"Durch Liebe erlöst" gehört (für mich) ohnehin nicht zu den besten Romanen der Hedwig Courths-Mahler, obwohl er einiges an Dramenpotenzial zu bieten hat. Trotzdem muss man einen Film, wenn man ihn im Geiste der Autorin hätte drehen wollen, einfach anders anlegen. Die Charaktere hier sind einfach nicht mehr Courths-Mahler, sondern irgendwo zwischen Pilcher und Austen. Und das ist noch wertfrei gemeint. Sie entsprechen einfach nicht den Figuren, die HCM zugegebenermaßen oft fast identisch zeichnet, die aber ihren Kosmos aus- und liebenswert machen. Tim Bergmann ist in der Rolle des Grafen von Plessen absolut fehlbesetzt - die männlichen Helden der HCM sind einfach ganz anders konzipiert. Man schaue sich "Griseldis" an; obschon etwas steril inszeniert, trifft hier der Hauptdarsteller die Rolle viel genauer. Pauline Knof gibt rein optisch eine angemessene Eva Hermsdorf ab; Natalie Wörner ist zu sehr der moderne Typ und interpretiert ihre Rolle auch nicht buchgerecht. Ingesamt leidet die Inszenierung unter Modernisierungs- und Mainstreamwillen (ich weigere mich zu glauben, dass sie von beidem profitiert, wie es in der offiziellen Amazon-Rezension steht); heraus kommt ein gefälliges Produkt, das Fans courths-mahleresker Literatur zwar nicht befriedigen, aber auch nicht völlig enttäuschen kann.