Ich muss gestehen, ich bin ein Fan von Funcom MMOs. Wo mich World of Warcraft, Rift und Star Wars the old Republic bestenfalls für 2 Monate unterhalten konnten, habe ich Age of Conan 2,5 Jahre mit Begeisterung gespielt. Als The Secret World erstmals angekündigt wurde (dürfte 2009 gewesen sein), hat mich das Konzept und vor allem das Setting sofort fasziniert.
Was unterscheidet The Secret World (und auch Age of Conan) von anderen MMOs? Da ist zum einen diese unglaubliche atmosphärische Spielwelt, die Funcom gebastelt hat, und zum anderen die mehr oder weniger großen Abweichungen vom 0815-MMO-Gameplay der letzten 8 Jahre, wo irgendwie fast alle nur noch WoW kopiert haben.
Spielwelt:
The Secret World spielt im Hier und Heute, nunja fast jedenfalls. Anders als in unserer alltäglichen Welt sind hier alle Mythen, Legenden und Verschwörungstheorien, die die Menschheit je ersonnen hat, grundsätzlich wahr. Als Spieler schließt man sich einer von 3 Geheimgesellschaften an, erlebt in einem tempo- und actionreichen Tutorial einen okkulten Zwischenfall in der U-Bahn von Tokyo (eine Art Traumsequenz), um dann, nach einem Besuch im Hauptquatier seiner Geheimgesellschafft, durch die Hohle Erde Argatha ins ehemals verschlafene Hafenstädtchen Kingsmouth an der Küste von Neu-England zu reisen. Dort empfängt uns ein knorriger alter Cowboy, der uns etwas über die Vorkommnisse in Kingsmouth erzählt, wir schießen uns unseren Weg durch Zombiehorden zur Polizeistation frei, wo sich ein Teil der Überlebenden verschanzt hat. Danach geht es MMO-typisch weiter , wir erledigen Quests, sammeln Erfahrungspunkte und Ausrüstung. Es gibt bisher 8 große Spielfelder, 3 Fraktionsgebiete, wobei aber nur London als Hauptsozialhub dient. Und nein, es ist nicht ganz London im Spiel realisiert ;)
Quests:
In The Secret World kann man maximal 6 Quests gleichzeitig verfolgen. Das wäre die Hauptstoryquest der Region (Kingsmouth gehört zusammen mit Savage Coast und Blue mountain zur Region Solomon Island), eine Dungeonmission, 3 Nebenmissionen (die man beim Erkunden der Spielwelt findet) und eine Hauptmission. Diese Hauptmissionen unterteilen sich wiederrum in 3 Kategorien. Als erstes hätten wir da die Actionmissionen, diese laufen darauf hinaus, dass im Verlauf der mehrstufigen Quest überwiegend gegen Monster gekämpft werden muss.
Dann gibt es Sabotagemissionen, wo man NPCs und Kameras umgehen muss, sich in Computer hackt, in Verkleidung feindliche Gebiete infiltriert, etc..
Und dann gibt es noch die Investigativmissionen und die haben es wirklich in sich! Um diese Missionen zu lösen, muss man um die Ecke denken, nach Informationen auf echten wie auf gefakten Internetseiten recherchieren. Jeder Questabschnitt ist ein Rätsel, das wiederum zu einem Rätsel führt und so weiter, bis man dann nach Stunden endlich die Lösungen gefunden hat (man kann sich natürlich auch um den Spaß bringen und die Lösung einfach googeln :/)
Alle Missionen bis auf die Nebenmissionen werden durch erstklassige, vertonte Cutszenes eingeleitet. Die NPCs, die einem ihre Geschichte erzählen, sind in der Regel ganz normale Leute, die in einer ganz und gar nicht normalen Situation gelandet sind. Die Monologe (der eigene Char ist stummer Zuhörer) sind witzig, traurig, skurril und sympathisch. Ja, für mich persönlich wirken die Figuren glaubwürdig und interessant, was sowohl der exzellenten (deutschen) Sprachausgabe, wie auch der sehr guten Schreibe zu verdanken ist.
Charakterentwicklung:
Hier geht The Secret World komplett eigene Wege. Für das Abschließen von Mission, dem Besiegen von Gegnern und für PvP bekommt man Erfahrungspunkte. Die Erfahrungspunkte füllen einen Balken am unteren Bildschirmrand, nach einem Drittel bekommt man einen KP (Kraftpunkt), nach 2 Dritteln den nächsten. Ist der Balken voll bekommt man einen weiteren Kraftpunkt und einen FP (Fähigkeitspunkt) und es geht von vorne los, wobei noch anzumerken ist, dass der Balken immer gleich lang bleibt, also die Zahl der Erfahrungspunkte nicht größer wird.
Die Kraftpunkte investiert man ins Kraftrad, das wie folgt aufgebaut ist.
