Das, in Rahmen einer Werbekampagne, im Februar veröffentlichte Duty Calls kritisiert aktuelle Ego-Shooter als zu eintönig, zu kurzweilig und 'schemahaft'.
Somit muss sich auch, dass von EA veröffentlichte und von den deutschen Entwicklern Crytek programmierte, Crysis 2 an diesem 'Schema' vergleichen lassen. Der Vorgänger Crysis, welcher 2007 exklusiv für den PC erschien, gilt heute noch als Grafik Maßstab. Jedoch konnten nur wenige dieses Grafikspektakel auch bewundern, da die Anforderungen an die Hardware ebenso unirdischen Ursprungs waren, wie die Aliens. Somit können wir uns freuen, dass Crysis 2 nun nicht nur für PC erscheint, sondern auch für die Xbox360 und PS3, wodurch das Werk um einiges Massentauglicher gestaltet wurde.
Im folgenden Testbericht werde ich meinen Senf zu Crysis 2 abgeben und meine Einstiegsfrage hoffentlich ausreichend beantworten. Wer unter Zeitdruck steht oder einfach zu faul ist, um die gesamte Rezension durchzulesen, kann sich über die standardisierte Einteilung in einzelne Passagen freuen und über Zusammenhänge, die aufgrund vorausgegangenen Wissens, unverständlich sind.
Aliens bevölkern New York- Der Singleplayer
Während man im Vorgänger der deutschen Produktion eine tropische Inselwelt bestaunen konnte führt uns die Reise diesmal in die, von Klimakatastrophen gebeutelte und von Aliens belagerte, Weltmetropole New York City.
Dabei darf man sich auf eine Sightseeingtour der besonderen Art freuen, denn neben den, zwar nicht in einwandfreien Zustand befindlichen, Wahrzeichen der Stadt bietet die Grafik jeden Anlass zum staunen. Leider möchte mir kein Adjektiv einfallen, um die Grafik zu beschreiben, denn Wörter wie malerisch, phänomenal oder bombastisch werden der von Crytek abgelieferten Leistung nicht annähernd gerecht. Zu Beginn des Werkes muss man sich sogar fragen, ob die Szene nur gerendert ist oder doch 'real'. Man muss es einfach selbst erlebt haben!
Um mögliche Spoiler zu verhindern, möchte ich auf zu viele Details der Handlung verzichten. Lediglich soviel:
Wie bereits erwähnt, wird die Welthauptstadt New York City von den Cephs (Aliens) belagert. Man selbst tritt in die Rolle des Force-Recon Soldaten Alcatraz (nein nicht das Gefängnis), der sich mit seiner Einheit in aller letzter Sekunde aus einem sinkenden U-Boot retten kann. Diese 'tiefgreifende' Verbindung zu seiner Einheit wird doch bereits im nächsten Moment durch amoklaufende Aliens, welche mit den Superwaffen ihres Raumschiffes aus sicherer Distanz auf hinterhältigste Weise, alle eure Teamkameraden massakrieren. Die Rettung hätte man sich folglich getrost sparen können. Der Protagonist hingegen wird erneut von einem unbekannten Heroen gerettet. Mit einem dicken Schädel wacht man in einem Anzug, auf den Superman neidisch wäre, in einem New Yorker Hafenbecken auf. Der heldenhafte Retter hat kurzerhand Selbstmord begangen, da die fiesen Aliens nicht nur die Menschheit vernichten wollen, sondern auch noch einen bösen Virus auf der Erde hinterlassen haben.
Mit den Fähigkeiten des sogenannten Nanosuits ausgestattet ernennt sich Alcatraz kurzerhand zum Helden der Menschheit...
Wodurch unterscheidet sich Crysis 2 nun vom Schema Duty Calls?
