Wenn BioWare ein neues Spiel veröffentlicht, horchen alle Rollenspielfans auf. Nach Mass Effect 2 erwartet euch der Nachfolger des vielseits gelobten Dragon Age: Origins. “Dragon Age II” verspricht viel Action, jede Menge Neuerungen und vor allem ein konsolenoptimiertes Gameplay. Letzteres kam bei den PC-Spielern natürlich nicht so gut an, denn es ist ja bekannt, dass die Taktik und Komplexität in der Regel darunter leidet. Oder? Während Dragon Age: Origins zudem viel Entwicklungszeit benötigte, wurde “Dragon Age II” nach gerademal achtzehn Monaten veröffentlicht. Ist das noch Dragon Age? Wir sind dem Ganzen auf den Grund gegangen und präsentieren euch nach einer intensiven Testphase die Review. Viel Spaß.
Typisch epische Story
In dem Vorgänger konnte man aus drei Rassen wählen: Menschen, Zwergen, Dalish-Elfen. Dazu konnte man ihnen eine individuelle Hintergrundgeschichte verpassen und diese vor Beginn der eigentlichen Story durchspielen. Obwohl es wenig Einfluss auf die nachfolgende Hauptstory hatte, war es ein gutes Tutorium und ein Highlight des Titels. Einst sollte die Dragon Age-Reihe diese Rassen fort führen, so dass man seine vorherigen Spielstände übernehmen konnte. Aber leider ist nur die letztere Option bei behalten worden. Habt ihr den Vorgänger gespielt, so könnt ihr diesen Spielstand importieren und dieser bildet eure eigene Vorgeschichte. Charaktere, die euch im Vorgänger begegnet sind und dort eine relativ wichtige Rolle hatten, werdet ihr dann im Laufe des Spiels wieder treffen. Ansonsten hat der vorherige Spielstand keinen Einfluss auf die eigentliche Hauptgeschichte. In “Dragon Age II” seid ihr schlicht Mensch und habt nur die Wahl zwischen dem Geschlecht und den drei Klassen: Krieger, Magier und Schurke. Vorname sowie das Aussehen können ebenfalls frei gewählt werden. Die Rolle sowie Story wird aber vorgegeben.
Die Story beginnt mit der Flucht eures Helden namens Hawke und seiner Familie vor der dunklen Brut. Erzählt wird diese von einem Zwerg namens Varric, der von Catherine, einer Schwester der Kirche verhört wird. Es dauert zwar eine Zeit, bis wir dahinter kommen, warum uns dieses Szenario vorgesetzt wird, die Herangehensweise an die Story wird aber dadurch erst interessant. Varric beginnt zu erzählen und schon sehen wir uns auf der Flucht aus Ferelden. Wir werden von der dunklen Brut verfolgt und schlagen uns durch zahllose Gegner den Weg frei.
Doch da wird die Geschichte unterbrochen. Die aufgebrachte Catherine möchte die „wahre“ Geschichte von Varric hören und nicht die Legende. Also beginnt die Flucht ein zweites Mal, diesmal in etwas abgewandelter Form. Dieses switchen in der Storyline ist eine nette Idee, die leider im weiteren Spielverlauf nicht noch einmal vorkommt. Während man noch in der ersten Erzählversion eine Rüstung und actiongeladene glorreiche Kämpfe bestreiten konnte, trägt man jetzt Bauernkleidung und muss sich mit weniger spektakulären Kämpfen zufrieden geben. Die Flucht ist mühsamer und mit der letzten Kraft erreichen wir die Stadt Kirkwall. Dies ist leider auch die einzige Stadt in “Dragon Age II”. Hier warten noch einige Verwandte auf euch und die eigentliche Story beginnt, in der es sich um den zehn jährigen Aufstieg von Hawke zum Champion von Kirkwall dreht.
Die anfängliche Flucht dient aber gleichzeitig auch als Tutorial und macht den Gamer schon mal mit der Steuerung des Spiels vertraut. In Kirkwall findet ihr Unterschlupf bei eurem Onkel, der euch offenbart, dass er das Anwesen eurer Familie verkauft hat, um seine Schulden zu begleichen. Jetzt liegt es an euch Geld zu beschaffen und das Ansehen eurer adligen Familie wieder herzustellen. Was anfangs etwas öde klingt, entpuppt sich als eine wahre epische Story, in der BioWare alle möglichen Register zieht. Dafür sollte man aber etwas Geduld mitbringen, denn erst spät werden die Zusammenhänge der Charaktere klar. Da beläuft sich die Spielzeit incl. Nebenmissionen schon mal auf gut 30 Stunden. Uns erwartet eine fesselnde Story und eine angemessene Spieldauer, das gefällt und macht Lust auf mehr.
