"Emergency Room" ist längst Fernsehgeschichte, ist die Fernsehserie schlechthin, sowohl was den Erfolg (ein Golden Globe, zahlreiche Emmy-Auszeichnungen und über Jahre weltweit hohe, zum Teil sogar Rekordquoten) als auch die Länge (15 Staffeln zwischen 1995 und 2009) und vor allem die Qualität angeht.
Die Serie spielt in der Notaufnahme eines fiktiven Chicagoer Lehrkrankenhauses und zeigt die dort tätigen Ärzte und Schwestern bei ihrer täglichen Arbeit, zeigt den täglichen Kampf der zum Teil überarbeiteten und nur allzu menschlich gezeichneten Ärzte um das Leben ihrer Patienten, schildert dabei vor allem aber auch die Geschichten, die hinter jedem einzelnen der zahlreichen Patienten stehen, traurige und erschreckende ebenso wie lustige, skurrile und alltäglich-harmlose - und auch das Privatleben der Ärzte und Schwestern, und deren Versuche Arbeit und Privatleben irgendwie voneinander zu trennen, stehen natürlich immer wieder im Mittelpunkt, so dass man als Zuschauer die einzelnen Ärzte und Schwestern immer besser kennen lernt und sich immer mehr mit einzelnen Charakteren identifiziert.
Doch all das, sowohl die medizinischen Fälle, bei denen auf jede Simplifizierung der medizinischen Fachterminologie verzichtet wird als auch die privaten Geschichten der Hauptfiguren, deren Schilderung weit von dem Kitsch und Soap-Stil zahlreicher anderer Serien entfernt sind, ist gekennzeichnet von einem durchgehend hohen Maß an Authentizität und Glaubwürdigkeit.
Die erste Staffel zeigt den Anfang von Emergency Room und ist, obwohl nun schon fast 15 Jahre alt, noch immer einer der Höhepunkte der Fernsehgeschichte überhaupt, innovative Kameraarbeit, authentische Ausstattung und Darstellung der medizinischen Prozeduren, in sich geschlossene Episoden mit allerdings zahlreichen episodenübergreifenden Handlungssträngen kombiniert mit dem auf verschiedenen Handlungsebenen geschilderten Privatleben von sechs gewöhnlichen Menschen mit einem allerdings wenig gewöhnlich Beruf - das ist "ER", das ist - vielleicht etwas pathetisch ausgedrückt - die Mutter aller modernen amerikanischen Erfolgserien, von "24" bis zu "Dr. House".
Der Anfang der Staffel mit dem Auftaktfilm ist so überzeugend wie das Staffelende mit der Rede von Schwester Hathaway.
"Es war ein tolles Jahr, und das liegt an euch allen", sagt diese unter Tränen.
Ein Jahr wird man zwar nicht brauchen, die Staffel zu sehen, aber es sind zweifellos unterhaltsame, spannende und kurzweilige, wenn man so will "tolle" Stunden, die man mit den Ärzten und Schwestern des "Emergency Room", die man im "Emergency Room" verbracht hat und verbringen durfte.
Bei der Bewertung dieser Serie ist kein Superlativ unangebracht, und selbst solch unangenehm aufdringliche Floskeln wie "darf in keiner DVD-Sammlung fehlen" oder "muss man gesehen haben" kann ich nur mit aller Mühe (und ja doch nicht so ganz) vermeiden.