Zusammenfassung: Im Rahmen dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, Möglichkeiten und Realitäten gesellschaftlicher Dynamik in der modernen Gesellschaft zu beschreiben. Aus explizit systemtheoretischer Warte in der Tradition Niklas Luhmanns erfolgt zu diesem Zweck zunächst eine skizzenhafte Beschreibung der modernen Gesellschaft mit Schwerpunkt auf drei sozialen Systemen: dem Funktionssystem Wirtschaft, dem Funktionssystem Politik und dem Funktionssystem Massenmedien. In diesem Kontext wird das Schnittstellenkonzept als heuristisches Instrument zur Konkretisierung struktureller Kopplungen sozialer Systeme entwickelt. Diese Annahmen werden dann um evolutionstheoretische Implikationen erweitert. Im Anschluss daran werden Globalisierung und Provinzialisierung von Wirtschaft, Politik und Massenmedien skizziert. Damit einhergehen wird die Beschreibung der interdependenten Dynamik der drei Funktionssysteme unter explizit globalen Aspekten. Das Massenmediensystem wird dabei eine Sonderstellung einnehmen, die zumindest die folgenden Fragen aufwirft: Gibt es eine gesamtgesellschaftliche Funktion der Massenmedien hinsichtlich des politischen Diskurses? Kann man vor dem Hintergrund des Entzugs nationalstaatlicher Kontrolle im Sinne einer Abnahme politischer Effektivität und Absicherung von einer Verantwortung der Massenmedien sprechen? Der Fokus bei der Beantwortung dieser Fragen wird auf der beobachtbaren Konvergenz von Massenmediensystem und Wirtschaftssystem zu vermeintlicher Last des politischen Funktionssystems liegen, die jedoch systemtheoretisch exakter und mit einem Hilfskonstrukt der Globalitätsdifferenz der Funktionssysteme modelliert wird. Globalitätsdifferenzen werden dabei vor allem auf gesellschaftlicher Organisationsebene, und die beobachteten allgemeinen Tendenzen immer als Varianten struktureller Kopplung und Schnittstellen, also: als Interpenetrationen verdeutlicht werden. Auf einer theoretisch abstrahierenderen Ebene wird der Begriff der Kommunikation als konstitutives und konstruierendes Moment jeglicher kulturellen und sozialen Realität unter Punkt 3.2. Sonderfall: Massenmediensystem diskutiert werden. Die Befunde werden für den Rest der Arbeit gewinnbringend ausgewertet. Komplementär zu Globalisierung wird Provinzialisierung, deren Begriff spezieller unter Begriffen wie Regionalisierung, Lokalisierung etc. geführt wird, ihre Berücksichtigung finden. Dabei wird Provinzialisierung systemtheoretisch wie empirisch als integrativer Bestandteil von Globalisierung zu erfassen sein. In diesem Zusammenhang wird die Transzendierung von Territorien oder: der Bedeutungsverlust des Raumes deutlich werden aber eben auch ergo provozierte Gegenphänomene vor allem in Form der Behauptung und Neo-Genese kultureller, nationaler sowie generell territorial einschränkbarer Identitäten. Annahmen über Mythenbildung und Virtualität bzw. Artifizialität werden dabei ansatzweise in die Überlegungen integriert. Es wird somit vom Begriff des Nationalstaates als treffenden oder deckungsgleichen Terminus für Gesellschaft an sich Abstand genommen, ohne dabei die Existenz von Nationalstaaten in Frage zu stellen. Als Gesellschaftsbegriff wird anstelle dessen der systemtheoretisch konsistente und ausschließliche Begriff der einen Weltgesellschaft eingesetzt. Ziel ist es letztlich auch, den Begriff der Weltgesellschaft als Gesellschaftsbegriff für die Soziologie erneut zu plausibilisieren, und dies, ohne dabei mit zu treffenden Annahmen über gesellschaftliche Evolution, Globalisierung und Provinzialisierung, mit der postulierten Sonderstellung des Massenmediensystems und allgemein mit den gemachten systemtheoretischen Annahmen bezüglich der drei herausgegriffenen Funktionssysteme in Konflikt zu geraten.