Rosie ist 55, weiß aber immer noch nicht so wirklich, was sie vom Leben will. Nach x Reisen und unzähligen Wohnortswecheseln ist sie noch immer nicht irgendwo angekommen; ihre Liebe zu einem (übrigens verheirateten) Mann hat ihren Höhepunkt schon hinter sich, beruflich bietet sich auch nichts Aufregendes. Also flüchtet Rosie vor dieser Leere in ihrem Leben nach Irland zu ihrer Tante Min, die ihr zeitlebens eine Art Mutterersatz war, und hofft auf Besserung ihres seelischen Tiefs. Min allerdings it selbst eine deprimierte ältere Dame, und das Leben in einem irischen Dorf bringt auch nicht gerade Fülle und Farbe in Rosies Leben. Als beide so in ihrem passiven Leid des Daseins dahin siechen, bekommt Rosie ein unerwartetes Angebot zu einem Buchprojekt und reist deshalb nach New York. Und Min, ungeachtet ihres fortgeschrittenen Alters, reist ihr unerwartet hinterher. Schon bald ist nichts mehr, wie es war...
Schon nach den ersten 60 Seiten dieses Buches dachte ich: Diese Rosie kommt mir irgendwie bekannt vor. Von der habe ich schon mal gelesen. Dann die Erleuchtung: ja, richtig, Rosie erinnert mich mit ihrer Unschlüssigkeit, ihrer Sprunghaftigkeit, ihrem Lebensstil und Selbtmitleid an Liz aus EAT PRAY LOVE - sie könnte die ältere Schwester von ihr sein...Wer meine Kritik zu diesem Buch gelesen hat, weiß, dass ich mich für Liz wenig erwärmen konnte, und so erging es mir auch mit Rosie. Und mit einem Buch, in dem die Handlungen der Hauptpersonen nicht emotional für mich nchvollziehbar sind, tue ich mich generell schwer. Rosie zeigt sich für mich als Person, die weder Verantwortung für sich noch für das Leben anderer übernehmen will. Nun könnte man einwerfen: Na, um ihre ältere Tante wollte sie sich doch auch kümmern und ist daher extra nach Irland gezogen! Gegenargument: sie ist zu Min nur deshalb gezogen, weil es mit Lover Leo nicht mehr so lief und sie nirgendwo anders richtig Fuß gefasst hatte....Min war nur eine Ausrede für ihre Rückkehr nach Irland. Verantwortung übernehmen ist dagegen ein großes Thema in Rosies Leben, an dem sie immer scheitert; es klappt nicht mal bei Haustieren: die Katze Bell überlässt sie gerne mal in Mins Haus zurück, weil sie in das entlegene Haus ihrer Vorfahren ziehen will; dort wohnt sie eine Weile, nimmt einen jungen Hund bei sich auf, und als sie das Leben dort nicht mehr freut, sucht sie halt schnell mal für den zuvor so geliebten Hund ein neues Heim....und Rosie ändert mal wieder ihr Leben, und - man weiß es auch, ohne dass ihr weiterer Werdegang bis zum Tod ausgeschmück wird - wird in Kürze wieder mal nicht glücklich sein, nach einiger Zeit. Weil sie einfach nicht glücklich sein KANN.
Am Buchrücken steht, dass es ein Roman von der "Sinnlichkeit des Augenblicks" ist. Zugegeben, viellicht fehlt mir da jeder Hang zur Sinnlichkeit. Ich fand diese Lektüre einfach nur insgesamt depressiv und keineswegs mitreißend. Manchmal gab es auch Punkte, die unlogisch waren: Min hat offenbar ein großes Problem mit Berührungen, aber mit Rosies Vater hatte sie doch eine Liebesbeziehung und Sex? Aha... Min reist mit 67 das erste Mal ins Ausland, schafft es aber mühelos, sich in den USA ein neues Leben aufzubauen? Alle Achtung!
Trotzdem finde ich dieses Buch besser als EAT PRAY LOVE, denn anders als erst genanntes, weiß man zumindest: es ist ein Roman, kein Reieführer und kein agebuch. Der Sarkasmus, mit dem das Denken und Haneln der US-AmrikanerInnen immer wieder mal auf die Schippe genommen wird, hat mich auch sehr zum Schmunzeln gebracht. Das 10-Gedanken-Buch, an dem Rosie arbeitet, ist einfach herrlich! (Und die Tatsache, dass es wohl wirklich so funktioniert, erschütternd....)