James Sallis Buch "Dunkle Vergeltung" hat etwas von einem Querschläger, also einem Geschoss, das seinem Flug ungewollt auf einen Gegenstand stößt und somit von seiner eigentlichen Richtung abweicht. Schon in seinen früheren Büchern strapazierte Sallis seine Handlungen mit ständigen Rückblenden. Doch selten waren die so nervend wie in "Dunkle Vergeltung". Hilfssheriff Turner sieht sich durch einen zufällig festgenommenen Mann mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Statt hurtig den heißen Fall aufzuklären, gibt er sich vorbehaltlos seinen Gespenstern hin. Immer wieder unterbricht Sallis seinen lakonischen Erzählfluss und richtet Turners Blick nach hinten, also nach innen. Das ist recht forsch und mit Witz geschrieben, zu einer möglichen Spannung aber trägt dies selten bei. Das wirkt wie Formel 1 in Zeitlupe, wie ein 100-Meter-Lauf in Standbildern. Man muss Sallis Figuren schon kräftig ins Herz geschlossen haben, um ihnen auf den 238 Seiten eisern die Treue zu halten. Schade, hatte doch der Verlag mit der deutschen Erstauflage mächtig die Erwartungstrommel gerührt. Der Erscheinungstermin wurde immer mal wieder verschoben. Das ließ einen hoffen. Umso größer jetzt die Enttäuschung.