Der Film ist einzigartig nämlich einzig in seiner Art. Ein Kunstwerk finde ich: der Film besticht durch seine Nüchternheit, seine Einsilbigkeit und lebt davon. Genau das ist der Zugang, ihn zu genießen. Alles ist emotionslos, wortlos, farblos und hart. Einfache Menschen, einfache Leben auf einem Kahn. Im Zentrum steht Joe, ohne es zu wollen. Er trägt das Geheimnis und die Lösung um die Frauenleiche in sich, hält dies und sich verschlossen, schweigt. Weil er nicht anders sein kann, als er ist: ein gescheiterter Schriftsteller, der nur noch existiert (Kohlen schippt). Er will fühlen und schafft es nicht. So erklären sich seine zahlreichen sexuellen Begegnungen, die allerdings nur Aktion sind, nicht Emotion und schon vergessen, ehe sie vorbei sind. Sie laufen genau so kühl und mechanisch ab, wie der gesamte Film. Die Atmosphäre ist wunderbar; der Text ist minimalisiert auf kurze Dialoge, so dass die Bilder wirken können. Und müssen: vieles erschließt sich nur über die Bilder.
Das einzige, was Joe irritiert, ist, dass einem - wie er ja weiß - Unschuldigen wegen Mordes der Prozess gemacht wird. Er besucht sogar die Verhandlungen und verfolgt, dass die Todesstrafe droht. Er ringt sich sogar durch etwas (wenn auch sehr wenig) zu unternehmen, indem er einen anonymen Brief schreibt. Wenig - zu wenig - für Joe aber sehr viel.
Das ist kein Mainstream, sondern Kunst. Ewan Mc Gregor ist großartig in der Darstellung dieser Kälte, besser Emotionslosigkeit, Desillusioniertheit.
Der Film arbeitet mit Rückblenden, die ich hier sehr gut finde, weil sie beleben und die Unterschiede verdeutlichen: Joe in der Vergangenheit zu sehen, als er noch schrieb, Träume hatte und eine Beziehung, wenn diese auch schwierig verlief und egoistisch.
PS: wer ist eigentlich "Young Adam"?