Florenz 1966: Casini ist schon über 60 und die Kriegserfahrungen als Widerstandskämpfer haben innere Spuren hinterlassen. So schleppt sich der alte Commissario Seite für Seite durch den florentiner Regen und die umliegenden Wälder und sinniert über den Krieg und den Wandel der Gesellschaft, über die langhaarigen jungen Männer und freizügigen jungen Frauen, aber auch über die ewig Gestrigen.
Den Kriminalfall schleppt Casini eher nebenbei mit sich herum: Ein Junge wird vermisst, bald findet man seine Leiche im Wald, grausam missbraucht von mehreren Tätern. Es gibt nur eine sehr dünne Spur, die Ermittlung geht stockend und fast widerwillig voran. Als Florenz im Arno-Hochwasser versinkt, kommt der Fall zeitweise gänzlich zum Erliegen und Casini jagt statt nach den Tätern einer jungen Frau nach, die seine Enkelin sein könnte. Dass er damit sogar Erfolg damit hat, ist für mich nicht mehr realistisch nachvollziehbar. Das Ende des Krimis wird danach noch schnell abgewickelt und ist für mein Empfinden wenig befriedigend.
Mir war nicht so recht klar, ob der schleppende Handlungsverlauf des Falls ein Stilmittel sein soll, um Alter und Unsicherheiten bezüglich Casinis Zukunft zu veranschaulichen, oder ob der Autor eigentlich keine große Lust hatte, einen Krimi zu schreiben, aber da der Charakter nun schon mal Commissario ist, musste schnell ein (besonders im italienischen Krimi) aktuelles Thema wie Kindesmissbrauch her, um das Buch zu füllen...
Fazit: Kein schlechtes Buch, aber kein guter Krimi.