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Dunkle Schuld: Roman
 
 
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Dunkle Schuld: Roman [Taschenbuch]

James Sallis , Angela Kuepper , Jürgen Bürger
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

2008 bekam James Sallis für "Driver" den Deutschen Krimipreis; Kritiker wie Leser feierten das Buch vor allem wegen seiner sehr knappen, präzisen Sprache und dem lakonischen Tonfall. Auch "Dunkle Schuld" sticht aus der üblichen Spannungsliteratur hervor, dabei ist der Roman wesentlich konventioneller gestrickt. Protagonist und Icherzähler ist der Ex-Cop Turner, der in einem kleinen amerikanischen Örtchen seinen Lebensabend genießen will. Doch als ein brutaler Mord passiert, bittet ihn der unerfahrene Sheriff des Ortes um Hilfe. Wortkarg sind in diesem Auftakt einer dreiteiligen Serie vor allem die wenigen auftretenden Figuren: Turner, der Sheriff und dessen Gehilfe brummeln sich eher an, als dass sie sich unterhalten. Doch um diese wenigen Dialoge herum baut Sallis einen ungewöhnlich üppigen Plot. Immer wieder springt er zurück in Turners turbulente Vergangenheit, zeitweise gerät der eigentliche Mordfall dabei komplett in Vergessenheit. Dessen Auflösung ist dann auch nicht besonders spannend - weder für die Ermittler, noch für den Leser. "Dunkle Schuld" muss man wohl eher als Psychogramm eines einsamen Mannes lesen. Und als Auftakt einer Trilogie, auf deren weitere Teile man gespannt sein darf. (jul)

Pressestimmen

"Ein kleines Juwel." (Stern )

"Sujets haben viele, einen Sound, eine Stimme nur wenige. Die von Sallis ist einmalig." (Spiegel online )

"Sallis einzigartiger Stil hebt ihn meilenweit über das Gros der Thrillerautoren hinaus." (Seattle Times )

Kurzbeschreibung

Eigentlich hatte sich Ex-Cop Turner in das kleine Provinzkaff Cypress Grove zurückgezogen, um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Doch als der unerfahrene Sheriff des Ortes mit einem Ritualmord konfrontiert wird, bittet er den Außenseiter um Hilfe. Ein Mann wurde gepfählt und als gekreuzigte Vogelscheuche aufgebaut. Turner nimmt die Ermittlungen auf und gewinnt nicht nur neue Freunde, sondern muss sich letztlich auch seiner Vergangenheit und damit sich selbst stellen.

Der Auftakt einer neuen Krimi-Trilogie.

Klappentext

"Sujets haben viele, einen Sound, eine Stimme nur wenige. Die von Sallis ist einmalig." Spiegel online

"Ein Krimi zum Genießen." Los Angeles Times Book Review

"Sallis einzigartiger Stil hebt ihn meilenweit über das Gros der Thrillerautoren hinaus." Seattle Times

