"Nobody sings Dylan like Dylan" -- durchaus, durchaus. Aber Ben Sidran hat es nicht nötig, so klingen zu wollen wie Bob Dylan -- das beweist er hier jedem, der noch Ohren hat zu hören. Er präsentiert zwölf Songs von Dylan, die nahezu jeder kennt. Aber so hat sie noch keiner vorher gekannt, denn Ben Sidran zeigt, was in diesen Songs noch alles drinsteckt. Er zeigt das ganz lässig, ohne Allüren, mit viel Können, noch mehr Gespür und ausgefeilt bis ins letzte Detail, ohne je in Routine zu verfallen. Manches, zum Beispiel seine Version von "Everything is Broken", lässt einen an Tom Waits nach erfolgreichem Gesangsunterricht denken (keine Bange! Ich finde Tom Waits klasse, so wie er ist), manches erinnert an Mose Allisons "
Way of the World". Wie diese beiden verweigert auch Ben Sidran die Genre-Verschubladung souverän, oszilliert zwischen Jazz, Pop und Songwriter, und das alles nie ohne einen Hauch von Blues: Ben Sidran sings Dylan like Sidran and plays the piano. Hinzu kommen Schlagzeuger Alberto Malo und Bassist Marcello Gioullianai, gelegentlich auch Saxophon, Klarinette, Gitarren und (gute!) Background-Sängerinnen -- und zwar immer da, wo's haargenau reinpasst. Zum Beispiel in "Gotta Serve Somebody". Dazu dieses Saxophon-Solo ...
Manches klingt eher ruhig und gelassen, und was er allein aus dem bekannt geglaubten "Maggie's Farm" mit einfachen Mitteln an Neuem rausholt... Bei einem zweitklassigen Jazzer würde das Prinzip irgendwann in die Langeweile abdriften, aber Sidran schafft es, dass man seiner Version auch noch beim x-ten Anhören fasziniert lauscht.
Anderes, "On the Road", "Rainy Day Woman" oder "Highway 61" etwa, zischelt er hintergründig und lässt's schier vor innerer Spannung platzen. Und vor allem sein "Highway 61" oszilliert obendrein faszinierend zwischen Singen und Sprechgesang. Er kann's aber auch anders. Direkt nach "On the Road" zum Beispiel kommt was scheinbar konventionelles namens "All I Wanna Do", ruhig mit sparsam eingesetztem Bläserecho. Nur ein wenig mehr Eleganz, und es wäre kitschig. Aber es ist nicht kitschig.
Ben Sidran hat nunmal diesen Instinkt und dosiert haargenau richtig. Das klingt alles perfekt und hat doch Ecken und Kanten, Charakter eben. Wenn er schließlich mit "Blowin' in the Wind" mit größtmöglicher Zurückhaltung ein eindringliches Finale setzt... dann kann man sich keine Steigerung mehr vorstellen, jedenfalls nicht für die nächsten Stunden.