Bitte lassen Sie sich nicht von den etwas kitschigen und eitlen Fotos des Solisten auf dem Cover blenden. Gautier Capucon ist keiner jener jungen Klassikstars, die ihre Karriere nur ihrer Attraktivität zu verdanken haben:
Er verfügt über einen hell leuchtenden, klaren, aber nicht körperlosen Cello-Ton bei spieltechnischer Souveränität. Seine natürliche Phrasierung, die sparsame Verwendung des Vibratos erinnern fast an menschlichen Gesang und zeigen, dass er offenbar auch einiges von der Entwicklung der historisch informierten Aufführungspraxis mitbekommen hat. Seine Interpretation ist in sich logisch, spannend und neu, ohne gewollt originell zu klingen.
Dabei hat Capucon einen kongenialen Partner in Paavo Järvi, einem der derzeit interessantesten Dirigenten des klassisch-romantischen Repertoires. Järvi lässt das RSO Frankfurt (dessen Chefdirigent er ist) mit einer nie gehörten Stringenz und Durchsichtigkeit musizieren, ohne die dramatischen Momente zu vernachlässigen. Er dirigiert Dvorak in der Tradition von Beethoven, Mendelssohn und Brahms und deckt dabei musikalische Details auf, die sonst meist im Orchesterfortissimo untergehen. Bei aller Strenge lässt er aber Capucon die Freiheit, seine Solostimme quasi zu erzählen.
Durch diesen Zugang verliert das Werk einiges an romantischer Schwerblütigkeit und gewinnt eine große Frische und Natürlichkeit, wird fast zur Naturerfahrung.
Man mag die Eleganz eines Pierre Fournier vermissen oder die schiere Klangmacht eines Rostropovitch. Capucons frische Souveränität vor Järvis Klarheit hat allemal ihre ganz eigene Berechtigung - eine moderne, erfrischende Aufnahme.
Die Ergänzung durch das - ebenfalls ausgezeichnet musizierte - Cellokonzert des irisch-amerikanischen Komponisten Victor Herbert ist zumindest origineller als die beliebte Kombination mit Tschaikowskis Rokoko-Variationen, zumal beide Werke fast zur selben Zeit entstanden sind. Herbert war 18 Jahre jünger als Dvorak und eigentlich vor allem als Operetten-Komponist bekannt. Bei seinem sperrigen Konzert hat man den Eindruck, als habe er es extra besonders "ernst" komponieren wollen und dabei die Leichtigkeit vergessen - ein interessantes Werk, aber lange nicht so mitreißend wie Dvoraks Welterfolg.