Die Fragestellung Jutta Ditfurths war, was eigentlich ihre politische Entwicklung bestimmt hat. J. Ditfurth versucht hierbei ihr Leben im Zusammenhang mit politischen Ereignissen und ihren philosophischen, literarischen und musikalischen Vorlieben darzustellen. Interessanter als die politischen Tagesereignisse fand ich, was sie für philosophische, literarische und musikalische Vorlieben hatte. Sie selbst kann wohl als Anhängerin von Herbert Marcuse bezeichnet werden. Besonders spannend fand ich auch ihre Diskussionen mit ihrem Vater über Marcuse und Popper. Eine Frage wäre also, warum sie sich zu Marcuse mehr hingezogen fühlte als zu Popper. Auch fand sie von Anfang an Hegel und Marx viel interessanter als Schopenhauer und Nietzsche. Warum eigentlich? Ihr Satz "Lebe wild und gefährlich" könnte dagegen glatt von Nietzsche stammen. Auch ist ihr Eintreten für soziale Gerechtigkeit in der Diskussion mit ihrem Vater im Sinne einer egalitären Umverteilung eigentlich ganz unmarxistisch. Marx selbst hielt es nämlich für falsch, von Verteilungsfragen sonderlich Aufhebens zu machen. Die tatsächliche Einkommensverteilung ist nach Marx der jetzigen Produktionsweise durchaus angemessen und daher auch gerecht. Und solche Gerechtigkeitsapostel wie J.Ditfurh hatte Marx seinerzeit verspottet. So etwas wie Gerechtigkeit gab es in Marx Augen eigentlich gar nicht. Warum wurde J. Ditfurth Marxist? Warum bevorzugte J.Ditfurth den Marxismus gegenüber dem Anarchismus? Warum bevorzugte J.Ditfurth Marx und Rosa Luxemburg gegenüber Bakunin und Gustav Landauer? In Bezug auf den Anarchismus war es wohl hauptsächlich die Faszination und der Einfluß von Marcuse, der sich ja selbst als Marxist verstand.
Eine Antwort, warum sie links wurde, hat Jutta Ditfurth nicht gegeben. Sie hat eigentlich nur das Material zur Beantwortung dieser Frage geliefert.