Mit seinem Debüt („Hampels Fluchten") vor drei Jahren hat der in Berlin lebende Autor für einen Überraschungserfolg gesorgt. Scheitern und Verantwortungslosigkeit vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte des Bettenverkäufers Heinrich Hampel protokollierte er liebenswert genau.
Sein neues, schmaleres Buch umreißt für den Zeitraum von dreizehn Tagen Stationen eines verschwommenen Lebens: Für eine Frau Anfang Zwanzig besteht es aus einer Abfolge ununterscheidbarer Tage. Sie hat drei Kinder von drei verschiedenen Vätern und ein gestörtes Verhältnis zu ihren Eltern im gleichen Wohnblock zwei Eingänge weiter.
Eines Tages macht sie sich auf und davon, auch wenn sie nicht weit kommt und lediglich Kreise zieht um ihren tristen Lebensmittelpunkt nahe eines Einkaufszentrums namens „Paradies". Das Leben würde ihr eines Tages schon noch gefallen, glaubt sie, „wenn sie endlich wüsste, wer sie war". Ihre Kinder lässt sie eingesperrt in der Wohnung zurück
Wenn die junge Frau auf ihren Wegen durch einen heißen Juni immer wieder Durst überfällt - nach Wasser, nach Alkohol, nach den Männern, nach dem Einkaufen - wie quälend müssen dann ihre beiden kleinen Söhne dursten, mit ein paar Tetrapacks voll Saft tagelang eingeschlossen?
Es ist ein unbegreifliches, grausiges Szenario, das Kumpfmüller nach Motiven eines authentischen Falles entwirft. Kalt und beklemmend aus der Perspektive der jungen Frau erzählt, die durch ihr Leben stolpert, beschreibt der Autor sie zugleich schonungslos, als taxiere er seine Figur aus der Entfernung, ohne das Wort Schuld zu verwenden. Es ist vermutlich eine der wenigen Romanfiguren, die nichts, aber auch gar nichts Sympathisches haben.