Natürlich ist Dunkler Gefährte ein Krimi, ein Noir, wenn man will, aber vor allem ist Jim Nisbets sozialkritische Geschichte ein ungeschminkter Blick in die Eingeweide der heutigen USA. Nisbet beschönigt nichts, aber er übertreibt auch nicht.
Banerjhee Rolf ist indischstämmiger Kalifornier, studierte Mathematik, Pharmakologie und Chemie, arbeitet seit vierzehn Jahren als leitender Chemiker für eine Silicon Valley Bio-Tech Firma und findet sich zu seinem Erstaunen eines Tages auf der Strasse wieder. Firmenplünderer kauften den Bio-Tech Laden, jagten die Belegschaft zum Teufel und verscherbelten das Inventar meistbietend. Zum Glück hat Banerjhee eine erfolgreiche Frau, Madja, die als Hauptbuchhalterin gut verdient und ihn in ihre Firmen-Krankenversicherung aufnehmen kann. Die Bio-Tech Rente ist zwar hin, als Fünfzigjähriger wird er keinen neuen Job mehr finden, aber er hat noch immer die Teilzeit-Lehrtätigkeit beim örtlichen Community College, seine Bibliothek in der Garage und das geliebte Hobby, die Astronomie.
Und er hat seinen unausstehlichen Nachbarn, Toby Pride. Der, meint Banerjhee, ist Drogendealer, hat ein grosses Maul, einen schicken BMW und eine umwerfende Freundin, die gern nackt durch den kalifornisch besonnten Garten rennt.
Als Madja geschäftlich nach Chicago fliegt, hängt die Toby-Freundin dem verblüfften
Banerjhee splitternackt am Hals und ersucht ihn um Schutz vor dem verrücktgewordenen Toby. Man unterhält sich, das Versehen klärt sich auf, man trinkt ein Schlückchen bei Tobys und dann stehen Vermummte im Wohnzimmer und ballern drauflos. Banerjhee staunt, das Gemetzel überlebt zu haben, wenn auch nicht ganz ohne Schuld. Alle anderen sind tot, einen davon hat Banerjhee auf dem Gewissen, und noch eine Killertruppe wird erwartet. Also flieht der bislang unbescholtene indischstämmige Nachbar im schicken BMW, hat Tobys Drogenkohle dabei und weiss, dass er sich höchstens noch ein paar Stunden oder Tage erkaufen kann.
Die Story endet, wie so viele Berichte in der Los Angeles Times enden: shootout mitten im bevölkerten Saal, Polizisten, die zu oft Dreck am Stecken haben, Bürger, die nicht wissen, was ihnen geschieht, einer Gesetzgebung unterworfen, die dem selbstverliebten Image Amerikas Hohn spricht.
Kultautor Nisbet hat eine kurze, mutige, notwendige Geschichte geschrieben. Wie mein anderer Favorit, Joe R. Lansdale, schreibt Jim Nisbet vom Bauch her, schreibt sich den Frust von der Seele, schreibt Romane, aber die könnten morgen schon genau so in der Zeitung stehen.