Über den Autor

James Sallis wurde 1944 in Arkansas geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Er studierte Literaturwissenschaften in New Orleans und arbeitete anschließend als Lektor und Drehbuchautor. Er übersetzte Raymond Queneau und Puschkin ins Englische und veröffentlichte eine Biografie von Chester Himes. Bekannt wurde er mit seiner Romanreihe um den schwarzen Privatdetektiv Lew Griffin. Seine Kriminalromane wurden mehrfach für Literaturpreise nominiert, u.a. für den Edgar, den Shamus und den Gold Dagger Award. 2008 wurde James Sallis mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Er lebt in Phoenix, Arizona.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Den Jeep hörte ich schon, als er noch eine halbe Meile entfernt war. Er kam um den See herum, und als er die Biegung erreichte, ergriffen Vögel die Flucht. Sie stiegen aus den Bäumen auf, senkrecht in die Luft, und dann, als wären sie von einem heftigen Windstoß erfasst worden, schwenkten alle auf einmal unvermittelt scharf nach rechts. Die meisten dieser Bäume standen dort seit vierzig oder fünfzig Jahren. Die meisten der Vögel waren weniger als ein Jahr hier und würden auch nicht viel länger bleiben. Ich befand mich irgendwo dazwischen.
Ich beobachtete den Jeep, als er zwischen den Bäumen auftauchte und der Fahrer auf dem langen Hang zur Hütte hinab in den dritten Gang schaltete. Das Nachmittagslicht auf dem See verwandelte ihn in Stanniolpapier. Kaum ein Laut. Ein hohes, leises Summen des gut gewarteten Motors. Von Zeit zu Zeit das Rascheln trockener Blätter, wenn der Wind sie ergriff und sie an den Bäumen wie Glocken zu klingen versuchten.
Er hielt einige Meter entfernt an, unter dem Pekannussbaum. Die Schalen seiner Nüsse waren so hart, dass man sie brutal zertreten musste, um an einen halben Teelöffel ihres Inneren zu gelangen. Ich schwöre, dass die Eichhörnchen sie zum Knacken hübsch aufgereiht unter den Autoreifen ablegten und dann in der Nähe herumlungerten und warteten.
Der Fahrer stieg aus dem Jeep und blieb daneben stehen. Er trug graue Arbeitskleidung von Sears, altmodische Gummistiefel, oben ganz weit, und einen dem Aussehen nach teuren Hut, der allerdings eher weiter unten im Südwesten zu Hause gewesen wäre. Mit verschränkten Armen lehnte er sich gegen die Fahrertür und blickte sich um. Die Leute hier in der Gegend bewegen sich nicht schnell. Sie wachsen auf mit dem Respekt vor dem Heim anderer Leute, ihrem Land und ihrem Privatleben, vor das Linien welcher Art auch immer gezogen worden sein mögen, manche davon unsichtbar. Auch mit Respekt vor der Geschichte des Ortes. Sie schleichen sich ran, wie man hier sagt, nähern sich behutsam. Vielleicht war das der Grund, warum ich hier war.
"Guten Nachmittag", sagte er und hob auf der letzten Silbe leicht die Stimme, so dass seine Äußerung als Beobachtung, Begrüßung, Frage aufgefasst werden konnte.
"Das sind sie alle."
Er nickte. "So ist das. Selbst der schlechteste, hier in Gottes eigenem Land ... Ich hoffe, ich störe nicht." Ich schüttelte den Kopf.
"Gut. Das ist gut." Er stieß sich von der Tür ab, drehte sich um, griff in den Wagen, die Hand kam mit einer Papiertüte zum Vorschein. "Sieht aus, als wäre da oben auf der Veranda Platz für uns beide."
Ich winkte ihn an Bord. Nachdem er sich auf den anderen Stuhl gesetzt hatte, wie mein eigener ein einfacher Küchenstuhl, der, da altersschwach und wackelig, kreuz und quer mit Sisalfaden stabilisiert wurde, reichte er die Papiertüte herüber.
"Hab ich mitgebracht."
Ich schälte das Papier von einer Flasche Wild Turkey.
"Zufälligerweise mit Nathan geredet?"
Mein Besucher nickte. "Er sagte, da wir beide uns noch nicht begegnet sind, wär's vielleicht keine schlechte Idee, eine Kleinigkeit mitzubringen. Um die Rädchen zu schmieren, sozusagen."
Nathan lebte bereits seit sechzig oder mehr Jahren hier oben in einer Blockhütte. Tu einen Schritt auf sein Land, wer immer du auch bist, und du wirst mit einer Salve grobem Schrot begrüßt - das sagte zumindest jeder. Aber nicht lange nach meinem Einzug begann Nathan damit, alle paar Wochen mit einer Flasche aufzukreuzen, und dann saßen wir hier draußen auf der Veranda oder, an kälteren Tagen, drinnen am Kamin und ließen wortlos die Flasche kreisen, bis sie leer war.
