Spätestens nach einer halben Stunde sollte die Botschaft des Autors jeder Leser begriffen haben. Denn Ardeschyr Hagmaier setzt offenbar ganz auf die Methode der Wiederholung. Und so kommt sein "Easy!-Sales" eben alle paar Zeilen vor. Gemeint ist mit diesem Akronym: Einleitung und Entscheidung - Analyse - Strategie - Yin- und Yang-Prinzip und mit dem Ausrufezeichen die Handlungsanleitung.
Zu Beginn wird der Leser daran erinnert, dass auch das Leben ein Kleiderschrank sei, den daher ebenfalls nach Brauchbarem durchwühlt werden müsse. Nur seien es statt Klamotten eben Talente und Fertigkeiten, die er genauer betrachtet sollte. Dieser Vergleich mag zwar nicht der beste sein, deutet aber bereits auf ein Stilelement des Autors hin. Er arbeitet außer mit Wiederholungen auch stark mit Metaphern und Wortbildern, von denen tatsächlich viele hängen bleiben. Damit erleichtert Hagmaier seinen Lesern die Einschätzung ihrer Kompetenzen. Bekannte Fragen sind also nicht im üblichen sozialpsychologischen Jargon gestellt, sondern lauten zum Beispiel: Sind Sie eine Visionsrakete oder ein Sprossenkletterer? Ein Planungsriese oder ein Handlungsdavid? Ein Honigsammler oder ein Impulsjäger? Ein Vertrauensbruder oder ein Sympathiefreund? Ein Aufmerksamkeitszauberer oder ein Krimiregisseur? Ein Diagnosedoktor oder ein Therapiearzt? Ein Nutzenimprovisator oder ein Präsentationsdramatiker? Ein Footballplayer oder ein Softballspieler? Ein Hoffnungsritter oder ein Entscheidungsfreak? Ein Kontaktpfleger oder ein Empfehlungsmarketer?
Nach der Selbsteinschätzung folgen dann Tipps, wie sich die persönliche Sales-Strategie ausbauen lässt und wie man durch die Übernahme anderer Eigenschaften dem Yin- und Yang-Prinzip gerecht wird. Das Ausrufezeichen hinter Easy muss natürlich ebenfalls eingebunden werden, was durch konkrete Handlungsanweisungen für jede Persönlichkeitskompetenz geschieht. Obwohl auch Ardeschyr Hagmaier die Kunst des Verkaufens nicht neu erfindet, ist sein Ansatz doch so innovativ, dass er Beachtung verdient. Zumal er mit dem Illustrator Timo Wurz einen Mann gefunden hat, der das Konzept auf ebenso unterhaltsame wie frische Weise vorstellt. Die Lockerheit der sprachlichen und bildhaften Darstellung ist allerdings so verführerisch, dass allzu große Vereinfachungen leicht untergehen. Nichts gegen Typisierungen und deren Analysen, aber Menschen sind trotzdem nicht so einfach gestrickt, wie der Autor seinen Lesern weismachen will.
Mein Fazit: Wer sich von Typisierungen nicht allzu stark beeindrucken lässt und nach einem Buch sucht, das Verkäuferpersönlichkeiten innovativ und unterhaltsam beschreibt, wird an Hagmaiers Version Freude haben. Die Kernbotschaft lautet: Seine Talente entdecken, ausbauen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.