Statistisch gilt sie als des Deutschen "Lieblingssymphonie": Dvoráks Symphonie Nr. 9 e-moll, mit dem klangvollen Beinamen "Aus der neuen Welt". Freilich war die letzte Symphonie des Tschechen schon seit ihrer Erstaufführung populär, aber dass sie im Land der großen Symphoniker einst zu derlei Ehen kommen würde, hätte der Komponist wohl sicher nicht erwartet. Schließlich führen seine restlichen Symphonien leider auch heute noch eher ein Schattendasein. Was die 9. nun gerade so ansprechend macht, lässt sich ganz besonders gut mittels der Aufnahme durch das London Symphony Orchestra unter Leitung des Ungarn Eugene Ormandy aus dem Jahre 1969 erläutern. Denn wenngleich diese Einspielung nun schon geraume Jahre auf dem Buckel hat und auch die ADD-Qualität ob ihres deutlichen Rauschpegels nicht immer voll befriedigen kann, so ist sie doch mit Abstand die temperamentvollste, feurigste und dabei tiefste und ausgeglichenste Interpretation, die der Markt zu bieten hat - und das sind allein bei Amazon mehr als 70 Titel. Denn was Ormandys Deutung so bewundernswert macht, ist die schlichte Gestaltung, das unaffektierte Gestalten der Musik, so dass der Eindruck aufkommt, die Musik musiziere sich selbst. Da gibt es kein Anzeichen für eine forcierte Interpretation, da steht keine dirigentische Profilneurose vor der Natürlichkeit dieses Werkes. Und so beherrscht eine feine Balance diese Aufnahme. Da klingen die massiven Ecksätze mit ihren schmetternden Fanfaren zwar gewaltig, aber bei weitem nicht so martialisch und schwerfällig wie in vergleichbaren Aufnahmen, wie denjenigen Karajans oder derjenigen Bernsteins, sondern gleichzeitig leicht, agil und voller Verve. Im langsamen Satz verfällt dann dafür besonders Bernstein - wie so viele seiner Kollegen (man denke nur an Giulinis lethargische Version) -in heillose Sentimentalität, in triefenden Pathos. Da wird im eigenen Gefühlsbrei herumgerührt und die eigentliche Konsistenz des Satzes geht unter. Auch dies eine Falle, der Ormandy entgeht. Hier wird zwar tief empfunden, aber eben doch maßvoll. Und eben dies macht diese günstige Aufnahme, der darüber hinaus noch eine schöne Aufnahme von Dvoráks "Streicherserenade" mit den Münchner Philharmonikern unter Rudolf Kempe beigefügt ist, zu einem echten Muss für den Plattenschrank.