"Wir werden unsere Literatur erschaffen ... indem wir in stolzer Einsamkeit Bücher schreiben, die die Wucht eines Kinnhakens haben", dieses Zitat von Roberto Arlt passt wie die Faust aufs Auge von Lucy Frickes Debutroman. Nun, wie stolz oder wie einsam sie ihr Buch geschrieben haben mag, bleibt für uns Leser nur Spekulation: von diesem Kinnhaken aber erholen wir uns sicherlich so schnell nicht!
Mit einer klaren, präzisen Sprache beschreibt Lucy Fricke das Hamburg der 90er Jahre und die darin sich zu verlieren drohende Protagonistin Judith. Geschildert wird der Kampf einer jungen Frau, die zu schnell erwachsen werden muss, die einem schändlichen Elternhaus entflieht und in einer betreuten Wohngruppe für Jugendliche landet. Eine Autorin mit weniger Talent wäre an dieser Geschichte sicherlich gescheitert. Fricke aber meistert die eindrückliche Beschreibung eines Leidensweges frei von Pathos, mit dem Humor des zum Tode verurteilten und gleichzeitig mit größtem Respekt vor ihren Figuren, die weder zu Karikatur noch Klischee verkommen, die echt sind. Und in den Auslassungen und Leerstellen lauert genau das, wofür Andere tausend Worte benutzen, wofür die Worte aber gerade fehlen.
Ein starkes Stück!