Aus der Amazon.de-Redaktion
Thomas Bührke gelingt es auch, das revolutionär Neue von Einsteins Theorie anzudeuten, indem er die Reibungspunkte zur Physik im traditionellen Newtonschen Sinne anspricht -- denn immerhin muß es einen Grund geben, wieso überhaupt eine neue Theorie nötig war. Wie reagierte die Wissenschaftsgemeinde auf den radikalen Neuentwurf und waren diese Ergebnisse, die Einstein in Gedankenexeperimenten erschloß, überhaupt praktisch überprüfbar? Auch diese Punkte spricht Bührke an, und läßt die graue Theorie so ein wenig farbiger erscheinen.
Einige Skizzen veranschaulichen schwierige Details oder komplexe Versuchsanordnungen, und die anschaulichen Beispiele (fahrende Züge, Uhren im Weltraum) helfen dabei, Begriffe wie die Zeitdilatation, Längenkontraktion oder das Zwillingsparadoxon zu verstehen. Kompakt aber verständlich. Wer die wesentlichen Begriffe noch einmal nachlesen will, dem hilft das Glossar, und wer auf den Geschmack gekommen ist, findet im Literaturverzeichnis Tips zum Weiterlesen. --Heike Reher
Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Über den Autor
Auszug aus E gleich mc2 von Thomas Bührke. Copyright © 1999. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Zwei physikalische Theorien haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts unser Weltbild revolutioniert: Die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie. Revolutionär waren sie aus zwei Gründen: Zum einen brachen sie mit den damals herrschenden physikalischen Gesetzen, und zum anderen beschrieben sie die Natur auf eine Weise, die dem gesunden Menschenverstand und der Alltagserfahrung eklatant widersprach. Dennoch oder gerade deshalb wurden sie zu Höhepunkten wissenschaftlichen und kulturellen Schaffens.
Während die Quantenmechanik aus der gemeinsamen Anstrengung einer größeren Gruppe von Physikern hervorging, hat die Relativitätstheorie nur einen Schöpfer: Albert Einstein. Max Planck erkannte als erster die fundamentale Bedeutung der Speziellen Relativitätstheorie und nannte sie eine kopernikanische Tat, die "an Kühnheit wohl alles, was bisher in der spekulativen Naturforschung, ja in der philosophischen Erkenntnistheorie geleistet wurde", übertreffe. Als einen "Treppenwitz der Geschichte" empfand es indes der Würzburger Physiker Jakob Laub, daß der "neue Kopernikus" fast drei Jahre nach dessen epochaler Veröffentlichung immer noch als Schweizer Beamter in einem Patentamt arbeitete. Und nicht minder erstaunlich ist die Tatsache, daß Einstein die Theorie in einer bescheidenen Mietwohnung in Bern entwickelte.
Albert Einstein kam am 15. März 1879 in Ulm zur Welt. Sowohl in der Grundschule als auch später im Gymnasium war er ein guter bis sehr guter Schüler, obwohl ihm die Autorität der Lehrer und der alltägliche Drill die Freude am Lernen weitgehend verleideten. Der Vater betrieb zusammen mit seinem Bruder ein Elektrogeschäft, dessen Sitz sie 1893 nach Italien verlegten. Der 15jährige Albert konnte seinen Eltern jedoch nicht folgen, da er nicht ausreichend italienisch sprach, um dort das Abitur abzulegen. Nachdem er am Polytechnikum in Zürich durch die Aufnahmeprüfung gefallen war, kam er in der Schweizer Kantonsschule in Aarau unter, wo er 1896 die Matura als bester von neun Kandidaten erlangte. Zwei Wochen später begann er sein Studium in Zürich an der renommierten Eidgenössischen Polytechnischen Schule, der "Poly".
Der Student Einstein konnte sich, wie schon in der Schule, nicht so recht dem Diktat des Studienplanes fügen. Vielmehr studierte er zu Hause die Meister der theoretischen Physik "mit heiligem Eifer". Am stärksten faszinierte ihn die Maxwellsche Theorie elektromagnetischer Felder, die ihm "wie eine Offenbarung" vorkam.
Im Sommer 1900 legte er das Diplom als Fachlehrer in Mathematik und Physik ab. Mit 4,91 von sechs möglichen Punkten hatte er zwar einen guten Abschluß erzielt, aber die erhoffte Anstellung als wissenschaftlicher Assistent an der Poly blieb ihm versagt. Nach kurzen Intermezzi als Hilfslehrer in Winterthur und als Privatlehrer in Schaffhausen ging er schließlich nach Bern, wo er im Juni 1902 eine Stelle am eidgenössischen "Amt für geistiges Eigentum" antrat.
Er war überfroh, endlich eine Arbeit gefunden zu haben, die ihm gut gefiel, da "sie ungemein abwechslungsreich ist und viel zu denken gibt". Ganz offensichtlich genügte ihm die geistige Nahrung am Patentamt aber nicht, denn nebenbei beschäftigte er sich mit Problemen der Physik. Schon kurz nach seiner Ankunft in Bern hatte er eine Art Debattierklub, die "Akademie Olympia", gegründet. Abends traf sich Einstein mit dem rumänischen Philosophiestudenten Maurice Solovine und mit Conrad Habicht, der in Bern Mathematik studierte. Dann lasen sie Werke von Mach, Hume oder Poincare und diskutierten bis spät in die Nacht hinein, während sich der Raum zunehmend mit erstickendem Tabakqualm füllte.
Man kann sich die damalige Situation gar nicht paradox genug vorstellen: Acht Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche begutachtete der technische Experte III. Klasse an einem Stehpult Patenteinreichungen, und in der übrigen Zeit wälzte er in seinem Kopf tiefgründige physikalische Probleme. Bereits seit 19Q1 hatte er in den >Annalen der Physik< mehrere Schriften veröffentlicht, doch das Jahr 1905 sollte für ihn zum annus mirabilis, dem Wunderjahr, werden. Hier erschienen gleich sechs Arbeiten. Für eine erhielt er später den Physik-Nobelpreis, eine der anderen ging als Spezielle Relativitätstheorie in die Geschichte ein.
Einstein ist in seinem Leben oft gefragt worden, wie er auf die Relativitätstheorie gekommen sei, welche Gedanken ihn dabei geleitet hätten. Stets antwortete er ausweichend und ungenau, so etwa bei einem Vortrag, den er 1922 an der Universität von Kyoto hielt: "Es fällt mir nicht leicht darüber zu sprechen, wie ich auf die Theorie der Relativität gekommen bin; sehr viele verborgene Verwicklungen regten meine Gedanken an." (...)