Eines vorweg: "Dylanesque" ist eine durchaus gelungene Platte, musikalisch und gesangstechnisch aus einem Guss. Musste man sich bei "Frantic" ein wenig über die schlampige Produktion beklagen, gibt es hier ebenfalls nichts zu bemängeln.
Beim flotten Opener "Just Like Tom Thumb's Blues" kann man sich gleich von Ferrys "gereifter" Stimme überzeugen, von der er selbst sprach. Nicht weniger rockig geht es mit "Simple Twist Of Fate" weiter bis mit "Make You Feel My Love" eine wunderbare Ballade folgt. Hier wird Ferry, bis auf vereinzelte Gitarrenklänge, ausschließlich vom Piano begleitet.
"The Times They Are A-Changin'" ist sicherlich ein Highlight der Platte. Ein wahrer Ohrwurm, der schnell zum Mitsingen anregt. "All I Really Want To Do", herrlich verpspielt, erinnert an Ferry in den 70ern.
"Knockin' On Heaven's Door" wurde ja nun bereits von diversen Musikern gecovert, sicher auch deshalb reißt der Song nicht gerade vom Hocker. Hier nervt die, auf "Dylanesque" mehrfach eingesetze, Mundharmonika gewaltig, zumal diese hier ziemlich uninspiriert daherkommt.
Mit "Positively 4th Street" folgt wieder ein ruhigeres Stück, während man bei "If Not For You" fröhlich mitwippen kann. Das Gitarrenspiel erinnert dabei an das "Mamouna"-Album. Beim schnellen, durchaus tanzbaren "Baby, Let Me Follow You Down" wird wieder kräftig in die Mundarmonika geblasen, hier jedoch wieder mit Erfolg. "Gates Of Eden" ist ein träumerisch, sphärischer Titel, "All Along The Watchtower" bildet schließlich den rockigen Abschluss des Albums.
Ich kannte kaum einen der Titel im Original und hätte, aufgrund der bisher aufgenommen Dylan-Songs, eine insgesamt etwas "seichtere" Kompilation erwartet. Insofern war ich angenehem überrascht. Über kleinere Mängel kann ich getrost hinweg sehen, so dass ich fünf Sterne gebe und mich schon auf die Tour freue!