Natürlich spielt auch dieser Roman in der fiktiven Stadt Fahlenberg und in der ortsansässigen Psychiatrischen Klinik, die die Leser auch schon aus "Trigger" und "Kalte Stille" kennen. Für die Leser ist das natürlich ein gewohntes Terrain auf dem sie sich bewegen, und da Wulf Dorn ohnehin kein großer Verfechter des "local hoppings" ist, ist es für sie noch angenehmer. Die Geschichte spielt sich dadurch zentral ab, und der Focus bleibt konstant auf der Handlung.
In "Dunkler Wahn" greift Wulf Dorn ein ganz heikles Thema auf, das "Stalking". Mit dem Stalking geht auch gleichzeitig die Liebe einher, eine Kombination die schnell und blitzartig aus dem Ruder laufen kann, nämlich genau in dem Moment, wenn aus dem harmlosen "anhimmeln" einer Person, eine krankhafte Obsession wird, die auch vor extreme Gewalt nicht zurück schreckt, um ihr Ziel zu erreichen - die Person zu besitzen.
Hinzu kommt in "Dunkler Wahn", dass die stalkende Person zusätzlich allem Anschein nach, unter einer dissoziativen Identitätsstörung leidet und zwei unterschiedliche Persönlichkeiten, abwechselnd die Kontrolle über ihr Verhalten übernehmen. Einen Kombination, die einem kurz vor dem zerberstenden Pulverfass gleicht.
Mit dieser Konstellation geht Wulf Dorn auf Nummer sicher, hat gleichzeitig zwei Eisen im Feuer um auch ja nichts dem Zufall zu überlassen. Natürlich beliebt dabei kein Auge trocken und so fesselt er genauso stark wie seine zwei bisherigen Romane. Sein flüssiger Erzählstil, die einfache Sprache und vor allem die Figuren machen diesen Roman so lesenswert. Sie wirken wie immer recht authentisch und Jan Forstner (schon bekannt aus "Kalte Stille") und sein Nachbar Rudi Mahrenburg, der in diesem Roman etwas zu kurz kommt, sind einem schnell ans Herz gewachsen. Es macht unglaublich viel Spaß sie durch die Hölle des "Stalkings" zu begleiten. Nicht zu vergessen aber die "Böse" in diesem Roman, die ihm wirklich richtig gelungen ist und bei der man durch ihr Handeln an einigen Stellen, eine wirklich fiese Gänsehaut bekommt.
Wulf Dorn lässt im Laufe der Story einige Figuren zu früh durch das Raster fallen, die dem einen oder anderem Leser nicht ganz koscher vorgekommen sein mögen und perfekt ins Täterprofil hätten passen können - für mich ein kleiner Kritikpunkt. Trotz allem aber hat er es geschickt verstanden, mit dem "Outing" der bösen Dame zu warten und die Leser lange im Dunkeln tappen zu lassen. Ein weiterer Punkt, der mir nicht so ganz zugesagt hat, war das Ende, welches eine Spur zu sehr in die Länge gezogen wird - vielleicht hätte er da früher einen Cut machen können.
Zur Story: Der Journalist Nowak möchte sich dringend mit Jan Forstner, einem Psychiater der Fahlenberg-Klink unter dem Vorwand treffen, dass er seine unabhängige Meinung bräuchte, sie aber nicht am Telefon darüber reden könnten. Zu diesem Treffen sollte es aber nicht mehr kommen, da Nowak kurz vorher ermordet wird. Was wusste Nowak, was ihm das Leben kostete? Zeitgleich bekommt Jan merkwürdige Telefonanrufe, zuerst nach Hilfe suchend, dann aber immer aufdringlicher werdend. Zu den Gesprächen gesellen sich von Hand gemalte Kinderbilder mit grausam wirkenden Motiven und ein Rosenstrauß unbekannter Herrkunft. Schon bald stellt sich heraus, dass es eine junge Frau ist, die Jan nachstellt, und sich allem Anschein nach unsterblich in ihn verliebt hat, wie sie in "ihren Retter". Nur wird aus dieser harmlosen Verliebtheit in krankhafte Obsession, die nicht nur für Jan immer gefährlicher wird, sondern auch für sein gesamtes Umfeld. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn diese Frau geht buchstäblich über Leichen und hat einen makaberen Plan, in dem sie und Jan die Hauptrolle spielen...