Ich ging rein, um Gläser zu holen. Schenkte uns beiden ordentlich ein und reichte ihm sein Glas. Er hob es ins Licht, trank einen Schluck, seufzte.
"Wollte schon lange mal raufkommen und hallo sagen", meinte er. "Aber irgendwie ist immer was dazwischengekommen. Dachte, es hat Zeit. Ich meine, keiner von uns geht hier fort."
Das war's dann für eine ganze Weile. Wir saßen da und schauten den Eichhörnchen zu, wie sie die Bäume hinaufkletterten und zwischen ihnen hin und her sprangen. Ich hatte einen alten, verrosteten Topf an den Baum genagelt und achtete darauf, dass immer Pekannüsse für sie darin waren. Von Zeit zu Zeit streckte einer von uns eine Hand aus, um die Gläser nachzufüllen. Sonst rührte sich kaum etwas. Hier oben ist man nie weit von der Erkenntnis entfernt, dass die Zeit nur eine Illusion ist, eine Lüge.
Wir waren bereits bei den letzten Zentimetern der Flasche angelangt, als er wieder etwas sagte.
"Jagd?"
Ich schüttelte den Kopf. "Hab als Junge meinen Teil davon abgehakt. Ich glaube, das war wohl das Einzige, was mein alter Herr wirklich liebte. An den meisten Tagen kam bei uns Wild auf den Tisch. Rotwild, Kaninchen, Eichhörnchen, Wachteln und Tauben. Er hat immer auch andere Leute gebeten, sich was zu nehmen. Hat nie was anderes benutzt als eine .22er."
"Lebt er noch?"
"Gestorben, als ich zwölf war."
"Meiner auch."
Ich ging rein und machte Kaffee, wärmte einen Eintopf von vor ein paar Tagen auf. Als ich mit zwei Schüsseln auf die Veranda zurückkehrte, war die Dunkelheit schon bis auf halbe Höhe der Bäume angelangt, und die Geräuschkulisse um uns herum hatte sich verändert. Insekten brummten und zirpten. Frösche unten am See sangen auf diese hohle, gequälte Weise, die für sie typisch ist.
"Kaffee gibt's nachher", sagte ich. "Es sei denn, Sie wollen ihn jetzt."
"Nachher ist okay."
Wir saßen vor unserem Eintopf. Ich hatte zum Eintunken eine dicke Scheibe Brot auf jede Schüssel gelegt. Da ich das Brot vor fast einer Woche gebacken hatte und es langsam hart wurde, war das schon in Ordnung. Also löffelten, schlürften, tunkten und leckten wir eine ganze Weile. Suppe tröpfelte übers Kinn und tropfte aufs Hemd. Ich brachte die Schüsseln hinein und den Kaffee heraus.
"War noch nie meine Sache, groß in den Angelegenheiten anderer Menschen herumzuschnüffeln."
Der von den Bechern aufsteigende Dampf waberte vor unseren Gesichtern.
"Warum man hier ist, woher man kommt, all das. Allerdings werde ich von den Leuten dafür bezahlt, dass ich mich über alles auf dem Laufenden halte.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Den Jeep hörte ich schon, als er noch eine halbe Meile entfernt war. Er kam um den See herum, und als er die Biegung erreichte, ergriffen Vögel die Flucht. Sie stiegen aus den Bäumen auf, senkrecht in die Luft, und dann, als wären sie von einem heftigen Windstoß erfasst worden, schwenkten alle auf einmal unvermittelt scharf nach rechts. Die meisten dieser Bäume standen dort seit vierzig oder fünfzig Jahren. Die meisten der Vögel waren weniger als ein Jahr hier und würden auch nicht viel länger bleiben. Ich befand mich irgendwo dazwischen.Ich beobachtete den Jeep, als er zwischen den Bäumen auftauchte und der Fahrer auf dem langen Hang zur Hütte hinab in den dritten Gang schaltete. Das Nachmittagslicht auf dem See verwandelte ihn in Stanniolpapier. Kaum ein Laut. Ein hohes, leises Summen des gut gewarteten Motors. Von Zeit zu Zeit das Rascheln trockener Blätter, wenn der Wind sie ergriff und sie an den Bäumen wie Glocken zu klingen versuchten.Er hielt einige Meter entfernt an, unter dem Pekannussbaum. Die Schalen seiner Nüsse waren so hart, dass man sie brutal zertreten musste, um an einen halben Teelöffel ihres Inneren zu gelangen. Ich schwöre, dass die Eichhörnchen sie zum Knacken hübsch aufgereiht unter den Autoreifen ablegten und dann in der Nähe herumlungerten und warteten.Der Fahrer stieg aus dem Jeep und blieb daneben stehen. Er trug graue Arbeitskleidung von Sears, altmodische Gummistiefel, oben ganz weit, und einen dem Aussehen nach teuren Hut, der allerdings eher weiter unten im Südwesten zu Hause gewesen wäre. Mit verschränkten Armen lehnte er sich gegen die Fahrertür und blickte sich um. Die Leute hier in der Gegend bewegen sich nicht schnell. Sie wachsen auf mit dem Respekt vor dem Heim anderer