Anfangs war ich noch sehr gespannt, wohin sich die Geschichte entwickelt, denn die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil; anschaulich beschreibt sie die Landschaft und gestaltet Dialoge lebendig. Dann verliert sie sich jedoch zunehmend in der detaillierten Beschreibung von Telefonrechnungen und Bankauszügen, von Zeugenaussagen und dem möglichen letzten Weg des Mordopfers. War es denn Mord? Die vielen Details und nebensächlichen Handlungsstränge verwirrten mich ziemlich, weshalb ich allerhand in alle möglichen Richtungen vermutete - und sehr enttäuscht vom phantasielosen Ende und dem banalen "Mord"motiv war. Wie... nur deshalb?!
Mir schien es, als traute sich die Autorin nicht so recht heran an die Abgründe der menschlichen Seele. Die Charaktere der Protagonisten blieben äußerst flach. Genau wie die Beziehungen zwischen ihnen, denn obwohl Gefühle gezeigt wurden, erschienen deren Ursachen unglaubwürdig: Freilich ist man(n) von einer verschwenderischen Ehefrau enttäuscht - aber wieso sperrt er nicht das Bankkonto oder nimmt sich eine Geliebte, am besten die (viel zu brave!) Ich-Anwältin, die mit ihrer Ehe sowieso unzufrieden ist? Natürlich ist ein Kind geschockt, wenn es seinen Vater mit einer anderen Frau als seiner Mutter im Heu erwischt - aber kann das einen Hass auf ihre ganze Familie auslösen, der bis ins Erwachsenenalter anhält? Und wenn ja, hätte das nicht zu einem viel gruseligeren Blutbad führen können? Das will man doch letztlich in einem Krimi lesen. Schade, hier wird sprachliches Potential verschenkt. No sex and crime - die Autorin hätte tiefer im Schlamm der Gunmarsch wühlen sollen...