Der Text des "Dyskolos" (Griesgram) wurde 1958 erstmals publiziert, nachdem die Komödie fast vollständig auf einem Papyruskodex entdeckt worden war. Hiermit liegt nun endlich eine günstige griechisch-deutsche Ausgabe für jedermann vor. Übersetzt wurde das Stück von Horst-Dieter Blume, einem Menanderspezialisten, der auch die einzige deutsche Einführung zu Menander geschrieben hat.
Das Stück wurde 316 v. Chr. aufgeführt. Der Griesgram, Knemon, ist ein durch die Schlechtigkeit der Menschen in die Einsamkeit getriebener älterer Mann. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Sostratos, ein junger Athener aus wohlhabendem Hause verliebt sich in Knemons Tochter, der jedoch in seiner menschenfeindlichen Art der Verbindung im Weg steht. Am Ende bekommen sich die Liebenden, aber ein fröhliches Happy End wäre Menander zu simpel gewesen. Knemon werde zwar anderen nicht mehr im Wege stehen, will aber für sich selber seine Lebensweise nicht aufgeben. Er weigert sich daher, an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen, wird dann schließlich gegen seinen Willen in die Gemeinschaft seiner Kinder eingegliedert. Knemon bleibt sich also letztlich treu und wird als Figur nicht dem versöhnlichen Schluss zuliebe verbogen.
Der "Dyskolos" zeigt eindruckvoll die liebevolle Charakterisierung der Figuren, die für Menander typisch ist. Besonders der exzentrische Knemon ist als individueller Charakter gezeigt. Aber er ist nicht ausschließlich böse und grantig. Sostratos bemerkt, die Tochter des Knemon sei umso begehrenswerter, da sie wegen der anachoretischen Art des Vaters "fern von allem Bösen" sei (V. 384-389): Hat ihre Erziehung durch Knemon also nicht auch ihr Gutes gehabt?
Das Stück wird seine Leser nicht zu Lachkrämpfen erheitern, ist aber ein sehr hübsches Beispiel hellenistischer Charakterstudie. Geeignet für den Einstieg in Menanders Dichtkunst, für einen günstigen Preis und mit einem griechischen Text ausgestattet, der dankenswerterweise offenlegt, welche Worte im Papyrus erhalten und welche vom Herausgeber ergänzt sind.