Die Hintergründe: Man schreibt das Jahr 1927, fast ein Jahrzehnt nach der Revolution. Die junge Sowjetunion ist noch nicht vollkommen in die Kollektivierung und Personenkult versunken. Die "Neue Ökonomische Politik" (NEP) erlaubt es wieder, einen gewissen privaten Rechtum zu erwirtschaften und zu behalten. Nach Jahren der Entbehrungen gibt es nur noch Armut, auch unter ehemaligen Adeligen. Viele versuchen nun durch eigene Arbeitskraft oder klein-unternehmerische Tätigkeit einen gewissen Wohlstand zu erreichen. Das ganze Land ist in einer Aufbruchstimmung.
Die Geschichte: Der ehemals adelige Ippolit Vorobianinov ist nun ein bescheidener Beamte. Am Sterbebett seiner Schwiegermutter erfährt er von einem Schatz, den sie vor der Revolution in einem der 12 Stühle versteckt hat. Luxusdurstig stürmt Vorobianinov in Richtung Reichtum, begleitet von einem erfolgreichen Betrüger namens Ostap Bender und von einem Konkurrenten, dem Geistlichen Vater Fiodor.
Doch die Stühle werden in alle Himmelsrichtungen zerstreut, was die Jagd nach Reichtum erschwert. Mit simplen Betrügereien, einer Heirat, Bestechungen, Drohungen, einem falschen Schach-Turnier und Betteln arbeiten sich die Abenteurer an den Schatz heran, und scheuen schliesslich nicht vor einem Mord zurück.
Quer dürch die jungen Republiken, durch alle Bevölkerungsschichten und Paragraphen führt der vermeintliche Weg zum Glück.
Das Buch: Nicht nur die Protagonisten des Buches, sondern auch die Autoren und auch das Buch selbst durchleben den politischen, gesellschaftlichen, künstlerischen und ökonomischen Wandel.
Ilja Ilf und Jewgenij Petrov schreiben und veröffentlichen die ersten drei Kapitel des Buches im Herbst 1927, auf der Welle der damaligen Wendepolitik, die gewisse Ähnlichkeiten mit „Tauwetter" oder „Perestroika" aufweist. Satire ist in Mode. „Die 12 Stühle" ist ein Erfolg. Doch das Buch wird erst 1929 fertig. Jeder auch noch so kleine System-Gegner wird nicht geduldet. Die Stalinzeit, die Kollektivierung und Zusammenbruch der NEP sind bereits allgegenwärtig.
Der Roman ist gespickt mit Ironie und Sticheleien. Die alten Laster der Zarenzeit und die neuen Missbildungen des aufkommenden Kommunismus prallen aufeinender und werden schonungslos entlarvt. Ilf's und Petrov's Angriffe auf das herrschende System bleiben in Doppeldeutigkeiten vor der Zensur versteckt.
Das Buch ist längst ein Klassiker und viele Zitate wurden zu geflügelten Worten.
„Die 12 Stühle" ist in den Umbrüchen des heutigen Russland immer noch aktuell.