Leute, ihrem Land und ihrem Privatleben, vor das Linien welcher Art auch immer gezogen worden sein mögen, manche davon unsichtbar. Auch mit Respekt vor der Geschichte des Ortes. Sie schleichen sich ran, wie man hier sagt, nähern sich behutsam. Vielleicht war das der Grund, warum ich hier war."Guten Nachmittag", sagte er und hob auf der letzten Silbe leicht die Stimme, so dass seine Äußerung als Beobachtung, Begrüßung, Frage aufgefasst werden konnte."Das sind sie alle."Er nickte. "So ist das. Selbst der schlechteste, hier in Gottes eigenem Land ... Ich hoffe, ich störe nicht." Ich schüttelte den Kopf."Gut. Das ist gut." Er stieß sich von der Tür ab, drehte sich um, griff in den Wagen, die Hand kam mit einer Papiertüte zum Vorschein. "Sieht aus, als wäre da oben auf der Veranda Platz für uns beide."Ich winkte ihn an Bord. Nachdem er sich auf den anderen Stuhl gesetzt hatte, wie mein eigener ein einfacher Küchenstuhl, der, da altersschwach und wackelig, kreuz und quer mit Sisalfaden stabilisiert wurde, reichte er die Papiertüte herüber."Hab ich mitgebracht."Ich schälte das Papier von einer Flasche Wild Turkey."Zufälligerweise mit Nathan geredet?"Mein Besucher nickte. "Er sagte, da wir beide uns noch nicht begegnet sind, wär's vielleicht keine schlechte Idee, eine Kleinigkeit mitzubringen. Um die Rädchen zu schmieren, sozusagen."Nathan lebte bereits seit sechzig oder mehr Jahren hier oben in einer Blockhütte. Tu einen Schritt auf sein Land, wer immer du auch bist, und du wirst mit einer Salve grobem Schrot begrüßt - das sagte zumindest jeder. Aber nicht lange nach meinem Einzug begann Nathan damit, alle paar Wochen mit einer Flasche aufzukreuzen, und dann saßen wir hier draußen auf der Veranda oder, an kälteren Tagen, drinnen am Kamin und ließen wortlos die Flasche kreisen, bis sie leer war.Ich ging rein, um Gläser zu holen. Schenkte uns beiden ordentlich ein und reichte ihm sein Glas. Er hob es ins Licht, trank einen Schluck, seufzte."Wollte schon lange mal raufkommen und hallo sagen", meinte er. "Aber irgendwie ist immer was dazwischengekommen. Dachte, es hat Zeit. Ich meine, keiner von uns geht hier fort."Das war's dann für eine ganze Weile. Wir saßen da und schauten den Eichhörnchen zu, wie sie die Bäume hinaufkletterten und zwischen ihnen hin und her sprangen. Ich hatte einen alten, verrosteten Topf an den Baum genagelt und achtete darauf, dass immer Pekannüsse für sie darin waren. Von Zeit zu Zeit streckte einer von uns eine Hand aus, um die Gläser nachzufüllen. Sonst rührte sich kaum etwas. Hier oben ist man nie weit von der Erkenntnis entfernt, dass die Zeit nur eine Illusion ist, eine Lüge.Wir waren bereits bei den letzten Zentimetern der Flasche angelangt, als er wieder etwas sagte."Jagd?"Ich schüttelte den Kopf. "Hab als Junge meinen Teil davon abgehakt. Ich glaube, das war wohl das Einzige, was mein alter Herr wirklich liebte. An den meisten Tagen kam bei uns Wild auf den Tisch. Rotwild, Kaninchen, Eichhörnchen, Wachteln und Tauben. Er hat immer auch andere Leute gebeten, sich was zu nehmen. Hat nie was anderes benutzt als eine .22er.""Lebt er noch?""Gestorben, als ich zwölf war.""Meiner auch."Ich ging rein und machte Kaffee, wärmte einen Eintopf von vor ein paar Tagen auf. Als ich mit zwei Schüsseln auf die Veranda zurückkehrte, war die Dunkelheit schon bis auf halbe Höhe der Bäume angelangt, und die Geräuschkulisse um uns herum hatte sich verändert. Insekten brummten und zirpten. Frösche unten am See sangen auf diese hohle, gequälte Weise, die für sie typisch ist."Kaffee gibt's nachher", sagte ich. "Es sei denn, Sie wollen ihn jetzt.""Nachher ist okay."Wir saßen vor unserem Eintopf. Ich hatte zum Eintunken eine dicke Scheibe Brot auf jede Schüssel gelegt. Da ich das Brot vor fast einer Woche gebacken hatte und es langsam hart wurde, war das schon in Ordnung. Also löffelten, schlürften, tunkten und leckten wir eine ganze Weile. Suppe tröpfelte übers Kinn und tropfte aufs Hemd. Ich brachte die Schüsseln hinein und den Kaffee heraus."War noch nie meine Sache, groß in den Angelegenheiten anderer Menschen herumzuschnüffeln."Der von den Bechern aufsteigende Dampf waberte vor unseren Gesichtern."Warum man hier ist, woher man kommt, all das. Allerdings we
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