Vorwort
Dieses Buch befasst sich mit dem unausweichlichen Ende unseres körperlichen Lebens. Obwohl wir alle sterben müssen, beschäftigen sich die wenigsten mit dem, was eines Tages kommen muss, jedenfalls nicht, solange sie in der »Blüte des Lebens« stehen. Vielleicht kommt das Ende plötzlich und unerwartet, vielleicht langsam dahinsiechend. Oder es kommt wie eine schöne Abenddämmerung, die dann in eine kurze Nacht übergeht, bis man zur Morgenröte ganz anders aufwacht, als man eingeschlafen ist – nicht mehr in einem Körper.
Es handelt auch davon, wie man am besten lebt, um am besten zu sterben. Wie man am besten lebt, damit nicht nur das Sterben an sich, sondern auch das, was danach kommt, einen möglichst positiven Verlauf nimmt. Die frohe Botschaft ist, dass es im Sinne eines definitiven Endes keinen Tod gibt. Was wir Tod nennen, ist nur der Übergang in eine andere – körperlose – Existenzform des Ichs, in der es uns viel besser gehen wird, als es uns je in einer materiellen Verkörperung gegangen ist. Die Seele ist unsterblich, nur der Körper stirbt. Auch geht letztendlich keine Seele verloren. Manche Seelen machen zwar mehr oder weniger lange Umwege, aber am Ende werden auch sie erlöst. Die ewige Verdammnis gibt es nicht. Sie ist ein der Machtstrategie dienendes Märchen. Wenn eine Seele unter Umständen eine dunkle und schwere Erfahrung machen muss, dann nur so lange, wie sie zur Einsicht und Umkehr braucht. Ewige Verdammnis stände ja auch in krassem Widerspruch zur Liebe Gottes.
Es gibt viele Theorien und Lehren über das Sterben und das, was danach folgt – zu viele, um sie alle in einem Buch zu behandeln. Daher werde ich zwar auch auf andere Vorstellungen eingehen, aber dennoch vor allem eine bestimmte Auffassung vertreten, die auf einer großen Menge an empirischem Material basiert. Immer mehr Menschen haben Erinnerungen an eine Vergangenheit vor ihrer Geburt. Solche Rückblicke ergeben sich manchmal spontan, manchmal durch ein außerkörperliches Erlebnis in einem Nahtodzustand und relativ oft in sogenannten Rückführungen. Menschen, denen sie zuteil werden, erkennen, dass sie schon einmal eine verkörperte Existenz hatten – vor ihrem jetzigen Leben. Sie erkennen, dass sie schon einmal – oder sogar mehrmals – gestorben sind und erinnern sich, zumindest bruchstückhaft, an ein Dasein nach dem Tod. Aus solchen Berichten ergibt sich ein klares, empirisch gestütztes Bild vom Tod und dem, was danach kommt.
Dieses Bild vom Tod gibt uns bedeutend mehr Trost und Hoffnung als alles, was uns normalerweise über das Sterben und das Leben nach dem Tod vermittelt wird. Wir lernen daraus, dass wir keine Angst vor dem Tod zu haben brauchen und dem Übertritt in ein anderes Dasein durchaus positiv entgegensehen können. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber ich hoffe, mit diesem Buch einen Beitrag zum Verständnis des Todes und des Lebens danach leisten zu können.
Ich bin seit 1980 als Rückführungstherapeut tätig und durfte seitdem viele Erinnerungen an frühere Leben mit meinen Klienten teilen. Menschen, die Rückführungen und das was dabei geschieht, nur vom Hörensagen kennen, lehnen diese Erinnerungen häufig als Einbildung oder gar Unfug ab. Doch das ist nicht so einfach möglich, weil sich diese Erinnerungen durch eine höchst überzeugende Reproduzierbarkeit auszeichnen: Fast alle Klienten erleben das Sterben und den Nachtodzustand sehr ähnlich. Reproduzierbarkeit ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Kriterien, wenn es darum geht, etwas für wahrscheinlich zutreffend oder zumindest für möglich zu halten.
Manche Menschen lehnen den Glauben an frühere oder zukünftige Leben auch als unchristlich ab, weil sie nicht wissen, dass es in der Frühzeit des Christentums durchaus Gruppen gab, die an Seelenwanderung glaubten und sie sogar lehrten, so vor allem die gnostischen Christen – neben den Pauluschristen die stärkste christliche Bewegung in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Erst auf dem Gründungskonzil der Kirche in Nizäa im Jahr 325 distanzierte man sich von der gnostischen Bewegung. Später wurden die Gnostiker als Häretiker bezeichnet, was aber, wie neuere religionsgeschichtliche Forschungen ergeben haben, nicht aufrechterhalten werden kann: Die Gnostiker waren ebenfalls Christen. Man kann also nicht sagen, dass der Glaube an eine Seelenwanderung unchristlich ist. Er ist allenfalls unkirchlich.
