Ich wage zu vermuten: Henri Dutilleux. Die auf dieser CD vorliegenden Stücke sind auf Augenhöhe mit Hauptwerken von Bartok, Stravinsky, Schostakowitsch und Messiaen. Warum sind sie (in Deutschland) so wenig populär ?
Insbesondere Tout un monde lointain . . ." ist ein fabelhaftes Cellokonzert. Von vielen Cellovirtuosen wird beklagt, dass das Repertoire für ihr Instrument zu klein sei. Sie nehmen sogar öfter zu Transkriptionen Zuflucht.
Offensichtlich ist die Rezeption auch dieser Profis für neue Stücke eine äusserst langsame Angelegenheit.
Dabei macht es keine grösseren Schwierigkeiten beim ersten Hören. Eine Kritik, die ich gelesen habe
hat sogar behauptet Dutilleux sei eigentlich ein Romantiker. Dem kann ich nicht zustimmen, er ist eher postseriell". Jedenfalls schreibt er nicht vollkommen atonal, sondern bedient sich der Dissonanzen auf eine sehr selbstverständliche und eingängige Weise so als ob sie einfach die andere Hälfte der gleichberechtigten Ausdrucksmittel wären.
Besonders delikat ist auch die Orchestrierung (mit viel Schlagzeug und Bässen), die hohe Ansprüche an die Wiedergabegeräte stellt - vor allem was Dynamikreserven betrifft.
Die Symphonie Nr. 1 und das dritte Stück Timbres, Espace, Mouvement ou La nuit etoillée" stehen in ihrer Art nicht hinter dem Cellokonzert zurück, aber es mag mehr gute moderne Symphonien und Suiten geben.
Die Interpretation der Stücke durch das Orchestre National Bordeaux Aquitaine unter Hans Graf ist wunderschön, rythmisch präzise und klanglich sehr farbig. (Ich dachte zunächst an das Cleveland Orchestra und Pierre Boulez.) Hans Graf hat aber schon längst ein eigenes Profil gewonnen durch seine hervorragende Arbeit mit dem Mozarteum - Orchester Salzburg unter anderem durch eine mustergültige Gesamteinspielung aller Symphonien von Mozart. Der Cellist Jean-Guihen Queras spielt auf höchstem Niveau.
Aufnahmetechnisch ist diese CD eine der besten, die ich kenne. Wie schon erwähnt ist die Dynamik nicht künstlich beschränkt, das Klangspektrum ist ohne Verfärbungen, die Räumlichkeit perfekt, der Aufnahmeort scheint ideal geeignet und hat weder zuviel noch zuwenig Nachhall. Sogar die Balance stimmt (was bei 80% aller CD's nicht der Fall ist).
Nur schade, dass es diese Scheibe nicht als SACD gibt.