Es gibt 3 bekannte Gesamteinspielungen von Dvoraks Symphonien: Kertesz, Kubelik und Neumann. Alle 3 habe ein gemeinsames Problem: mehrere unnötigerweise auf 2 CDs vereilte Symphonien. Die Kubelik-Aufnahme leidet angeblich zusätzlich unter übertriebener digitaler Nachbearbeitung, die Kertesz-Aufnahme (die ich bisher hatte) ist zwar klanglich relativ gut, aber ausgerechnet die letzten 3 Symphonien sind 1963 aufgenommen worden (der Rest 1967) und mit modernen Digitalaufnahmen natürlich nicht vergleichbar. Die Digitalaufnahme von Neumann entält außer den Symphonien auf 6 CDs nichts und trotzdem sind 3 von 9 "abgebrochen" (also auf 2 CDs verteilt) - noch dämlicher kann man eine (vermutlich gute) Aufnahme kaum verkaufen, und das auch noch für 60 ¤.
Die Anguelov-Aufnahme bietet außer den Symphonien auch noch die seltener aufgenommene Bohemian Suite, ist auf gut aufgeteilten, randvollen 5 CDs ohne Unterbrecher untergebracht, in eine sehr solide Box verpackt (statt in einen Pappkarton und Butterbrotpapier-Hüllen) und mit einem guten, informativen Booklet (deutsch/englisch) gesegnet.
Entscheidend sind natürlich künstlerischer Wert und Klangqualität (das eine bringt ohne das andere nix). Die Tempi sind etwas forscher als bei Kertesz, aber nicht übertrieben, Orchester und Solisten spielen hingebungsvoll und technisch perfekt, die Musik ist sehr transparent und detailreich, die Klangqualität vorzüglich und dynamisch (aber ohne dass man ständig am Lautstärkeregler zugange ist). Liebhaber-Herz, was willst Du mehr? Und das für schlappe 30 ¤.
Sowohl vom Hörerlebnis als auch vom Preis-/Leistugs-Verhältnis her hat mich diese Aufnahme spontan an David Zinmans legendäre Beethoven-Gesamteinspielung bei Arte Nova erinnert - etwas besseres lässt sich kaum sagen.