Rezension: Referenz-Reihe Neurologie, Band EMG, NLG von Christian Bischoff, Reinhard Dengler, Hanns Chr. Hopf.
Klagen über dicke Fachbücher sind überall zu hören: sie seien unhandlich, teuer und können dem Fortschritt in der wissenschaftlichen Erkenntnis durch Neuauflagen nur begrenzt Rechnung tragen. Viele Kliniker bevorzugen daher im öfters überschaubare kleinere Einzelbände, die aktuelles und praxisnahes Wissen anschaulich vermitteln. Dies ist den international anerkannten Autoren Christian Bischoff, Reinhard Dengler, Hanns Chr. Hopf mit dem Buch „EMG NLG" der Referenz-Reihe Neurologie gelungen.
Auf knapp 150 Seiten wird der Leser zunächst mit der Technik der Elektroneurografie und Elektromyografie vertraut gemacht. Dies geschieht nach einem einheitlichen Muster: Im Bereich Neurografie werden Prinzipien erklärt, Hinweise zur Geräteeinstellung und zum Unterschungsablauf gegeben und Referenzwerte aufgeführt. Elektrodenposition und Stimulationsorte werden durch zahlreiche Abbildungen verdeutlicht. Technik und Standard des Unterschungsablaufs sind stichwortartig und daher übersichtlich als praktisches Vorgehen zusammengefasst. Sehr hilfreich für den Anfänger in der Elektromyografie ist auch eine umfassende Serie von Abbildungen der Insertionsstellen von häufig untersuchten Muskeln und einer Anleitung zur Aktivierung. Anschließend erklären die Autoren sehr anschaulich und mit zahlreichen Abbildungen elektrophysiologisch typische Befundkonstellationen wie Leitungsblock, Demyelinisierung, axonale Läsion, Myopathien und neuromuskuläre Übertragungsstörungen. Wichtige elektrodiagnostische Befunde werden krankheitsübergreifend dargestellt, um eine differenzialdiagnostische Einordnung zu erleichtern. Dabei erfährt der Leser auch Einiges über möglich Fallstricke und Fehlermöglichkeiten bei der Interpretation von pathologischen Befunden. Im Kapitel Neurophysiologische Methoden und Ergebnisse bei ausgewählten Erkrankungen werden wichtige diagnostische Kriterien einzelner Krankheitsbilder dargestellt. Hier werden dem Leser viele praktische Hinweise zur sinnvollen Untersuchung und zur Bestätigung einer Verdachtsdiagnose vermittelt. Diese sind an vielen Stellen stichwortartig als praktische Vorgehen übersichtlich zusammengefasst und ersparen langes Suchen und Blättern im Text. Wie sollte bei der Auswahl der zu untersuchenden Nerven oder Muskeln sinnvoll vorgegangen werden? An vielen Stellen des Buches findet der Leser wertvolle Hinweise, um mit einer möglichst geringen Anzahl von Untersuchungen möglichst genaue Aussagen zu treffen. Sehr gelungen ist auch die tabellarische Darstellung wichtiger neurophysiologischer Befunde zur Differenzierung einzelner Nervenläsionen und Plexusschädigungen. Schließlich werden wichtige und häufige neurologische Krankheitsbilder mit Blick auf ihre elektrodiagnostischen Merkmale vorgestellt. Welche Fragen kann die Elektrodiagnostik bei der Polyneuropahtie beantworten? Wie erkennt man ein akutes Guillain-Barré-Syndrom ? Welche Untersuchungen sind zur Differenzierung von Vorderhornerkrankungen gegenüber Neuropathien wegweisend? Der Kliniker findet dazu und zu vielen anderen Fragen in der täglichen Praxis kompetente Antworten.
Dass man nach der Konsultation des Buches nicht gleich zum versierten Elektrodiagnostiker wird, versteht sich von selbst. Der Anfänger lernt aber eine Reihe von wichtigen Grundfertigkeiten und wird die Elektroneurografie und -myografie systematischer angehen. An vielen Stellen haben die Autoren ihre eigenen Erkenntnisse aus Problemen der täglichen Arbeit einfliessen lassen. Dem Fortgeschrittenen bietet das Buch daher eine gute Anleitung mit vielen nützlichen Tipps aus der Praxis für die Praxis.