Das Rad hat einen inneren und einen äußeren Ring, und ist in 9 Segmente eingeteilt, die zu den 9 verschiedenen Waffenarten gehören. Ein Waffensegment besitzt 2 Kategorien, die grob mit den beiden möglichen Aufgabenbereichen der jeweiligen Waffe korrespondieren, im inneren Ring und 6 Kategorien im äußeren Ring. In jeder Kategorie gibt es 7 (glaub ich) Kräfte, die man mit den Kraftpunkten kaufen kann. Diese müssen der Reihe nach gekauft werden und steigen im Preis, der äußere Ring wird erst zugänglich, wenn beide inneren Kategorien vollständig gekauft wurden. Die Kräfte unterteilen sich in aktive und passive Kräfte, mit denen man sich ein Deck basteln kann, dass aus 7 aktiven und 7 passiven Kräften besteht. Welche Kräfte man für sein Deck kombiniert ist einem völlig frei gelassen. bei den aktiven Kräften gibt es Builder, diese erzeugen Ressourcen, Verbraucher, diese verbrauchen die Ressourcen, und Cool-down-Fähigkeiten, die weder Ressourcen erzeugen noch verbrauchen aber halt nur alle X Sekunden eingesetzt werden können. Achja, man kann immer 2 Waffen gleichzeitig ausrüsten und sein Deck jederzeit (außer in Kämpfen) verändern. Decks können abgespeichert, mit anderen geteilt und wieder geladen werden.
Beim Zusammenstellen eines Decks kommt es darauf an, sinnvolle Synergien zwischen den Kräften zu finden. Das jetzt aber noch auszuführen würde zu weit gehen.
Mit den Fähigkeitspunkten kauft man Ränge in 9*2 Kategorien (die Waffen und ihre beiden möglichen Aufgabenbereiche) plus 3 Talismankategorien. Diese Ränge bestimmen welche Ausrüstungsqualität man tragen kann und geben einen kleinen Zusatzeffekt oder Bonus.
Die Talismane ersetzen hier die Rüstung und bestimmen hauptsächlich die Charakterwerte. Es können 7 Talismane angelegt werden, 1 Kopftalisman, 3 große und 3 kleine.
Das Aussehen des Chars, wird dadurch nicht beeinflusst. Die Kleidung kann nach Geschmack gewählt werden. Zu Beginn hat man eine relativ kleine Auswahl bei der Charerstellung, weitere Kleidung bekommt man durch das Skillen im Kraftrad (alle inneren kategorien einer Waffe geben eine Jacke, wenn man fraktionsspezifische vorgegebene Decks vervollständigt, bekommt man das Deckoutfit), das Abschließen mancher Quests, bei den Händlern mit der Ingame-Währung PAX oder durch den Itemshop gegen €.
PvP
Im Moment bietet das Spiel 2 Schlachtfelder, wo sich immer alle 3 Fraktionen für den Sieg prügeln. Diese wären Stonehenge, ein 5vs5vs5 Schlachtfeld, wo es gilt das Zentrum zu halten, um Punkte zu erzeugen, hat man eine bestimmte Menge Punkte erreicht, hat man gewonnen. Dann wär da noch El Dorado, ein 10vs10vs10 Schlachtfeld, in dem 4 Artefakte verteilt sind, wird ein Artefakt von einem Team gehalten, werden Punkte erzeugt....
Dann gibt es noch das Fusang-Projekt, dieses ist ein riesiges persistentes 75vs75vs75 Kriegsgebiet, in dem Anlagen und Spawnpunkte erobert werden müssen. Dieses Gebiet wird nie zurückgesetzt und endet nicht, es ist persistent. Man kann hierfür 3 Quests annehmen oder einfach nur Prügeln.
Dadurch, dass im PvP alle Figuren eine Uniform tragen, es gibt für jede Fraktion 3, wird ordentlich rechenlast gespart und die Performance ist auf bei den Massenkämpfen in Fusang noch halbwegs flüssig (über 20fps, wenn wirklich verdammt viel los ist; Intel i5 750, Radeon 5870, 8GB RAM, Windows 7 64Bit; Ich spiele in 1920*1080, FXAA und SSOA aktiv bzw hoch (in Fusang deaktiviere ich SOAA), Tesselation deaktiviert. Die Schieberegler stehen auf 4 von 4).
Fazit:
The Secret World ist ein Nischenspiel! Es will und wird nicht allen gefallen. Für Leute, die einfach nur ein weiteres WoW suchen, ist das Spiel ungeeignet. Das Spiel ist auch ungeeignet für Leute, die schnell Max.Level erreichen wollen, um dann zu raiden. Es ist ungeeignet für Leute, die sich keine Questtexte durchlesen wollen und Cutszenes sowieso gleich wegdrücken. Es ist ungeeignet für Leute, die zu faul sind, Dinge auszuprobieren oder zu suchen.
Sollte man aber in einem MMO wert auf Story, Atmosphäre und einen gehobenen Schwierigkeitsgrad legen, findet man gefallen an Rästel, Verschwörungstheorien, Mythen, Anspielungen auf unsere Popkultur und möchte man mal wieder wissen, wie kreativ die Spieleindustrie sein kann, muss man The Secret World spielen. Ob es sich längerfristig im Markt behauptet, wird die Zeit zeigen, ich kann es nur hoffen.
Anmerkungen:
- Der Headstartrelease lief nicht nur für ein Funcom-Spiel ;) äußerst geschmeidig
- Es gibt noch vereinzelte Bugs (in Kingsmouth kann es passieren, dass 2 Quests nicht weiterlaufen, weil der Trigger verbuggt ist; Manche Handwerksressourcen hatten falsche Beschreibungen), das soll nicht verschwiegen werden, aber nichts was mich groß stören würde. Und bei einem Spiel dieses Umfangs wohl einfach nicht zu vermeiden
- Das Spiel hat ein Abomodell (30Tage sind beim kauf des Spiels enthalten) und einen Itemshop, wo aber nur so genannter Fluff (Kleidung, Pets) verkauft wird. Es ist garantiert kein pay2win!
- Es gibt 8 Zonen in 3 Regionen (klingt wenig ist aber viel.
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