Dies zeigt sich besonders durch das Feature des Nanosuits. Dieser bietet die drei Fähigkeiten, des Sprintens, der Unsichtbarkeit und der Panzerverstärkung. Dadurch ergeben sich für jeden Spieler individuelle Herangehensweisen an die Kampagne. Alcatraz kann also im Stile Rambos oder Sam Fishers vorgehen und dadurch ergibt sich ein großer Widerspielwert für die Kampagne.
Zu den taktischen Möglichkeiten zählt zudem die Observierung des Kampfareals auf mögliche Vorräte und Gegner. Leider wird man dabei viel zu schnell entdeckt. Dies führt gleichzeitig zum nächsten Punkt: Der Gegner-KI. Die Gegner agieren intelligent und brauchen sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken, besonders im höheren Schwierigkeitsgrad sind diese selbst für erfahrene Spieler eine große Herausforderung.
Das Level-Design von Crysis 2 bietet einen weiteren Unterschied zum Schema Duty Calls. Diese sind nicht schlauchförmig aufgebaut, sondern bieten unterschiedliche Wege, auch abseits der Gegnermassen.
Crysis 2 hebt sich durch diese Punkte von anderen Shootern stark ab und vermittelt ein ganz eigenes, erfrischendes Konzept.
Superman wird massentauglich- Der Mutliplayer
Der Multiplayer wurde in den letzten Jahren immer wichtiger, dass weiß auch Crytek und deshalb hat man bekannte Elemente, wie Killstreaks, Perks sowie Herausforderungen eingebaut.
Allerdings hat man sich auch hier etwas von Genreprimus abgehoben.
Man kann z.B. die Killstreaks nicht frei wählen, sondern diese werden für jede einzelne Karte vorgegeben und sind auch für alle die Gleichen. Diese sind glücklicherweise nicht allzu mächtig und halten sich eher im Hintergrund.
Kleiner Einschub:
Die Karten sind grafisch schön anzusehen, außerdem gibt es starke Größenunterschiede, die unterschiedliche Herangehensweisen erfordern.
Auch bei den Perks merkt man eine spezielle Handschrift. Denn auch im Mehrspieler beherrscht man die Fähigkeiten des Nanosuits. Für diese bekommt man je nach Benutzung Erfahrungspunkte, durch welche man neue Perks freischalten kann. Folglich passt sich der eigene Charakter der Spielweise des Spielers individuell an.
Der Multiplayer selbst benötigt eine sehr lange Eingewöhnungszeit, besonders was die perfekte Benutzung des Nanosuits betrifft, da dieser nur eine begrenzt Zeit benutzt werden kann, bevor er sich erneut aufladen muss.
Ein starker Kritikpunkt an dem Multiplayer ist die Waffenauswahl, diese beschränkt sich pro Klasse auf höchstens 3 Waffen. Dies hinkt anderen Shootern deutlich hinterher, ist aber zu verkraften.
Fazit:
Crysis 2 ist erfrischend anders und hebt sich deutlich von der momentanen Shooter-Generation ab. Man fühlt sich während der gesamten Kampagne von dem prickelnden Schwierigkeitsgrad gefordert, aber nicht frustriert. Gleichzeitig verstärkt die Grafik dieses fesselnde, intensive und vor allem taktische Erlebnis zu einem rundum gelungenen Shooter.
Schwächen zeigt Crysis 2 lediglich im Multiplayer. Dieser ist aufgrund Herausforderungen und Nanosuits zwar motivierend, bietet jedoch eine zu geringe Waffenauswahl, ein momentan unausgeglichenes Balancing, sowie jede Menge Frustmomente, aufgrund der langen Eingewöhnungszeit.
Über Fragen, Kommentare, Kritik, Anregungen und hoffentlich auch Lob würde ich mich sehr freuen. Wer nicht weiß, was Duty Calls ist, der sollte dies einfach mal mit Hilfe eines großen Videoportales im Internet herausfinden!
Viel Spaß beim Crysis 2 spielen oder aber auch nicht ;)!
nonny