Chicago, im Volksmund "the windy city", das ist die große Stadt am Südwestufer des Michigansees im Bundesstaat Illinois, die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, die Stadt des Lincoln Parks und der legendären Chicago Bulls - nicht zuletzt aber war es über lange Jahre hinweg die Stadt von Mark Greene und Peter Benton, von John Carter und Susan Lewis, von Doug Ross und Elizabeth Corday, von Carol Hathaway, Abby Lockhart und vielen mehr; es war die Stadt des berümten "County General Hospital", eines (fiktiven) in Chicago gelegenen Krankenhauses, in dem die Ärzte und Schwestern der Notaufnahme und (Notfall-)Chirurgie, die geheimen, anonymen Helden der Stadt, tagtäglich und Nacht für Nacht ihrer Arbeit nachgehen.
Millionen von Zuschauern rund um den Globus haben sie dabei über 15 Jahre lang beobachtet, haben beobachtet, wie all die menschlich und allzu menschlich gezeichneten Charaktere Unmenschliches zu leisten vermochten, immer wieder aber auch an ihre Grenzen stießen. Und die Zuschauer waren gefesselt von der Intensität einer Fernsehserie, die die Grenzen ihres Genres schon mit dem Auftaktfilm im Jahre 1994 überwunden hatte, um dem Medium Fernsehen einige seiner unvergesslichen Höhepunkte zu bescheren.
"Emergency Room" zeigte die Banalität des Alltags in einem Großstadtkrankenhaus - authentisch, humorvoll, hektisch, laut oder ruhig - lieferte immer wieder aber auch wahrhaft epische Momente, dramatisch-tragische Episoden und Szenen, an die man sich als Zuschauer auch noch nach Jahren erinnern wird, wenn man an ER zurückdenkt - an die ganz eigene Atmosphäre dieser Serie, die mit Worten schwer zu beschreiben ist, und an all die verschiedenen Charaktere, die ER erst mit Leben erfüllt haben; an Doug Ross, wie er verzweifelt um das Leben eines Kindes kämpft und dabei sämtliche Vorschriften missachtet, an Peter Benton - hochtalentiert und in die Chirurgie verliebt - wie er am Operationstisch steht und unter höchstem Zeitdruck chirurgische Eingriffe vornimmt, wie er dem schwer verletzten John Carter das Leben rettet und ihm später beim Kampf gegen seine Drogensucht beisteht, an Susan Lewis, die Mark Greene aus dem abfahrenden Zug zuruft, dass sie ihn liebt, an John Carter, wie er sich das erste mal seinen Arztkittel überstreift oder an den unvergessenen Mark Greene, den langjährigen Leiter der Notfallstation, der verzweifelt gegen seine Krankheit ankämpft - unvergessliche Momente einer unvergesslichen Serie.
Wenn einige immer wieder heraustellen, dass das Niveau der ersten 8 Staffeln in den letzten Staffeln - fast ohne die komplette Urbesetzung - nicht mehr ganz gehalten werden konnte, dann haben sie möglicherweise nicht ganz Unrecht.
Mit Staffel 15 allerdings findet die Serie ein würdiges Ende und ist erneut eine starke Staffel gelungen, die Handlungsschnelligkeit und Authentizität, Humor und Dramatik, Unterhaltsamkeit und Tiefgang in der ER-typischen Perfektion zu verbinden versteht und dabei an viele Momente der letzten 14 Staffeln zurückerinnert.
So sieht man alte, wohlbekannte Gesichter wieder; John Carter und seinen einstigen Mentor Peter Benton, Susan Lewis, Kerry Weaver und für kurze Momente Doug Ross, wir sehen Elizabeth Corday und erinnern uns an ihren verstorbenen Mann Mark Greene. Ganz klar, dass das für den treuen ER-Fan nochmal tolle Folgen sind, eine Reminiszenz an die "große" Zeit von ER gewissermaßen, und mitunter auch eine emotional ergreifende Angelegenheit.
'Was liegt an?', hieß es hunderte Male, während die Ärzte sich an ihre Arbeit machten, und wenn diese Frage schließlich das letzte Mal gestellt wird, wenn etwas endet, das man über lange Jahre hinweg begleitet und verfolgt hat, dann neigt man dazu, wehmütig zu werden.
Schwerer noch sollte allerdings die Freude wiegen, die Freude über eine fantastische letzte Staffel und eine ergreifende letzte Episode, die Freude über das würdige Ende einer großartigen Fernsehserie - 331 Folgen ER, das waren große Momente, Sternstunden des Fernsehens!