Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Durch das Herz der Finsternis: Ein Afrika-Reisender auf den Spuren des europäischen Völkermords
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Durch das Herz der Finsternis: Ein Afrika-Reisender auf den Spuren des europäischen Völkermords [Taschenbuch]

Sven Lindqvist , Armin Huttenlocher
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  
Taschenbuch --  

Hinweise und Aktionen

  • Tipp für Studenten
    Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1., Aufl. (1. April 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3293202276
  • ISBN-13: 978-3293202276
  • Originaltitel: Utrota varenda jävel
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 459.549 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Sven Lindqvist
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Sven Lindqvist auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Kanonengötter

Sven Lindqvists Spurenreise in das «Herz der Finsternis»

In der Leere der Wüste gedeihen Phantasmagorien. Die Hitze gebiert Tagträume, erweckt Erinnerungen an die Urszenen der Kindheit: die Scham vor dem prügelnden Vater, das kracksende Geräusch eines eingeschlagenen Kehlkopfs, die Peitsche aus ungegerbter Flusspferdhaut, blutende Striemen, Gekreuzigte, die mit aufgeschlitzten Leibern an Balken hängen.

Joseph Conrad

Es sind Bilder wie diese, welche sich während der Lektüre von Sven Lindqvists historischer Spurenreise einprägen. Trugbilder des träumenden Bewusstseins, die überblendet werden von Schilderungen aus der Gewaltgeschichte des Kolonialismus. Ausgerüstet mit einem Laptop und hundert Disketten, durchquert der Erzähler die algerische Wüste, um einen einzigen Satz aus Joseph Conrads «Herz der Finsternis» zu verstehen. «Rottet all diese Bestien aus», so lautete das mit unsicherer Hand hingekritzelte Postskriptum, das der gottgleiche Agent und Menschenschlächter Kurtz seinem Bericht an die Handelsgesellschaft beigefügt hatte. Es war der Leitsatz der Barbarei, die der europäische Imperialismus über Afrika brachte – im Namen der Zivilisation, der Nation und des Fortschritts.

Die literaturhistorische Recherche führt Lindqvist geradewegs zu den Ereignissen und Ideen, die Conrads Zeitgenossen bewegten. Als der noch ahnungslose polnische Kapitän im Frühjahr 1890 nach Kongo aufbrach, feierte Europa gerade die Rückkehr Stanleys, der im Dschungel Berge von Toten hinterlassen hatte. Und kurz bevor sich Conrad im Dezember 1898 an die Niederschrift seiner berühmten Novelle machte, kehrte ein zweiter Heros des Kolonialismus zurück. Kitchener hatte im Sudan gerade Zehntausende rebellischer Derwische in der Schlacht von Omdurman zusammenschiessen lassen, ohne dass ein einziger Aufständischer einen britischen Soldaten vor seine alte Muskete bekommen hätte. Kanonenboote und Schnellfeuergewehre waren die Werkzeuge der Massenvernichtung in der Waldwüste von Kongo, im Königreich Benin, in den deutschen Kolonien Ost- und Südafrikas. «Wir nähern uns ihnen mit der Macht der Götter», notiert Kurtz in seinem Bericht an die Handelsgesellschaft. Er meint nichts anderes als diese Waffen. Sie verkörpern die Allmacht der weissen «Kanonengötter».

Lindqvist berichtet nicht nur von der Koinzidenz der Ereignisse, die dem Romancier Conrad die literarischen Motive geliefert haben. Er erzählt auch die Geschichte der Ideen, welche dem Imperialismus geistige Triebkraft verliehen. Die Skandalchronik begann mit Cuviers Entdeckung der ausgestorbenen Kreaturen, die den Katastrophen der Naturgeschichte zum Opfer gefallen waren. Der englische Geologe Charles Lyell, der Cuvier 1829 in seinem Studierzimmer aufsuchte, verkündete in seinen vielgelesenen «Prinzipien der Geologie» das Menschenrecht, ohne Schuldgefühl andere Gattungen auszulöschen. Und sein Schüler Charles Darwin, der gerade in Patagonien weilte, als man die indianischen Ureinwohner abschlachtete, sah in dem Gemetzel jenen unausweichlichen «Überlebenskampf» am Werke, der die Evolution vorantrieb. An die Theorien der seriösen Wissenschaft konnten die Propagandisten der Rassenkunde und Eugenik wie Robert Knox, Francis Galton oder Benjamin Kidd nahezu bruchlos anknüpfen. Die realen Völkermorde bestätigten nur die Vorstellung, es gebe auf der Erde seit alters Rassen und Stämme, deren Schicksal besiegelt sei.

Geschichte als Massenmord

Die Deutschen, bei der Aufteilung des Globus eine verspätete Nation, steuerten zu dieser Ideenwelt Friedrich Ratzels Lehre vom «Lebens-» und «Ernährungsraum» bei. Ratzel, Zoologe und Geograph, setzte den Überlebenskampf gleich mit einem «Kampf» gegen die «Raumnot». Der «Lebensraum» der «Kulturvölker» war der «Todesraum» der «Naturvölker». Das praktische Exempel lieferten deutsche Eroberer bereits 1904 im Südwesten Afrikas. Dort zeigten sie, dass sie den Amerikanern, Briten und Belgiern in nichts nachstanden. Sie sperrten die Hereros in Reservate und verteilten das Land unter den Kolonisten. Eingeborene, die man innerhalb des deutschen Gebiets aufgriff, wurden sofort erschossen. Die allermeisten Hereros trieb man jedoch hinaus in die Wüste und riegelte anschliessend die Grenze ab. Bei Beginn der Regenzeit fanden Patrouillen zahllose Skelette, die um metertiefe Löcher herum lagen. Mit blossen Händen hatten die Verdurstenden im Sand gegraben, in der Hoffnung, irgendwo auf Wasser zu stossen. Dem ersten Völkermord von deutscher Hand fielen etwa 80 000 Hereros zum Opfer. Einige tausend Überlebende sperrte man in Lager und zwang sie, sich zu Tode zu schuften.

Die Geschichte der europäischen Zivilisation ist auch eine Geschichte des Massenmords. Wer daran noch irgendwelche Zweifel haben sollte, dem sei Lindqvists riskanter und vortrefflicher Bericht seiner Expedition in die Vorgeschichte der Gegenwart dringend empfohlen.

Wolfgang Sofsky -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Lindqvist spannt einen Bogen zwischen dem Ende des 20. Jahrhunderts und der Kolonialzeit, zwischen den Ursprüngen des Rassismus und dem nationalsozialistischen Völkermord, zwischen Geschichte und Literatur. Fesselnd geschrieben ist das Buch Reisebericht, Thinkbook und historische Untersuchung in einem.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Äußerst Empfehlenswert 7. Januar 2008
Format:Taschenbuch
Lindqvist liefert mit diesem Werk ganz außerordentliche historische Querverweise zum Thema Kolonialismus, die mir in dieser Dimension nicht bewußt waren. Er spannt einen Bogen zwischen den "Survival of the fittest"-Theorien Darwins und den zeitgenössischen ideologischen Begründungen für die Vertreibung und Vernichtung der einheimischen Bevölkerung in den Kolonien.
Er beschreibt den literarischen Kreis der Kolonialismuskritiker um HG Wells und zeigt die Kolonialismuskritik in Wells' Büchern "Invisible Man" und "The War of the Worlds".

Absolut lesenswert!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Kundenrezensionen suchen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar