"Dean R. Koontz"... ein Name, der in Deutschland zu unrecht immernoch ein Nischendasein fristet, denn 'King' ist was für Warmduscher, 'Koontz' ist der wahre Meister des Grauens!
Dem Hype um Stephen King konnte ich mich nie so recht anschliessen, als ich dann meine ersten Bücher von Dean R. Koontz gelesen habe, ist mir der Atem im Halse stecken geblieben. Manchmal gehen die Bücher bis an die Grenze des Vertretbaren... so wie hier in "Dunkle Flüsse des Herzens".
Die Protagonisten dieser Geschichte sind zum einen 'Spencer Grant', ein zurückgezogener Einzelgänger, der mit einem noch zurückgezogeneren Hund zusammenlebt. Sein Charakter wird erst nach und nach aufgebaut und so bekommt man am Anfang einen etwas "verzerrten" Eindruck von Spencer... dann ist da Valerie, die Bardame, die Spencer nur an einem einzigen Abend gesehen hat und die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Er muss sie wiedersehen und schleudert somit in eine Geschichte von unglaublichen Ausmaßen hinein. Und dann ist da noch Roy... Roy Miro. Agent der "Agency", einer geheimen Behörde, die so geheim ist, dass sie nicht mal einen Namen hat. Roy erscheint zuerst als netter Gentleman, der eigentlich als Agent etwas deplaziert wirkt. Dann kommt aber schnell heraus, dass er ein durchgeknallter Psychopath mit sehr extremen Vorstellungen von einer "perfekten Zukunft" ist und Menschen, die ihm über den Weg laufen einfach so aus "purem Mitleid" ins Jenseits befördert.
Roy ist hinter Valerie her und als Spencer sich in die Angelegenheiten von Valerie einmischt, steht auch er ganz schnell auf der Abschußliste. Mehr soll hier zur Story nicht gesagt werden, die anderen Rezensionen gehen ausführlich darauf ein.
Die Story, spannend und voller Höhepunkte, bildet den Rahmen für die einzelnen Elemente dieses Romans: Die Protagonisten und Koontz' Beschreibungen für die Orte, das was geschieht und die seelischen Zustände der einzelnen Personen. Insbesondere letzteres ist bei Spencer und Roy so detailiert aufgeschlüsselt, dass einem beim Lesen manchmal ein Schauer nach dem anderen den Rücken hinunterläuft. Und ganz besonders die letzten 150-200 Seiten bieten einem hier einen Einblick in die grausige Welt der Psychopathen und Serienmörder. Gerade dieses Buch von Koontz hat für meinen Geschmack die Grenze des Erträglichen ein oder zweimal überschritten, aber nur in einem Maße, dass man noch sagen kann: "...das war seine (Koontz) Absicht und dient hier dem Effekt das empfundene Grauen noch zu steigern."
Für Leute mit schwachen Nerven ist dieses Buch definitiv nicht geeignet. So harmlos es beginnt, so mörderisch, wahnsinnig ist der letzte Höhepunkt in einem dunklen Verlies, indem das unvorstellbare Grauen über Jahre hinweg reiche Beute erhalten hat. Man mag es lesen und sagen... ok, das war's! Aber wenn einem klar wird, dass sowas im realen Leben auch immer wieder vorkommt... dann packt einen das Grauen!
Etwas ganz besonderes bietet dieses Buch aber auch noch und das kommt nicht ganz so häufig in diesem Genre vor: Kritik an der politischen Entwicklung und neuen Gesetzen in den Vereinigten Staaten! Hierbei kritisiert Koontz im Nachwort insbsondere die Zwangsenteignungsgesetzte in Amerika, die es erlauben Besitztum zu einteignen sobald dieser Besitz für Gesetzesversöße (hier: Drogenhandel) benutzt wurde und das ohne Anklage zu erheben! Ein unglaublicher Vorgang, wie er sonst nur in faschistischen Staaten möglich wäre. Koontz verweist hier auf reale Beispiele und zeigt somit deutlich auf, dass das vermeintlich sichere Leben in einer scheinbar demokratisch regierten Gesellschaft sehr schnell zu Ende sein kann!