Ich habe bereits einige Bücher über EMDR studiert und bin durch die praktische Anwendung bei mir selbst auch in dieser Hinsicht recht gut damit vertraut. Viele andere psychologisch Gebildete ohne spezielle EMDR-Ausbildung lassen sich vermutlich wie ich selbst nicht davon abhalten, eine solche Behandlung bei sich selbst durchzuführen oder vagen zumindest den Versuch einer solchen. Hat man sich vorher ausreichend informiert und wird behutsam vorgegangen, ist dies meiner Meinung nach durchaus erfolgreich oder zumindest gewinnbringend möglich. Die Methode ist jedoch nicht ungefährlich und sollte nur mit entsprechendem Respekt vor ihr eingesetzt werden.
Zwischen den verschiedenen Büchern zu EMDR gibt es keines, dass ich als wirklich schlecht und überflüssig bezeichnen würde. Vielmehr werden in jedem Buch nur andere Aspekte oder andere Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt. Was bietet nun das vorliegende Buch?
Shapiro und Silk Forrest gehen hier weder detailliert auf die Schritte bei der Anwendung ein, noch wird wissenschaftlich fundiert etwas dargelegt. Es werden einige Einzelfälle von PTBS-Betroffenen durchgesprochen. Hierdurch werden Zusammenhänge, Mechanismen, mögliche Symptome und komorbide (= gleichzeitig auftretende) Krankheitsbilder geschildert. Das es sich lediglich um einzelne Fälle, Spekulationen und Erfahrungswerte handelt, tut dem Buch keinesfalls einen Abbruch. Gerade bei Francine Shapiro sollte berücksichtigt werden, dass sie als Entwicklerin der Technik vermutlich die umfassendste Erfahrung mit EMDR vorweisen kann.
Zu einer Schlüsselerkenntnis wurde für mich persönlich etwa einer der letzten Fälle. Dort wurde geschildert, wie jemand durch seine PTBS bedingt auch psychotische Symptome zeigte und diese seien mit der Vearbeitung der Traumatisierung ebenfalls verschwunden. Mein Fall war mit diesem identisch und bis zu diesem Moment fürchtete ich immer, bei mir könnten nochmals psychotische Symptome ausbrechen. Auf meine Nachfrage bestätigte mir dann ein Psychiater, dass nach erfolgreicher Traumaverarbeitung kein Wiederausbrechen einer Psychose mehr zu befürchten sei. Ein Risiko sei nur noch so hoch wie in der Durchschnittsbevölkerung (Gewöhnlich ist nach einer einmal aufgetretenen Psychose eine jahrelange Behandlung mit sehr beeinträchtigenden Medikamenten notwendig und der Wiederausbruch einer Psychose ist sehr wahrscheinlich).
Dazu ist das Buch sehr gut lesbar, was ich nicht erwartet hatte. Zu "EMDR - Grundlagen und Praxis" von Shapiro las ich in Rezensionen, es sei sehr theoretisch, wissenschaftlich und anstrengend zu lesen. Auch Shapiro`s Teile in dem von ihr herausgegeben Buch "EMDR als integrativer psychotherapeutischer Ansatz" fand ich teis wirklich umständlich zu lesen. Beim vorliegenden "EMDR in Aktion" sollten meine Befürchtungen dann jedoch nicht bewahrheitet werden und es erwies sich als wirklich angenehm zu lesendes Buch.