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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Turner zum Ersten!,
Von Hiro (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Dunkle Schuld: Roman (Taschenbuch)
Nach den Erfolgen, die der kleine Verlag Liebeskind mit den Veröffentlichungen von James Sallis feiern durfte, scheint jetzt Heyne das Szepter übernommen zu haben und weitere Romane von Sallis herauszubringen. Den Anfang macht der erste Teil der Turner-Trilogie. Wie so oft bei Übersetzungen ist der deutsche Titel leider etwas dümmlich ausgefallen, das Original heißt herrlich lakonisch "Cypress Grove".Sallis ist nicht ganz leicht zu fassen. Vordergründig schreibt er Kriminalromane, aber es steckt doch immer deutlich mehr dahinter. War "Deine Augen hat der Tod" noch phasenweise arg ins Philosophische entrückt, ist der vorliegende Roman eher eine Hommage an das Leben fernab der Großstadt. Es wird zwar die für den amerikanischen Kriminalroman (seit Chandler) typische Kritik an den herrschenden Verhältnissen größtenteils ausgespart, trotzdem ist Sallis weit davon entfernt, das kleinstädtische Amerika rosarot zu zeichnen. Aber vielleicht ist "Dunkle Schuld" eben auch gar kein echter Kriminalroman, Heyne untertitelt auf dem Cover (das im übrigen das ansprechende Design der Bücher von Liebeskind aufgreift) auch nur mit "Roman". Dieser, nennen wir ihn Roman, funktioniert auf zwei Ebenen. In den Kapiteln strikt abwechselnd erzählt Turner (Ex-Cop, Ex-Knacki, Ex-Therapeut, Ex-Liebhaber, eigentlich Alles-Ex) von den Geschehnissen der Gegenwart und seiner bewegten Vergangenheit. Verläuft der Gegenwartsstrang chronologisch akkurat, sind die Abstecher in Turners Vergangenheit doch immer nur allein stehende Episoden. Es ist schwer, sich von Turner ein Bild zu machen. Dafür aber beobachtet Turner um so genauer, eigentlich sind zum Ende alle Charaktere schärfer umrissen als er selbst. Zur Wertung: Der im Zentrum der Gegenwartshandlung stehende Kriminalfall funktioniert leider nicht. Wer einen waschechten Krimi lesen will, sollte anderweitig zugreifen. Zum einfach so wegschmökern eignet sich das Buch ebenfalls nicht. Mir hat es aber trotzdem gut gefallen, ich lese Sallis einfach gern. Er fordert den Leser, kaut ihm nicht alles vor und lässt ihn die Lücken zwischen den Gedankensprünge seiner Protagonisten (und seiner eigenen) selbst auffüllen. Er zeigt die Unwägbarkeiten des Lebens und kommt immer wieder darauf zurück, wie schnell man durch eine einzige Handlung plötzlich auf der anderen Seite steht, obwohl man sich doch von dort meilenweit weg und in Sicherheit gefühlt hatte. 4 Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Krimi, viele Geschichten,
Rezension bezieht sich auf: Dunkle Schuld: Roman (Taschenbuch)
Das war mein zweiter Sallis nach Driver und ich fand ihn fast noch besser. Während Driver ein kompaktes, geradliniges und reines Krimimeisterstück ist, gibt es in diesem Südstaaten-Regionalkrimi neben einer eher gemütlich vor sich hin spazierenden Handlung hunderte von kleinen Skizzen, Episoden, abgebrochenen Lebensläufen der Verlierer des heutigen Amerika. So entfaltet sich ein schreckliches Sozi-Panorama, gegen das die Hölle wie ein harmloser Schrein aus dem europäischen Mittelalter wirkt.Turner, die Hauptfigur ist selbst ein gebrochener Typ: Ex-Literaturstudent, Ex-Vietnamkämpfer, Ex-Cop, Ex-Knakie und Ex-Pychotherapeut ist er an allem gescheitert und hat sich jetzt zurückgezogen, irgendwo aufs Land, in ein Nirgendwo-Tennessee. Doch dann geschieht in der nahen Kleinstadt ein Mord und man zieht ihn als Berater hinzu. Und er nimmt Witterung auf... Man sieht den Film schon direkt vor sich. In der Hauptrolle Clint Eastwood, als Sheriff Gene Hackman. Sallis fährt das beste auf, was ein Autor von heute zu bieten hat: prägnante, nicht zu glatte Sprache, pointierte Dialoge, Atmosphäre, überraschende Beobachtungen, Figuren mit Profil und Background. Ich freue mich schon auf weitere Sallis-Veröffentlichungen hierzulande. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
lohnender Blick in Amerikas Kleinstadt-Seele,
Von
Rezension bezieht sich auf: Dunkle Schuld: Roman (Taschenbuch)
Dunkle Schuld" (im Original stimmiger und schlichter mit Cypress Grove" betitelt) ist der erste Teil einer Trilogie von James Sallis, die sich um die Hauptfigur Turner dreht. Deklariert ist das Buch eigentlich als Krimi, aber eigentlich ist es das nicht. Fans von beinharten Ermittlungen und bizarren Todesfällen, die einen klassischen Krimi oder gar Thriller erwarten - wie der Mord zum Auftakt ja auch verheißt -, könnten bitter enttäuscht werden. Sallis' Roman ist sperrig, nicht leicht zugänglich, bisweilen zäh - und doch ein lohnendes Leseerlebnis.Der Autor wirft einen scharfen und sprachlich einzigartigen Blick auf ein Provinznest in den US-Südstaaten, in dem die Dinge einfach etwas anders laufen, und lässt uns am Leben des desillusionierten Protagonisten Turner teilhaben. Die Kapitel berichten immer abwechselnd von den Geschehnissen in Cypress Grove, bei denen nur äußerst langsam etwas Licht in die Ermittlungen um den Gekreuzigten dringt, und von Turners Vergangenheit. Diese ist durchaus bewegt, denn Turner ist bei all seinen Lebensstationen quasi der Verlierer, den das Leben ernüchtert hat - erst war er ein Cop, dann landete er im Gefängnis, schließlich wurde er Therapeut, bis er schließlich allem den Rücken kehrte. Dies alles wird unglaublich trocken und lakonisch geschildert, dabei mit einem Höchstmaß an Atmosphäre. Sallis' schreibt über das kleinstädtische Amerika, und das kann er wirklich gut. Der Mord und die Ermittlung sind dabei fast Nebensache, und das Ende ist - zumindest aus Krimi-Sicht! - enttäuschend. Durch den ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wirkt der Roman zerfasert und spannungsarm, aber er möchte eben auch kein Spannungsroman sein. James Sallis' Stil wird man entweder sehr mögen oder gar nicht - seine eigenwillige Art zu schreiben ist sicher einzigartig, versperrt sich aber auch oftmals dem Leser. Neugierige sollten auf jeden Fall einen Blick in diesen Roman werfen, wenn sie einen großen Autor der amerikanischen Gegenwartsliteratur lesen wollen; für Krimifans ist Dunkle Schuld" aber eher nichts. Dunkle Schuld" wird im Englischen fortgesetzt mit Cripple Creek" und Salt River", der Erscheinungstermin für den deutschen zweiten Teil der Turner-Trilogie steht noch nicht fest. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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