Natalie Arno - Tochter oder Betrügerin? Heutzutage ist das kein Problem mehr: Eine DNA-Probe, und der Fall ist gegessen. Damit hätte man gute 200 der 280 Seiten sparen können. Doch damals, als dieses Buch geschrieben wurde (1981), war die DNA noch nicht in den kriminalistischen Alltag eingedrungen. Allenfalls Fingerabdrücke oder Blutproben. Und damit könne man (lt. Wexford) nicht feststellen, ob jemand jemandes Tochter sei, sondern nur, dass sie eben *nicht* jemandes Tochter sei.
Weitere Probleme sehe ich im Verhalten der Anwälte. Wenn diese nicht *genau* nachprüfen, ob Natalie Camargues Tochter ist, dann steht ihr Leumund auf dem Spiel. Und zwar ganz gewaltig! Das spricht sich ja in der ganzen Stadt herum, was für unfähige Anwälte das sind. Die würden niemals so schnell den Fall zu den Akten legen, wie hier beschrieben.
Auch Wexfords Boss: Wenn nur der geringste Verdacht auf Mord vorliegt, ist es seine Pflicht, ermitteln zu lassen! Wenn er das nicht tut, und jemand kommt irgendwann mal dahinter, ist er dran. Man muss sich das mal in der ganzen Tragweite vorstellen. Dann kann er seinen Hut nehmen und seinen Pensionsanspruch vergessen. Ein solcher Boss würde doch keine Ermittlung einstellen lassen, es hängt einfach viel zu viel auch für ihn daran.
Außer diesen Ungereimtheiten, die - seien wir ehrlich - die Autorin deswegen eingebaut hat, damit der Leser sich darüber ärgert (Emotionen erzeugen), ist das Buch flüssig und in schönem Stil geschrieben und weiß durchaus zu unterhalten. Wenngleich die Thematik für heutige Verhältnisse ein bisschen überholt ist.