Die gnostischen Christen lehrten etwas anderes über die Entstehung des Menschen als das spätere Dogma der Kirche. Ihrer Lehre zufolge entsteht die Seele nicht erst bei der Zeugung, sondern sie existierte schon lange vorher. Während der Zeugung geht sie dann eine Verbindung mit dem im Mutterleib heranwachsenden Fötus ein. Die Bibel hat keine wirklichen Einwände gegen die Vorexistenz der Seele. Bibelstellen, die dagegenzusprechen scheinen, können meist unterschiedlich aus den alten Sprachen übersetzt werden und bekommen dadurch auch einen jeweils anderen Sinn. Alternative Übersetzungen sind vom Dogma her nicht erlaubt, aber wir sollten uns klarmachen, dass genaue Übersetzungsvorgaben in Wirklichkeit nichts anderes sind als eine Form der Meinungssteuerung.
Was ist nun die Seele? Darüber gibt es verschiedene Theorien. Östliche und einige westlich esoterische Lehren sprechen von den fünf, manchmal auch sieben verschiedenen Leibern des Menschen, von denen nur einer physisch ist. Im christlichen Kulturkreis sprechen wir meistens von Körper, Seele und Geist, aber kaum jemand kann sagen, was Seele und Geist genau sind. In diesem Buch bezeichne ich der Einfachheit halber das als Seele, was nach dem Tod des Menschen-Ichs übrig bleibt. Diese Seele schließt eine höchste Instanz ein, das sogenannte Höhere Selbst, das man wohl auch als Geist des Menschen bezeichnen kann.
Dies ist meines Wissens das erste Buch über den Tod, das konkret auf den Erlebnissen sehr vieler Menschen aufbaut, die in irgendeiner Form eine Rückschau erlebt und eigene Erkenntnisse über den Tod daraus gewonnen haben.
Der Tod ist zu oft dazu missbraucht worden, Menschen Angst zu machen und sie unter Einsatz von Macht und Kontrolle an etwas oder jemanden zu binden. Sie sollten glauben, das Seelenheil nach dem Tod sei »nur durch uns« und auf keine andere Weise zu erlangen und wer es nicht erlange, sei verloren. Solche düsteren Aussichten beherrschen unsere Gesellschaft schon seit Jahrtausenden – und damit muss es ein Ende haben. Wir wollen endlich in Freiheit, ohne Angst und in der Gewissheit sterben dürfen, dass es keine ewige Verdammnis gibt. Das Schreckensgespenst von der ewigen Hölle ist eine Lüge zum Zweck der Manipulation und steht in krassem Widerspruch zur Liebe Gottes! Welcher Vater würde seine Kinder für immer von sich weisen und sogar umbringen, nur weil ihm nicht passt, was sie tun? Ja, es gibt Menschen, die sich in ihrem Egoismus zu so etwas hinreißen lassen, aber es ist ganz sicher nicht das, was der Himmlische Vater tut. Ein Gott, der so selbstherrlich ist, wäre allenfalls die verkörperte Drohung einer weltlichen Institution.
Zwar werden wir nach dem Tod erkennen, dass wir einiges falsch gemacht haben und wiedergutmachen müssen. Auch werden wir neue Lektionen lernen und verstehen müssen, was wir vorher nicht begriffen haben, aber das ist eher eine endliche Lernzeit als die ewige Verdammnis, denn eine solche gibt es nicht. Alle kommen, auf welchen Um- und Irrwegen auch immer, wieder zu ihrem göttlichen Ursprung zurück.
Dutovlje 2006
Jan Erik Sigdell
Der Tod
Es ist nicht viel, was wir vom Tod eines anderen Menschen miterleben können. Wir sehen nur, dass sein Körper leblos wird. Er atmet nicht mehr, er bewegt sich nicht mehr, das Herz schlägt nicht mehr, er kommuniziert nicht mehr. Der Körper kühlt ab, die Augen werden trüb, die Haut wird bleich, der Körper starr. Nach etwa anderthalb Stunden treten Leichenflecken auf.
Vorher haben wir vielleicht miterlebt, dass die Person Angst hatte....