WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat zu Weihnachten 2000 das deutsche Fernsehpublikum mit seiner Reise durch den Kaukasus beglückt. Wer den Film verpasst hat, sollte mindestens das Buch dazu lesen.
Allein schon die Tatsache, dass Pleitgen die ganze Produktion ermöglicht hat, ist lobenswert. Dank des Desinteresses vieler Medien ist die faszinierende Bergregion zwischen Europa und Asien hierzulande nach wie vor viel zu unbekannt. Hinzu kommt, dass Pleitgen der Gegend aufs herzlichste aufgeschlossen ist: Er beweist, dass der Kaukasus zu viel mehr taugt, als bloß als weiterer Krisenherd in den Nachrichten wahrgenommen zu werden. Und: sein Buch ist unterhaltsam. Denn Pleitgen schreibt witzig (unübertroffen sein Besuch in einer dagestanischen Cognac-Fabrik), leicht zu lesen (kaum Nebensätze) und realistisch: Wer schon einmal da war, erkennt die Stimmung sofort wieder.
Auf der anderen Seite ist „Durch den wilden Kaukasus" ein erdrückend persönliches Buch. Pleitgen schreibt in der Ich-Form, garniert persönliche Erinnerungen und geht zum Schluss einer Tagesetappe schon mal mit dem Leser ins Bett. Das mag zu einem klassischen Reisetagebuch dazugehören, aber wieso ist auf den 31 Farbbildern (einschließlich Umschlag) der Autor 14 mal zu sehen? Wollte sich Pleitgen ein Denkmal setzen? Er selbst sagt fast entschuldigend, er habe sich einen Kindheitstraum erfüllt.
Nervend sind die langen Zitate, die Pleitgen aus der Literaturgeschichte bemüht - immerhin gesteht er ein, mit Puschkin, Lermontow und Tolstoi „das eigene Werk aufgemöbelt" zu haben. Hinzu kommt, dass der Autor wohl gar nicht so viel „geschrieben" hat - das Buch ist Großteils vom Tonband abgetippt. Nicht nur das: Pleitgen gibt zu, er hat abtippen lassen.
Trotzdem: Auch andere ARD-Intendanten sollten sich ein Beispiel nehmen, und mal in interessantere Weltregionen reisen, statt immer nur ins Musikantenstadlland.