Meine "Vorbildung": GTR, GTL, Race07, GTR2, GTR EVO, RBR
Mein System: Intel Q9300, 8 GB RAM, Radeon 4870, Vista 64, Logitech G25
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Fahrverhalten:
Da ich ganz klar Simulations-Fan bin und mit Arcade-Rennspielen nichts anfangen kann, verstehe ich unter einer "guten" Fahrphysik eine realistisch schwere (aber nicht eine unrealistisch schwere), während ich eine unrealistisch einfache als "schlecht" bezeichnen würde. Dies nur vorweg, da einige Rzensenten das offenbar genau anders herum sehen.
Wie fällt nun also die Fahrphysik von NFS Shift im Vergleich zu den oben genannten Rennspielen aus, die sich als Simulationen verstehen? Vorausgesetzt, dass der höchste Schwierigkeitsgrad (Profi) gewählt und alle Fahrhilfen ausgeschaltet werden sowie ein Force-Feedback-Lenkrad verwendet wird, lautet die Antwort: Sie ist erstaunlich gut gelungen. Insbesondere Lastwechselreaktionen sind meines Erachtens sogar überzeugender simuliert als in den besagten Referenzspielen (die bislang ungeschlagene Physik von RBR auf Schotter einmal ausgenommen). Konkret bedeutet das, dass das Fahrzeugheck je nach Auto mitlenkt oder gar wild ausschlägt, wenn Lastwechsel provoziert werden. Dabei ist der Grenzbereich bei den serienmäßigen Fahrzeugen in den meisten Fällen weit, sodass kontrolliertes Querfahren mit etwas Übung gut gelingt. Insbesondere die heckgetriebenen Fahrzeuge lassen sich sehr schön mit dem Gaspedal lenken. Driften kostet zwar auch in NFS Shift Zeit, bringt aber auch eine Menge Spaß (und Karrierepunkte). Ansonsten gilt es auf der Jagd nach der Bestzeit auch hier den richtigen, nicht zu späten Bremspunkt zu finden, wobei die Bremswege keineswegs arcademäßig kürzer ausfallen als in den reinrassigen Simulationen.
Grafik:
Die Grafik ist nicht überragend, aber überzeugend und im Vergleich zu den oben angeführten Games mit deren angestaubten Grafikengines sogar als gut zu bezeichnen. Dabei läuft das Spiel bei deaktivierter VSync, mittleren Schattendetails, 4xAA, 16xAF und ansonsten maximalen Einstellungen auf meinem System überwiegend flüssig, obwohl hin und wieder kurze "Hänger" auftreten.
Konzept:
NFS Shift folgt einem Karrieresystem. Das heißt, man muss Punkte und Geld sammeln, um Autos kaufen und verbessern zu können und an neuen Rennen teilnehmen zu können. Vor besondere Schwierigkeiten ist der Spieler dabei aber nicht gestellt, da es für so ziemlich alles, was man tut, Punkte gibt: Rempeln wird beispielsweise ebenso belohnt wie sauberes Fahren. Und hier kommen wir zu den Aspekten, die NFS Shift letztlich nicht als Simulation erscheinen lassen: Rempler werden von der Engine zu leicht verziehen, es gibt selbst im "Profimodus" keine Totalschäden und die KI fährt (leider) eine Kampflinie, die eines Arcaderacers würdig ist.
Strecken:
Neben einigen fiktiven Strecken sind auch diverse "echte" Rennstrecken enthalten. Zu nennen sind insbesondere die Nordschleife (leider nur ohne GP-Kurs), Spa und Laguna Seca. Optisch stellt die Nordschleife alles bisher für den PC Dagewesene in den Schatten. Ob der Streckenverlauf auf den Zentimeter genau der Realität entspricht, kann ich nicht mit Sicherheit beurteilen. Ich glaube allerdings einige geringfügige Abweichungen vom Verlauf der Nordschleife aus GTR Evolution, die ja bisher als Referenz gilt, bemerkt zu haben.
Fahrzeuge:
Die Auswahl ist nicht zu klein geraten und beinhaltet überaus attraktive Fahrzeuge, z.B. BMW 135i und M3 (aus drei Generationen!), Mitsubishi Lancer Evo IX und X, Lotus Elise, Porsche 911 GT3 RS, Porsche Carrera GT (!) und viele mehr. Das Fahrverhalten der einzelnen Fahrzeuge unterscheidet sich spürbar. Insbesondere die Unterschiede zwischen Front-, Heck- und Allradantrieb werden über das Lenkrad nachvollziehbar wiedergegeben. Werden die Fahrzeuge mit verbesserten Teilen ausgestattet (z.B. mit einem Sportfahrwerk), stehen erweiterte Setup-Optionen (z.B. Dämpfer- und Federeinstellungen) zur Verfügung, wie sie aus anderen Autorennsimulationen bekannt sind. Lächerlich und prollig wirken allerdings teilweise die verfügbaren "Karosserieupgrades". Und auch die Möglichkeit, seine Autos mit Nitro-Einspritzung zu versehen, wäre meines Erachtens verzichtbar. Auch diese Punkte tragen dazu bei, dass das Spiel nicht wie eine Simulation anmutet.
Fazit:
Einserseits bietet NFS Shift ein Fahrverhalten, welches auch für geübte Simulationsfahrer gleichermaßen Spaß wie Herausforderungen bereithält. Andererseits wird das Bild dadurch getrübt, dass hier offenbar auf Biegen und Brechen versucht wurde, aus einem Spiel, das durchaus eine reinrassige Simulation hätte werden können, ein massenmarkttaugliches Arcade-Actionspektakel zu machen. Ob das Spiel letztlich die Bedürfnisse der Arcade-Fans befriedigt, kann und will ich nicht beurteilen. Für Simulations-Fans ist es durchaus sein Geld wert, auch wenn ich Zweifel habe, ob das Spiel in den diversen Rennligen positiv aufgenommen wird (insbesondere wegen der Defizite im Multiplayerbereich). Es ist also eher eine Ergänzung als ein Ersatz für GTR Evolution, rFactor und Co.