Das ist das erste BoD-Buch, das ich bewusst in der Hand halte. Ein Buch also, das bei Bestellung gedruckt wird. Und, wie ich hörte, wird es schon kurz nach Erscheinen oft gedruckt. Das hat seinen Grund, denn dieses Handbuch hat etwas Besonderes. Es ist ein Zwischenstand eines interessanten Projekts. Nicht in Form von gehefteten Papieren, die sich unter anderen verlieren, sondern in ansprechender Buchform, die natürlich dann auch etwas kostet. Aber ich bekomme dafür auch etwas Interessantes und Inspirierendes.
Ausgehend von den erschütternden Ergebnissen der ersten Sprachstandsfeststellungen (Delfin 4) bei Vierjährigen folgt eine Projektgruppe der Idee, Sprachentwicklung durch musikalisch-therapeutische Spielformen zu fördern. Es gibt ausreichend wissenschaftliche Belege dafür, dass Musik eine Brückefunktion zur Sprache hat. Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und Neuropsychologie gehen in die gleiche Richtung. Die wissenschaftlichen Grundlagen werden in dem Handbuch kurz angedeutet, Schwerpunkt ist die Praxis.
Bevor über 60 Spielideen aus sehr unterschiedlichen Quellen beschrieben werden, sind wesentliche Aspekte skizziert, die der Sprachförderung dienlich sind und die sich inhaltlich in den Spielideen finden. Die Liste ist lang und macht klar, in welchen Zusammenhängen Sprachentwicklung geschieht. Schon sie allein regt mich als Therapeuten an, darüber immer wieder neu nachzudenken, warum Menschen sprachlos sein können.
Als Großvater - also gar nicht als Therapeut - beobachte ich beim Lesen so ganz für mich die Sprachentwicklung meines Enkels, der ganz offensichtlich Sprache auch viel über Musik lernt. Und da begegnet mir dann auch in diesem Buch eine seiner Lieblingsfiguren, Elmer, der kariert-bunte Elefant aus dem Kinderbuch von David Mc Kee. Aber auch die Geschichte vom Seelenvogel der israelischen Autorin Michal Snuit, die auch in der Therapie mit Erwachsenen sehr hilfreich sein kann.
Das Buch schließt mit Text und Musik zu einem Musical von Barbara Keller und Ulle Pfefferle "Mein lieber Schwan", das vom Andersein, von Einsamkeit, von Liebe und vom Angenommensein und Verstehen erzählt.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser/innen aus zwei Gründen. Erstens finde ich in ihm eine gut aufgearbeitete Sammlung von Spielideen für und mit Kindern mit entsprechenden Hinweisen auf die Aspekte der Sprachförderung. Und zweitens finde ich es mutig und einladend, eine anderthalbjährige vorbereitende Projektphase in Buchform zu gießen und damit das Fertige im Unfertigen zu dokumentieren. Ich werde als interessierter Leser zum Mitdenken, Mitprobieren und Mitarbeiten eingeladen und finde nichts Abgeschlossenes vor. Das entspricht meinem Verständnis von kreativer Therapie und deshalb meine Empfehlung für dieses Buch!
Martin Lenz, Dipl.-Musiktherapeut