Ich sage jetzt etwas ganz Schreckliches: mich haben die Inselgeschichten unendlich enttäuscht, und ich finde, es ist der schwächste Teil der Reihe, der auch am wenigsten bietet.
Wohlgemerkt will ich das Spiel nicht beleidigen, oder sagen, es wäre ganz schlecht; sehr vielen wird es gefallen, schon allein deswegen, weil es eine ganz andere Umgebung für Sims ist (dafür bekommt das Spiel immerhin ganze 2 Sterne), also will ich auch niemandem den Spaß nehmen oder irgendwie auf den Schlips treten : ) Alles, was hier steht, ist natürlich meine subjektive Meinung.
Also, Kritikpunkte:
1. Die Story. Es wird so getan, als gäbe es zwei Geschichten, die man durchspielen kann, wie bei den anderen Produkten der Serie auch. Nix da. Es ist nur eine, wobei man die Wahl hat, mit welchem Charakter man sich durcharbeiten will. Ist man fertig, findet man nur eine Nachbarschaft mit dem anderen Charakter in der Simstonne. An die zweite Geschichte kommt man also nicht ran, es sei denn, man installiert das ganze umständlich neu. Also, das finde ich schon irgendwie eine Frechheit.
2. Von der Qualität der Story an sich sage ich lieber nichts, ebenso von der Logik. Nur war die allgemeine Freude groß, als man von ganzen 24 Kapiteln hörte- tatsächlich sind diese extrem kurz, und die Geschichte an sich nicht länger als in Lebens- bzw. Tiergeschichten. Dafür hat man dauerhaft Szenenwechsel. Die ganze Insel ist in zwei Dutzend Orte unterteilt, die man ständig besuchen muss, manchmal ohne ersichtlichen Grund für die Handlung, nur so, als ob man das Ganze in die Länge ziehen will . Bei mir dauert das Laden von jedem neuen Ort mindestens 3 Minuten. So sieht also das Durchspielen der Story etwa aus: 3 Minuten Laden, eine Minute Spielzeit (stehen und warten, bis jemand ankommt und ein Gespräch durchführt und uns irgendwohin sonst schickt), 3 Minuten Laden, 30 Sekunden Spielzeit (eine Handlung durchführen, z.B. ein Gegenstand aufnehmen), 3 Minuten Laden in die vorherige Lokation... Ja, das macht Spaß...
3. Die Orte selbst sind riesig und meistens SEHR unübersichtlich. Das ist besonders dann toll, wenn man etwas bestimmtes (oder jemanden) finden muss. Es dauert ewig, von einem Ende zum anderen zu laufen (ohne Zeit zu beschleunigen geht es gar nicht.) Ob sie so schön und stimmig anzuschauen sind, ist eine Geschmackssache.
4. Und Apropos Ladezeiten: bei mir verhält sich das Spiel in Bezug auf die Systemressoursen mindestens genauso wie das originale Spiel mit 2-3 Erweiterungen, trotz allen Beteuerungen über die Laptopfreundlichkeit. Lebens- und Tiergeschichten liefen flüssig, bei Inselgeschichten ruckelt es manchmal und dauert schon deutlich mehr (vor kurzem hat das Spiel ein Haus geschlagene 10 Minuten geladen.) Das beginnt schon mit der bemerkenswert langen Installation. Mag sein, dass es ein subjektives Problem ist, scheint mir aber schon verdächtig viel zu sein.
5. Was ich sehr schade finde: im Spielverlauf merkt man außer der Grafik kaum, dass man sich eigentlich auf einer einsamen Insel befindet. Ich hatte so gehofft, hier würde, ähnlich wie glaube ich bei Gestrandet, eine Simulation dargestellt, wie ein Sim sich auf einer Insel einrichtet, es lernt, zu überleben, und sich Sachen baut, stattdessen wird wieder die Variante 'etwas abgeändertes Sims 2 in einer anderen Umgebung' präsentiert. Solche Sachen wie Bananen pflücken, Fische fangen und Feuer machen kann ein Sim ohne jede Vorbereitung oder Werkzeuge sofort und muss es überhaupt nur ganz am Anfang tun. Selbst bauen muss er schon erst gar nichts: alles mögliche kann man im Tauschmenü (lies: Kaufmenü) gegen sogenannte Ressoursen (Analog zu Simoleons) kaufen. Es gibt ja zwei Sachen, die ein Sim hier braucht: Essen (entspricht dem Essen in Kühlschrank, nur dass man es nicht bestellen kann) und Ressoursen (die Währung der Insel). Und das bekommt man gewöhnlich nicht durch mühevolles Sammeln, sondern durch den Job. Und wodurch besteht denn groß der Unterschied zu dem normalen Spiel, außer dass die Sachen im Wesentlichen nur anders genannt und ein klein bisschen an das Thema angepasst sind? (Insbesondere wenn man bedenkt, dass bei Ressoursen egal ist, ob sie etwa aus Holz oder Bambus bestehen, man kann sowieso praktisch alles, was man will, damit kaufen, z.B. einen Flipper...)
6. Die Glaubwürdigkeit der Welt ist sehr relativ: den Job etwa kann man noch verstehen (angenommen, der Gestrandete sammelt während dieser Zeit seine Ressoursen, und die verbesserten Fähigkeiten erlauben es ihm, seine Arbeit besser zu verrichten), aber woher bitte schön sollen die doppelten Prämien bei den Beförderungen kommen?! Überhaupt, wozu soll man sich mit Arbeit abmühen, lieber ein Paar Affen zu adoptieren und ihnen einen Job verpassen... (Wohlgemerkt kann man auch ein Hausmädchen einstellen...)
Tja, ich habe im Spiel nicht das Gefühl, auf einer einsamen Insel zu sein. Vielmehr ist es auf der Insel so voll, wie in einer Stadt. Und die typischen Beschäftigungen eines Gestrandeten nehmen hier kaum einen Bruchteil der Spielzeit ein. (Dafür erinnert das ganze sehr an 'Gute Reise'.)
7. Ist man mir der Story nach spätestens 3-4 Stunden fertig, kommt man ins Freie Modus. Und da wird es sehr schnell todlangweilig. Weil jegliches Ziel fehlt. Weil man sich nicht 'hocharbeiten' muss, sondern z.B. nur genug Ressoursen anzusammeln, um sich sein nett anzusehenes Tropenparadies zu kaufen. Und was dann? Es fehlt einfach das Gefühl, 'gestrandet' zu sein, es ist vielmehr nur die hübsche Umgebung und spezifische Möbel. Selbst wenn das Spiel da immer noch fesseln kann, bleiben die starken Kritikpunkte wie etwa: man kann keine eigenen Grundstücke hinzufügen. Neue Familien müssen in die schon vorhandenen Grundstücke ziehen, somit kann man nur mit einer Handvoll Sims spielen. Es ist vielleicht witzig auszuprobieren, aber die Langzeitmotivation fehlt vollkommen.
Mein Fazit: ich sitze hier nach einigen Stunden Spielzeit da und frage mich, wozu ich gestern fast 30 Euro bezahlt habe. Denn die Story ist schon durch, und das freie Spiel ist sehr langweilig. Wenn man ein Ziel haben könnte, z.B. seine Kenntnisse und Überlebenstechniken zu entwickeln und etwa es am Ende zu schaffen, in die Zivilisation zurückzukehren, dann würden die Inselgeschichten mit ihrer schöner Graphik sicher ein Suchtpotenzial besitzen. So wie es jetzt ist, bieten sie nichts mehr als das alte Sims-Spiel in einem neuen Gewand. Ein kurzweiliges Vergnügen und eine große Enttäuschung, da ich mich seit Monaten unendlich auf dieses Spiel gefreut hatte. So wie es jetzt ist, sind mir sogar Tiergeschichten lieber: da waren die Storys zumindest interessant, und es gab sogar zwei davon.