Viele Emotionen
Mit viel Liebe zum Detail wurden auch die Charaktere kreiert. Jeder eurer Gefolgsleute ist individuell und hat so seine Eigenarten. Diese sind manchmal sympathisch und hin und wieder einfach nur seltsam. Während die einen z.B. darauf bedacht sind nach den gegeben Gesetzen zu agieren, wollen andere auch mal über die Stränge schlagen und sich mehr amüsieren. Da ist Ärger vorprogrammiert, denn ihr merkt schnell, dass ihr nicht alle Gefährten zufrieden stellen könnt. Das besondere des Hauptcharakters ist, dass er jetzt auch endlich eine Stimme hat und richtige Gespräche führen kann. Im Vorgänger war das noch anders. Die Beziehung zu euren Gefährten ist dabei sehr wichtig und kann durch die zahlreichen Dialoge auf sehr verschiedene Weise beeinflusst werden. Aber im Grunde geht es darum einen Ausgleich in der Gruppe zu schaffen, denn je nachdem ob ihr euch mit euren Gefährten gut stellt oder zankt, erhaltet ihr Boni, die der Gruppe im Kampf sehr nützlich sein können. Auch Streitigkeiten können nette Boni bringen und erfolgen dann zum Wohle des Teams.
Die Dialoge geben der Story noch mehr Tiefe. Dabei weisen verschiedene Symbole in der Mitte eines Auswahlkreises auf die emotionale Ebene der Antwort hin. Auch der jeweilige Antwortsatz steht dabei, der beschreibt allerdings nur die Tendenz und nicht die endgültige Antwort. Als kleines Schmankerl hat Elektronic Arts auch die englischen Originalsynchros samt Untertitel beigefügt, die natürlich viel emotionsreicher sind, als die deutschen. Zwar sind u.a. die Synchronsprecher von Catherine Zeta-Jones und Liam Neeson engagiert worden, diese erfüllen aber bei weitem nicht das Niveau ihrer englisch sprachigen Kollegen. Man muss sich jedoch vor der Installation für eine Sprache entscheiden, denn im Spiel lässt sie sich nicht mehr umstellen. BioWarefans dürfte auch auffallen, dass das Gesprächsmenü aus Mass Effect 2 übernommen wurde. Es können viele Emotionen ausgetauscht werden und sogar zu erotischen Handlungen führen. Hier geht es heiß her. Nicht so heiß ist allerdings, dass trotz der verbesserten Details im Vergleich zum Vorgänger und den ganzen übermittelten Emotionen, die Mimik der Dialogpartner etwas steif wirkt.
Action vs. Taktik
Das Kampfsystem bietet, wie versprochen, mehr Action. Hier finden sich auch die größten Änderungen. Während im Dragon Age: Origins das Kämpfen mehr von taktischen Elementen geprägt war und es auf die richtige Kombination der Skills eurer Partymitglieder ankam, setzt BioWare im neuen Teil mehr auf Schnelligkeit und Action im Kampf. Das heißt viel mehr Gegner, teilweise sind es so viele, dass man nur durch die Pausenoption mal zur Ruhe kommt.
Hier braucht man wirklich Ausdauer, weil die Kämpfe nicht aufgrund der Stärke der Gegner schwierig werden können, sondern wegen der Länge. Teilweise gibt es auch Orte, an denen ihr von allen Seiten attackiert werdet. Standard-Attacken und Zauber können mit dem Befehl sofort ausgeführt werden. Die Kämpfe verlaufen recht flüssig und nette Animationen bringen Abwechslung in die sonst sehr blutige Schlacht, denn selbst bei kleinen Gefechten fließt hier viel Blut. Teilweise etwas übertrieben, aber wenig störend. Wenn es doch mal zu viel sein sollte, gibt es auch eine Option, um die übermäßige Gewalt zu reduzieren. Auch der Schwierigkeitsgrad kann jederzeit angepasst werden.
Doch kommen wir mal zum taktischen Aspekt. Wie gesagt gibt es eine Pausenoption, die auch in vielen Kämpfen notwendig ist, um mal zwischen den Figuren zu switchen, spezielle Kommandos einzugeben oder einfach mal seinen Fingern eine Pause zu gönnen. Auch klassenübergreifende Kombos können dann aktiviert werden. Während man die meisten Kämpfe mit der guten alten „Voll-auf-die-Fresse-Taktik“ relativ gut bestreiten kann, wird es bei den Bossgegnern etwas schwieriger und man merkt wie wichtig diese Pausentaste ist.
PC-Spieler können jedoch etwas aufatmen, denn das befürchtete „Button-Mashing“ erfolgt dabei in der Regel eher bei den „einfacheren“ Kämpfen. Wenn man jedoch die Schwierigkeitsstufe etwas höher setzt, werden auch die Könner spätestens bei den Bosskämpfen etwas ins Straucheln kommen und sich eine gewisse – wenn auch simple – Taktik überlegen müssen. Dabei ist auch die Positionierung der Mitglieder ausschlaggebend. Die Nahkämpfer mit ihrer robusten Rüstung und natürlich starken Nahkampfwaffe sind die Brecher und bekommen somit auch möglichst den gesamten Schaden der Gegner ab. Magier und Schurken sollten dabei besser im Hintergrund bleiben und gehörig austeilen.
Inventar, Skilltrees und Co.
Keiner der zahlreichen Berufe aus Dragon Age: Origins taucht wieder auf, stattdessen kann man jetzt Rüstungs- und Waffenaufwertungen wie Runen und Gifte in seinem virtuellen Heim bestellen. Das Einsammeln von Materialien für diese Tränke, Gifte und Runen entfällt, denn jetzt muss man nur noch gewisse benötigte Ressourcen und die dazu gehörigen Rezepte entdecken, um diese herzustellen.
Im Inventar geht es simpel und vor allem übersichtlich weiter. Nur noch unsere Hauptfigur können wir komplett ausrüsten.
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