Dieser Ratgeber muß weiter empfohlen werden. Meine Tochter hat Dyskalkulie, wie ich schon vorher wußte. Aber was das eigentlich für ein Kind bedeutet, das kann ich erst jetzt verstehen. Ich habe meine Einstellung geändert. Ich kann ihr kein Rechnen beibringen, wenn sie Zahlen nicht verstehen kann. Aber ich kann Druck wegnehmen und aufhören auf die Noten zu schauen und ihr Zeit geben. Einen großen Platz nimmt im Ratgeber ein Kapitel (Kapitel 7) ein, in dem Simon erklärt, welche Übungen für Kinder mit Dyskalkulie hingegen sinnvoll sind. Diese bereiten auf Mathe vor und machen (der ganzen Familie) Spaß. Auch die Empfehlungen für Lehrer können Eltern umsetzen (Umgekehrt bestimmt auch).
Mal kurz der Reihe nach: Nach einer kurzen Einführung folgt ein Unterrichtsbeispiel, anhand dessen schon so einiges klar wird. Allein hierfür hat sich der Ratgeber schon gelohnt! Knappe Erläuterungen zu Aspekten der Definition von Dyskalkulie folgen .(Wer mehr dazu lesen will, kann auch zu Kapitel 8 vorblättern) Im vierten Kapitel werden dann die häufigsten Fehler aufgeführt und erklärt, die man bei Kindern beobachten kann. So ein Teil darf natürlich in keinem Ratgeber zum Thema fehlen, aber hier sind die Erklärungen Ausgangspunkt für verständliche Erläuterungen zu den Gründen, warum manche Kinder an Mathe scheitern. Der Leser erfährt viel über die Grundlagen des Mathelernens. Das ist nicht nur für Lehrer interessant, sondern gerade auch für betroffene Eltern. Der Druck, seinem Kind alles erklären zu müssen, wird so von den Eltern genommen. Das fünfte Kapitel stellt dann gezielte Tests vor, die auch Laien anwenden können. Dabei handelt es sich nicht um ein fragebogenmäßiges Abfragen von Beobachtungen (wer Kapitel vier gelesen hat, hat genug Wissen, um Beobachtungen selbst einzuordnen), sondern um spielähnliche Aufgaben für das Kind. Simon gibt die nötigen Durchführungs- und Beobachtungshinweise. Die Tests aus Kapitel 5 erfordern allerdings ein wenig Einarbeitung seitens des Lesers, die sich aber lohnt. Im Kapitel 6 geht es um die kindliche Sicht seines Problems. Ein Selbstexperiment über mehrere Seiten lässt den Leser eindrucksvoll erahnen, wie sich für ein Kind Rechenschwäche wohl anfühlen muss. Danach sieht man die Probleme seines Kindes aus einer anderen Perspektive. Das folgende Kapitel besteht aus drei Teilen: (1) Übungen für zuhause, die nötige Grundlagen für Mathelernen schaffen sollen, (2) Übungen für die Schule, die in der Klasse oder in der Förderung eingesetzt werden können (mit ein bisschen Einsatz können diese auch von Eltern durchgeführt werden) und (3) einem begründeten Forderungskatalog an gewerbliche Therapien. Das achte Kapitel kommt noch einmal zurück auf Definitionen und rechtliche Aspekte für die Übernahme von Therapiekosten. Die wichtigsten Fachbegriffe werden am Ende noch einmal erläutert.
Man merkt, dass der Autor aus der Praxis kommt. Er beweist, dass es kein Patentrezept geben kann. Er zeigt nicht nur, dass man einem solchen Kind nicht mit irgendwelchen Rechenspielchen kommen kann, sondern schlägt Maßnahmen vor, die Eltern und Lehrer treffen können, um das Kind auf den Stand zu bringen, wo es schließlich solche Rechenspiele für sich sinnvoll nutzen kann. Leser, die in irgendeiner Form mit Dyskalkulie zu tun haben (Lehrer, Eltern etc.), werden massiv von diesem Buch profitieren.