1) Das Produkt
a) Inbetriebnahme
Das Pairing der einzelnen Geräteverbindungen gestaltet sich mitunter etwas mühsam. Insbesondere die nur sehr kurz angezeigten Codes am Stellmotor erfordern u.U. mehrere Neustarts bis man alles richtig hat. Da diese Prozedur nur einmal erforderlich ist, ist es aber nicht ganz so schlimm.
b) Bedienung
Für technikaffine Nutzer ist die normale Bedienung des Gerätes nach kurzem Studium der Anleitung einfach. Die Grundfunktionen können auch Oma und Opa vermittelt werden.
Ein wirklich sehr ärgerliches Versäumnis des Herstellers ist die fehlende Ist-Temperaturanzeige. Lediglich die eingestellte Solltemperatur kann am Stellgerät abgelesen werden.
Darüber hinaus muß bei unserem Gerät die Solltemperatur immer 2° höher eingestellt werden, als die (vom der daneben hängenden Wetterstation gemessene) gewünschte Ist-Temperatur. Eine Möglichkeit zum Einstellen eines Korrektur-Offsets konnte ich in der Dokumentation nicht entdecken. Geräte anderer Hersteller können das besser.
Im Vergleich zur Konkurrenz ist die eher geringe Zahl der einstellbaren Heizphasen der Preisklasse des Reglers nicht angemessen. Andere Geräte können darüber hinaus für jede Heizphase eine eigene Temperatur speichern. Der FHT80(b) kann nur je eine Temperatur für Heiz- und Nicht-Heiz-Phasen speichern. Darüber hinaus ist nur noch eine Sondertemperatur für den Fall geöffneter Fenster/Türen einstellbar.
c) Funktion
- Regelung
Die Regelung funktioniert gut bis sehr gut. In Räumen mit mehr als 25m² könnte der Regler nach meinem Empfinden etwas aggressiver stellen, um Temperaturschwankungen zügiger auszugleichen. Leider kann man die PID-Funktion nicht beeinflussen.
- Heizpause beim Lüften
Der Tür-Fenster-Melder ist leider ein Reinfall. Er sendet einmal pro Minute und nicht etwa genau dann, wenn etwas öffnet oder schließt! Das ist zwar eine interessante Stromsparstrategie, aber meistens ist das Fenster schon wieder zu, wenn die Heizung endlich abregelt! Billige 20-Euro Thermostate mit integrierter Erkennung reagieren teilweise wesentlich zackiger.
- Geräuschentwicklung
Vor nicht allzu langer Zeit haben wir einen ETH Comfort wieder zurückgeschickt, weil er uns im Schlafzimmer einfach zu laut war. Die morgendliche Heizphase vor dem Aufstehen mutierte zur Doppelfunktion als Wecker.
Leider ist der Stellmotor des FHT Ventilantriebs in dieser Beziehung - trotz großzügigem Einsatz von Fett bei der Montage des Getriebes - kaum besser. Einen wirklich leisen Antrieb konnte ich bisher überhaupt nicht finden; unser Schlafzimmer bleibt bis auf weiteres "ungeregelt".
2) "ARR"
Bei ELV gibt es dieses Gerät zum leicht ermäßigten Preis auch als sogenannte "ARR" Version.
Bisher kannte ich "ARR" nur aus dem Modellbau. Dort bedeutet "ARR" (-> "almost ready to run" / "beinahe fertig") in der Regel folgendes:
Man erhält das Modell in 5-10 Teilen, die man in ebenso vielen Minuten zusammensteckt und dann kann der Spaß losgehen!
Bei ELV bedeutet "ARR": 50-100 Teile einen Nachmittag lang zusammenstöpseln, -schrauben und Löten. Man sollte sich also der Tatsache bewüßt sein, daß es absolut keinen Zweck hat, den ARR Bausatz zu kaufen um Geld zu sparen. Selbst eine Putzfrau verdient die paar gesparten Kröten in der Zeit dreimal, die man braucht um das Ding zusammenzupusseln. Etwas Erfahrung mit und Spaß am Löten und Elektronikbastelei sollte ebenfalls definitiv vorhanden sein!
3) Fazit
Aufgrund des nicht mehr zeitgemäßen Funktionsumfanges dieses schon etwas in die Jahre gekommenen Reglers kann ich für den FHT80b keine Empfehlung aussprechen. Er hat gegenüber neueren Konkurrenzprodukten wenige bis keine Vorteile und einen vergleisweise hohen Preis. Seine Stärke ist vor allem die mögliche Verbindung mit der ELV Hauszentrale sowie die Regelung von Räumen mit vielen Heizkörpern; ohne diese besonderen Fähigkeiten (-> FHT8) hätte ich nur zwei Sterne vergeben. Wer nicht plant, diese Fähigkeiten einzusetzen, sollte lieber zu einem der günstigeren und besser ausgestatteten Geräte neuerer Bauart z.B. aus der ETH Reihe greifen. Auch dort sind Wandregler erhältlich.
Wer Spaß an langen Bastelsessions und eine halbwegs ordentlich ausgestattete Elektronikwerkbank hat, der kann gerne die Bausatzversion kaufen, allen anderen rate ich dringend zur nur unwesentlich teureren Fertigversion.