Auffällig an diesem Fachbuch aus dem Thieme Verlag ist die hervorragende Vermittlung notwendiger Grundlagen. Häufig wiederholen solche spezifischen Fachbücher die Grundlagen lediglich in einem oberflächlichen Abriss, sodass man ein bestimmtes, zumeist bereits recht hohes Einstiegsniveau braucht, um überhaupt Nutzen aus dem Buch ziehen zu können. Die Zielgruppe ist damit auf bereits ausgebildetes Fachpersonal beschränkt.
Vorkenntnisse in der Neurophysiologie und eine gute Allgemeinbildung in Elektrodynamik sind auch bei der Lektüre des hier vorgestellten Buches von Vorteil. Wenn man aber weiß, was ein Membran- oder Aktionspotenzial ist, ist man schon ganz gut gerüstet, um mit dem Buch arbeiten zu können. Viel mehr braucht es nicht, um den Ausführungen und Erklärungen der verschiedenen Autoren folgen zu können. Das bedeutet natürlich nicht, dass alles sofort eingängig ist. Um Mit- und Nachdenken kommt man nicht herum, will man das Erläuterte wirklich verstehen. So können auch Studierende, die sich, in welchem Fach auch immer, mit der Methode der Elektroenzephalographie befassen, dieses Buch als Einstiegsliteratur verwenden, denn die methodischen Aspekte des EEGs werden ausführlich und klar verständlich vermittelt. Aber auch alle, die bereits Erfahrungen haben, finden hier ein gutes Nachschlagewerk, das bei grundlegenden Fragen Antworten bereithält. Die letzten fünf Kapitel befassen sich mit EEG-Auffälligkeiten bei bestimmten Erkrankungen und können in der Diagnostik und so dem Praktiker behilflich sein.
Mit EEG" liegt also ein umfassendes und klar verständliches Buch vor, das in die Elektroenzephalographie einführt und gleichzeitig als Nachschlagewerk in Forschung und Praxis dienen kann. Einziger Wermutstropfen sind die fehlenden ereigniskorrelierten Potenziale, die in ihrer endogenen Form vor allem für die Forschung interessant, in der exogenen Form aber auch in der Diagnostik bedeutsam sind. In einem Buch, das so gut Informationen zur Elektroenzephalographie präsentiert und die computergestützte Auswertung einbezieht, sollten sie eigentlich nicht fehlen.