Buchnotiz zu : Die Zeit, 25.09.2003
Für Verena Auffermann ist dieser Roman um eine junge Frau, die ihre beiden Kinder in der Plattenbauwohnung einschließt, zu ihrem Liebhaber geht und die Kinder damit dem Tod durch Verdursten überlässt, gescheitert. Die Handlung beruht auf einem wahren Fall, der sich 1999 zugetragen hat, weiß die Rezensentin, und sie empfindet die Idee des Autors, die Geschichte sowohl aus der Sicht eines neugierigen Erzählers, als auch in inneren Monologen der Frau zu erzählen, eigentlich als "gelungene Annäherung. Doch stört die Rezensentin, dass Michael Kumpfmüller die Kommentare und Bestandsaufnahmen der jungen Mutter mitunter in Pathos kippen lässt. Durch das Springen zwischen den beiden Stimmen werde zudem mitunter völlig unklar wird, wer gerade spricht. Die "philosophischen Anwandlungen" der Protagonistin findet sie schlicht nicht glaubwürdig; so mag es Auffermann der Figur nicht abnehmen, wenn sie beispielsweise "vom besseren Selbst faselt" oder poetische Betrachtungen von sich gibt. Hier fehlt die Konsequenz, so die Rezensentin streng, die moniert, der "harte Fall" sei zu "weich erzählt".
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Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 26.08.2003
Erstaunt und positiv überrascht zeigt sich Oliver Pfohlmann angesichts des neuen Romans von Michael Kumpfmüller, der so ganz anders ausgefallen ist als dessen "süffig erzähltes" Debüt und Schelmenepos "Hampels Fluchten". Jetzt also ein tragischer Stoff, noch dazu aus der Wirklichkeit genommen, zum Protokoll eines Kriminalfalls verarbeitet, das laut Pfohlmann dennoch weit mehr als das Protokoll eines Verbrechens umfasst: eine Mutter, die ihre zwei kleinen Kinder zwei Wochen lang in ihrer Wohnung sich selbst überlässt, so dass diese verdursten müssen. Kumpfmüller lässt sich auf das Risiko ein, chronologisch aus der Perspektive der Frau zu berichten, einen "Tunnelblick" zu wagen, schreibt Pfohlmann, in dem die widerstreitenden Gefühlslagen der Frau, ihr amoralischer Lebenswille, ihr schwaches Ego, ihr Alleingelassensein in einer kommunikationsunfähigen Umgebung zur Sprache kommen: in einer "atemloses, empathischen Prosa aus Sätzen, die immer etwas weiter gehen, als man denkt". Der Leser werde dabei, merkt Pfohlmann an, zum Psychoanalytiker und Gesellschaftskritiker in einem, denn so sachlich sich die minutiöse Rekonstruktion der Geschichte gebe, setze sie doch einen großen Erklärungsbedarf frei. Insofern sei "Durst" ein zutiefst menschliches Buch, das einer Meditation über das Böse in der Gesellschaft gleichkommt, ohne anklagend zu sein.
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