Die starke Wirkung der „Tubular Bells" des 1973, zur Zeit der Entstehung, erst 20jährigen Mike Oldfield ist oft bewundert worden - sicherlich ist sein „Opus One" ein Meilenstein in der Popmusik. Einen großen Vorteil hat diese Komposition im Gegensatz zu fast aller 'Sixties'- oder 'Seventies'-Musik: sie ist im besten Sinne zeitlos. Und dieser Zeitlosigkeit ist durch Thomas Offermann und Jens Wagner die Unvergänglichkeit hinzugefügt worden.
Die beiden Gitarrenprofis sind Lehrer an Musikhochschulen in Berlin, Weimar, Bremen und Essen und arbeiten seit 1984 als „Duo Sonare". Schwerpunkte ihrer Arbeit auf sieben CDs und ihrer Auftritte in 40 Ländern sind klassisch-romantische wie Mozart und Giuliani, aber auch neuzeitliche Komponisten wie Debussy, Piazolla, Zappa und Corea - und Oldfield.
Im Gegensatz zu den zahlreichen Bearbeitungen von Popmusik für klassische Instrumente - man denke nur an die häufigen Beatles-Bearbeitungen - hat man hier nicht den Eindruck, dass es sich um eine Bearbeitung handelt. Hier glaubt man, es mit der Originalkomposition zu tun zu haben, so authentisch spielen Offermann und Wagner dieses über 52 Minuten lange Stück, als ob es nur für dieses Instrument resp. diese Instrumente geschrieben sei - wohl das höchste Lob, das man einer Bearbeitung zollen kann!
Hier ist ein neues Stück der Gitarrenliteratur entstanden, das - zugegebenermaßen - nicht für jeden Gitarristen spielbar, aber für jeden Gitarrenmusikliebhaber absolut hörenswert ist. Beeindruckend, wie zwei Gitarren all die Nuancen dieser komplexen Komposition hörbar machen, der Partitur in all ihren diffizilen Läufen, Rhythmuswechseln, Stimmungen eng folgen, das Stück als Ganzes bewältigen. Offermann/Wagner nutzen die vorhandenen Freiräume, um die Spieltechniken und klanglichen Möglichkeiten der Konzertgitarre zu demonstrieren: sie werden in Perfektion und höchsten Schwierigkeitsgraden locker eingebaut und verwertet. So entwickelt sich unter den Händen des Duo Sonare eine Perle der zeitgenössischen Gitarrenmusik!
Selbst vom gegenüber Bearbeitungen wirklich sehr kritischen, um nicht zu sagen beckmesserischen Mike-Oldfield-Fanclub ist die Adaption von Offermann/Wagner übrigens hoch gelobt worden; der Ritterschlag aber wurde vom Meister selbst erteilt, der die Version huldvoll absegnete!
Gerd Wagner, Marksburg