetzt die ganze Serie kenne, ich kann nicht herausfinden, was die Autorin eigentlich gegen Napoleon hat), andere sind es jetzt: unter anderem Ali Pasha und sein islamistisch angehauchter Orden des Skorpion.
Gabriel Knight ist (noch immer) auf der Suche nach sich selbst, als Sophia eines nachts auf seiner Farm auftaucht. Sie ist auf der Flucht vor einem Attentäter und verdingt sich zur Sicherheit als Hausmädchen. Später wird er (nicht unbedingt freiwillig) zum Chef ihrer Leibwache ernannt, bevor die beiden einander nach etlichen Abenteuern glücklich in die Arme sinken können.
Die Moral von der Geschichte: Pazifismus, schön und gut, aber für Liebe, Vaterland und die Abwehr des radikalen Islam müsse man schon zu den Waffen greifen (das ist jetzt sehr spitz ausgedrückt, ich weiß, aber nicht überspitzt, fürchte ich) - das ist mir zu politisch. Sophias künftige Marionettenherrschaft über ein Duodezkönigreich unter englischem Protektorat: vergleichbares hat sich weder als historische Glanzleistung noch als Erfolgsmodell erwiesen, das ist leider die historische Realität.
Die Charaktere: nicht sehr tiefgehend. Sophias Sendungsbewusstsein wird zwar ausführlich beschrieben, der Charakter ist jedoch nicht sehr ausgearbeitet. Gabriel bleibt insgesamt noch blasser.
Die Geschichte: viele Versatzstücke aus: das hatten wir doch schon mal? Einen ausländischen Feind in "one Night of Sin", einen kampfesmüden Colonel bei "Lord of Ice", ein fiktives Kleinkönigreich in der Ascension-Trilogie. Auch das ist schade.
Die Fehler: weit unterschätzte Entfernung zwischen Bordeaux und Peripignan; alle Leute sprechen Englisch, sogar Franzosen, Araber und griechische Leibwächter. Und leider: einen radikalen Islam mit dem Ziel, Europa zu erobern, gab es um 1820 definitiv nicht. Das osmanische Reich war viel zu sehr mit eigenen Strukturproblemen beschäftigt, als daß irgendeine Macht eine Expansionsbestrebung erwogen hätte.
Am Ende frage ich mich, was für eine Sorte Geschichte hier erzählt werden soll. Eine Liebesgeschichte: sicher nicht nur. Aber was auch immer die Botschaft ist: sie wird in Europa keinen Zuspruch finden.
Die Spice-Trilogie ist schwach im Vergleich zur Knight-Serie. Dieses Buch ist im Vergleich zu den ersten beiden Bänden ein bedauerlich schwacher Abschluß. Sehr schade, wirklich.